GERUCHSBELÄSTIGUNG

Rudower haben die Nase voll vom Gestank

Seit Monaten sorgt der offen gelagerte Schlamm im Klärwerk für Ärger im Neustrelitzer Stadtteil. Eine kurzfristige Lösung ist nicht in Sicht.
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Der Klärschlamm wird offen gelagert und sorgt immer wieder für starke Geruchsbelästigung in der Umgebung.
Der Klärschlamm wird offen gelagert und sorgt immer wieder für starke Geruchsbelästigung in der Umgebung. Alexander Block
Neustrelitz.

Ein stinkend beißender Geruch war am Mittwoch vom Neustrelitzer Klärwerk aus durch die Rudower Straße über die Lindenhöhe bis hin zum Straßenkreisel in Richtung Innenstadt gezogen. Das gesamte Viertel roch nach faulem, feuchten Schlamm. Der eklige „Duft“ setzte sich in der Nase fest. Wieder einmal. „Es ist nicht auszuhalten. Wir konnten heute morgen nicht auf der Terrasse sitzen und frühstücken und mussten ins Haus flüchten. Doch der bestialische Gestank zieht auch in die Wohnräume, sodass wir die Fenster schließen müssen“, schildert Anwohnerin Marianne Rehmann die Situation in der Lindenhöhe. „Mindestens einmal in der Woche haben wir mit der Belästigung zu kämpfen“, sagte ihr Mann Karl Rehmann. „Wir können kaum noch Besuch empfangen“.

Andere Lagerung nicht möglich

Ursache des Gestanks ist der Klärschlamm des Klärwerks, der bei der Reinigung des Wassers zurückbleibt. Er wird offen auf dem Gelände gelagert und sorgt seit über einem Jahr nicht nur für Ärger, sondern teils auch für Übelkeit bei den Anwohnern. Rund 200 Kubikmeter Schlamm fallen pro Monat beim Klären des Wassers an.

Problem dabei ist, dass das Klärwerk den Schlamm, der normalerweise als Düngemittel genutzt wird, nicht los wird, denn immer weniger Landwirte wollen das Zeug wegen seiner Umweltgifte auf ihre Äcker bringen. So liegt der stinkende Morast bis zu einem halben Jahr lang auf dem Gelände. Eine andere Lagerung sei nicht möglich. „Denn auch wenn der Klärschlamm in einem Gebäude oder Containern gelagert würde, müsste beides belüftet werden – und es würde weiterhin stinken“, sagte der zuständige Stadtwerkemitarbeiter Andreas Kolbatz während einer Führung auf dem Kraftwerksgelände im Juni.

Zusammen mit ihren Nachbarn aus dem Stadtteil haben sich die Rehmanns zusammengetan und ein Beschwerdeschreiben an die Stadt geschrieben. Auch die Fraktion Grüne/PuLS/FDP hat vor Kurzem eine Anfrage an Bürgermeister Andreas Grund (parteilos) geschickt, wie das Problem in Zukunft denn nun gelöst werden könne. In dem Antwortschreiben des Bürgermeisters, das am Dienstag an alle Fraktionen der Neustrelitzer Stadtvertretung geschickt wurde und dem Nordkurier vorliegt, heißt es, dass der Klärschlamm nun mit Folien großflächig abgedeckt werden soll. „Um eine langfristige Lösung im Umgang mit dem Klärschlamm zu entwickeln, ist bereits im Juli 2018 ein Büro beauftragt worden“, heißt es weiter. Zudem erklärt Andreas Grund in dem Schreiben an die Fraktionen, dass neben dem Klärwerk auch eine „landwirtschaftliche Nutzung durch Feldwirtschaft und Tierhaltung sowie eine Biogasanlage existiert und Geruchsbelästigungen möglicher Weise nicht allein von der Kläranlage ausgehen können.“

Verbrennungsanlage geplant

In ein paar Jahren könnte auch eine geplante Verbrennungsanlage für Klärschlamm in Rostock Abhilfe schaffen. Spätestens im Jahr 2024 soll sie nach derzeitigem Stand fertig sein. „Die Verwaltung kann sich vorstellen, dass die Stadt Mitgesellschafterin solch einer Anlage werden kann, um die Klärschlamm-Entsorgung sicherzustellen. Das schließe nicht aus, dass auch andere Lösungsansätze untersucht werden“, so Grund.

Die Fraktion Grüne/PuLS/FDP möchte die Antwort der Anfrage nun auf ihrer kommenden Fraktionssitzung in der nächsten Woche besprechen. „Dann werden wir sehen, wie wir als Fraktion weiter mit dem Thema verfahren“, sagt Fraktionsmitglied Falk Jagszent. „Wichtig ist, dass wir so schnell wie möglich eine Lösung für das Problem bekommen.“

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