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Zu wenig Leute, zu viel Verantwortung

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Rettungsleitstelle bleibt Konfliktthema

Bevor die Retter am Notfallort eintreffen, sieht sich die Leitstelle oft vor Personal- und Zeitprobleme gestellt.
Bevor die Retter am Notfallort eintreffen, sieht sich die Leitstelle oft vor Personal- und Zeitprobleme gestellt.
Otmar Smit - Fotolia

Der Landkreis bleibt beim harten Personalkurs: Ganze zwei Disponenten sollen nachts über das Wohl der 270 000 Einwohner wachen.

Drei Disponenten am Tag, zwei in der Nacht: Das findet der Landkreis Mecklenburgische Seenplatte ausreichend für die Besetzung seiner Rettungsleitstelle. Der Vorwurf, die Retter seien damit in Notsituationen oft nicht schnell genug erreichbar und zudem über Gebühr belastet, wird seit Monaten abgewehrt. Die Leitstelle werde betrachtet wie ein Callcenter, monieren jetzt auch Kreistagsabgeordnete im Ausschuss für Ordnung und Sicherheit, Brand und Katastrophenschutz.  „Mir wird angst und bange“, sagte beispielsweise Dieter Stegemann. Der Leiter der Freiwilligen Feuerwehr aus Malchow sitzt für die CDU im Kreistag.

Den Berechnungen und Statistiken aus der Kreisverwaltung zufolge ist alles im grünen Bereich. Indessen verweisen Abgeordnete auf Informationen über reichlich schwierige Situationen. Vor allem sei nicht ständig gewährleistet, dass Notrufe sofort angenommen würden. Nordkurier-Informationen zufolge müssten selbst Retter, wenn sie sich in der Leitstelle melden, längere Zeit warten, ehe sie Gehör finden. Für zusätzlichen Unmut sorgt offenbar Ärger mit der Technik, die nach dem Aufspielen einer neuen Software nicht hundertprozentig funktioniert. Mitarbeiter müssten immer wieder auf alternative Informationswege suchen, die Funkqualität auf den Kanälen sei zudem häufig gestört. Dazu gibt es aus der Kreisverwaltung derzeit keine Angaben. 

Ein riesiger Arbeitsdruck laste auf den Disponenten, befanden die Abgeordneten und warfen der Verwaltung vor, ihrer Fürsorgepflicht für Mitarbeiter nicht nachzukommen. Kritisiert wird auch immer wieder, dass die Disponenten mit einer Vielzahl von Arbeitsabläufen zu tun haben, deren zeitlicher Aufwand nicht berechenbar sei. Beispielsweise müsse, wenn ein Anrufer einen bewusstlosen Menschen melde, die Reanimation durch die Disponenten telefonisch begleitet werden, bis der Rettungsdient eintrifft. Das dauere in der Regel mindestens zehn Minuten.

Der Landkreis hatte die Schichtbesetzung vor mehreren Monaten mit der Begründung reduziert, nunmehr mehr Zeit für die Weiterbildung der Disponenten zur Verfügung zu stellen. In den Schichten der Rettungsleitstelle arbeiten an kreiseigenem Personal derzeit 21 Disponenten.