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Retter kämpfen um jede Minute

Vorbereitung zum Start: Michael Michalk (vorn) lauscht in seine Maschine hinein. 
Vorbereitung zum Start: Michael Michalk (vorn) lauscht in seine Maschine hinein. 
André Gross

Die Crew des Neustrelitzer Rettungshubschraubers war 2014 erneut stark gefordert. Schon die Unfallmeldung kann über Leben und Tod entscheiden.

Fünf Verletzte nach einem Verkehrsunfall auf der B 198 zwischen Darze und Plau, darunter drei schwer: Diese Meldung vom Abend des 13. Juli 2014 werden die in Neustrelitz ansässigen  Luftretter so schnell nicht vergessen. „Durch eine geradezu bilderbuchmäßig abgelaufene Rettungskette konnte Schlimmeres verhindert werden“, blickt Claudia Lossin, Ärztliche Bereichsleiterin Rettungsdienst beim Landkeis Mecklenburgische Seenplatte, zurück. Und diese Kette hatte bei einer vorbildlichen Unfallmeldung eines Zeugen begonnen. „Gerade daran krankt es häufig, und die Rettungskäfte können durch die Leitstelle nicht vernünftig koordiniert werden.“

Michael Michalk, Pilot des ADAC-Rettungshelikopters „Christoph 48“, kann sich auch an einen anderen Flug erinnern, bei dem die Maschine eine halbe Stunde lang über der A 20 kreiste, weil der Anrufer völlig falsche An­gaben gemacht hatte. „Die Beurteilung einer Unfall­situation auch durch einen Laien ist enorm wichtig.“

Über tausend Einsätze im vergangenen Jahr

„Christoph 48“ und seine Besatzungen sind im zurückliegenden Jahr 1092 Mal alarmiert worden. Dabei blieben 70 Einsätze ohne Patientenkontakt, weil Bodenretter zwischenzeitlich den Krisenfall allein in den Griff be­kamen oder der Flug wegen Wetterkapriolen abgebrochen werden musste.

Bei 70 Prozent aller Einsätze brauchte der Helikopter zwischen 10 und 20 Minuten bis zum Ort des Geschehens, bei jedem zweiten Flug waren es zwischen 10 und 15 Minuten. Wie in den vorherigen Jahren war auch 2014 die häufigste Einsatzursache mit knapp 50 Prozent ein „internistischer Notfall“, wie etwa akute Herz- und Kreislaufprobleme. Danach folgen neurologische Notfälle (zwölf Prozent) und Verkehrsunfälle mit fast zehn Prozent. 

Fragt man Michael Michalk nach seiner Bilanz 2014, so hebt der Flieger hervor, dass kein Einsatz von „Christoph 48“ aus technischen Gründen abgebrochen werden musste. „Einmal haben wir bei einer Kontrolle Schleifgeräusche wahrgenommen und die Maschine musste per Lkw nach Halle zur Reparatur. Aber noch am selben Tag war der Austauschhubschrauber da.“ Derzeit ist wieder für Ersatz im Neustrelitzer Hangar gesorgt. „Christoph 48“ ist zur turnusmäßigen Wartung in der Werft in Sachsen-Anhalt.