NEUE MOBILITÄTSIDEEN

Rollt bald ein Wasserstoff-Zug nach Mirow?

Auf der Ost-West-Verbindung zwischen Feldberg und Parchim findet im Land keine Mobilität mehr auf der Schiene statt. Das war einmal anders.
Die „Hans“ fährt unter anderem zwischen Neustrelitz und Mirow. In der Prignitz will das Eisenbahn-Unternehmen
Die „Hans“ fährt unter anderem zwischen Neustrelitz und Mirow. In der Prignitz will das Eisenbahn-Unternehmen jetzt den Bahnbetrieb mit Wasserstoffantrieb testen. Hanseatische Eisenbahn
Dr. Ralf Böhme, Geschäftsführer der Hanseatischen Eisenbahngesellschaft
Dr. Ralf Böhme, Geschäftsführer der Hanseatischen Eisenbahngesellschaft Tobias Lemke
Vertreter aus Politik, Verwaltung, Verkehrsunternehmen, Tourismus, Bürgerinitiativen und anderen Bereichen kamen erstmals
Vertreter aus Politik, Verwaltung, Verkehrsunternehmen, Tourismus, Bürgerinitiativen und anderen Bereichen kamen erstmals in dieser Woche zu den sogenannten Mirower Gesprächen im Unteren Schloss zusammen. Tobias Lemke
Mirow.

Wie werden künftige Generationen mobil unterwegs sein, und das vor allem im ländlichen Bereich? In Mirow hat jetzt der Auftakt zu Gesprächen zwischen Verkehrsexperten, Vertretern aus Politik, Verwaltung und Gesellschaft stattgefunden. Die alle drei Monate stattfindenden Runden sollen eine Plattform sein, um sich über das Thema Mobilität im ländlichen Raum auszutauschen, erklärte Mirows Bürgermeister Henry Tesch (CDU). „Ganz konkret geht es um die Bahn und wie sich mit ihr der Raum ringsherum mitentwickeln lässt“, so Tesch. Gleich zum Start der sogenannten Mirower Gespräche preschte der Bürgermeister der Kleinstadt mit einer beachtlichen Forderung hervor. Das Land solle die 7 Millionen Euro zurückzahlen, die es seit 2012 auf der Bahnstrecke Neustrelitz-Mirow eingespart hat. Mit dem Geld ließe sich vor Ort etwas entwickeln.

„Die Strecke ist aktuell erheblich unterfinanziert“

Dirk Rautmann, Leiter des Amtes für Zentrale Dienste des Landkreises Mecklenburgische Seenplatte, erinnerte in diesem Zusammenhang nochmals an die Rettung der von der Stilllegung bedrohten Verbindung. Vor sieben Jahren sprang der Kreis für das Land, das eigentlich für die Bestellung des regionalen Schienenpersonennahverkehrs (SPNV) zuständig ist, in die Bresche. Die Geschichte wiederholte sich vor zwei Jahren für den Südbahn-Abschnitt zwischen Waren und Malchow. „Wir sind der einzige Landkreis im Land, der Träger des SPNV ist, und das für zwei Strecken“, erklärte Rautmann. Auf beiden Linien fährt die Hanseatischen Eisenbahngesellschaft (Hans).

Das Geld für den SPNV stamme zwar vom Land und werde an den Landkreis durchgereicht, reiche aber nicht für eine attraktive Ausgestaltung der Verbindung aus. „Die Strecke ist aktuell erheblich unterfinanziert“, sagte Rautmann. Zunächst noch bis 2021 sei die Kleinseenbahn über eine Not-Bestellung gesichert. Wie es im Zeitraum danach bis 2027 weitergeht, werde aktuell ausgehandelt. Dabei gehe es um einen hohen sechsstelligen Fehlbetrag.

Bislang sei es lediglich dem Eisenbahn-Enthusiasmus des Firmengründers des Hans-Mutterkonzerns, der Deutschen Eisenbahn Service AG (DES AG), zu verdanken, dass die Kleinseenbahn weiterrollt. „Kaufmännisch hat die Strecke für uns zurzeit keinen Sinn. Wir müssen zumindest dahinkommen, dass wir kostendeckend fahren“, erklärte Ralf Böhme, Geschäftsführer der Hanseatischen Eisenbahngesellschaft. Dennoch hält er solche Strecken wie die nach Mirow für einen „Goldschatz“. Die aktuellen Diskussionen um mehr Klimaschutz und CO2-Einsparung werden zu einer „Renaissance der Schiene“ führen, so der Eisenbahner. Erste Signale des Bundes gibt es bereits. So werde in den kommenden Jahren mehr Geld für den regionalen SPNV bereitstehen, auch MV bekomme davon etwas ab. „Unsere Aufgabe muss es sein, ein Teil davon hier in die Region zu holen“, sagte Böhme.

Strecke in der Prignitz als „Reallabor”

DES Ag und Hans wollen zudem alternative Antriebsformen für die Schiene im ländlichen Raum erproben. So hat der Konzern gerade erst vom Bund finanzielle Hilfen zugesichert bekommen, um in der Prignitz einen mit Wasserstoff betriebenen Bahnbetrieb zu entwickeln. Der Wasserstoff wird dabei über regional erzeugte erneuerbare Energien gewonnen. „Wir können die Strecke in der Prignitz als Reallabor nutzen, da es dort tatsächlich schon eine Wasserstoffanlage direkt an der Schiene gibt. Das ist deutschlandweit einzigartig“, so Böhme. Bei Erfolg könne der Test durchaus auch ein Modell für die nicht elektrifizierten Regionalverbindungen in Mecklenburg sein.

Angeschnitten wurden zudem Themen wie der Pendlerverkehr in Richtung Berlin und die im Landkreis gewünschte Aufnahme in den Verkehrsverbund Berlin-Brandenburg, dass zwischen Feldberg und Neustrelitz noch ein Gleis im Dornröschenschlaf versunken liegt oder die bessere Taktung zwischen Bahn- und Busverkehr angegangen werden muss. Diese und andere Themen sollen auf einem der kommenden Mirower Gespräche auf der Tagesordnung stehen. Die nächste Runde ist für den 4. März geplant.

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