FORSCHUNG IN NEUSTRELITZ

Schiff ahoi ohne Käpt’n?

Das DLR in Neustrelitz arbeitet zusammen mit vielen Partnern an einem großen Projekt, das Wasserfahrzeuge auf den Weg schickt, ohne dass die Besatzung das Steuer in die Hand nehmen muss.
Ingmar Höfgen Ingmar Höfgen
Das DLR in Neustrelitz arbeitet an einem Projekt zur autonomen Binnenschifffahrt mit.
Das DLR in Neustrelitz arbeitet an einem Projekt zur autonomen Binnenschifffahrt mit. Ingmar Höfgen
Neustrelitz.

Noch ist es Zukunftsmusik: Kleine Schiffe fahren die Spree entlang und transportieren Waren in die Hauptstadt. Die Schiffe sind unbemannt, sie kommunizieren untereinander und treffen selbstständig Entscheidungen. Beladen werden sie außerhalb der Ballungszentren – automatisch. Damit diese Idee bis zum Jahr 2033 Realität werden kann, wird auch die etwa 20 Wissenschaftler starke Neustrelitzer Außenstelle des Deutschen Zentrums für Luft- und Raumfahrt (DLR) seine Forschungsergebnisse einbringen. Das DLR ist Partner eines entsprechend angelegten Projektes, das am Freitag in Wildau vorgestellt wurde.

In der Nähe von Wildau, südöstlich von Berlin, wird in den nächsten Jahren ein Testfeld für die Binnenschifffahrt aufgebaut. Auf der Spree-Oder-Wasserstraße (SOW) zwischen Königs Wusterhausen und Eisenhüttenstadt sollen dann Basistechnologien getestet werden. Ziel ist zum einen, langfristig mehr Güter von der Straße auf das Wasser zu holen. Zum anderen geht es darum, bei der Programmierung Künstlicher Intelligenz den weltweiten Anschluss zu halten.

In dem Aktionsplan „Digitalisierung und Künstliche Intelligenz in der Mobilität“ des Bundesverkehrsministeriums sind außerdem Projekte im Hamburger Hafen, auf dem Abschnitt des Dortmund-Ems-Kanals zwischen dem Hafen Dortmund und der Schleuse Waltrop, sowie die Digitalisierung des Elbkorridors enthalten. Aktuell ist das DLR nur für das SOW-Projekt ein Partner, führt aber auch wegen der anderen Projekte Gespräche.

Autonomes Fahren als höchste Stufe

In der nicht sehr stark befahrenen SOW ist das Ziel, die Abweichung von errechneter und tatsächlicher Position der Schiffe unter zehn Zentimeter zu drücken. Der Neustrelitzer Part besteht darin, diese hochgenaue Positionsbestimmung mit zu ermöglichen. Das fünf- bis sechsköpfige Team um Ralf Ziebold verwertet dafür Satellitenmeldungen nicht nur des US-amerikanischen GPS-Systems, sondern auch des russischen Systems Glonass, des europäischen Projektes Galileo und bald auch eines chinesischen Projektes. Denn nur, wenn die Position wirklich genau bestimmt wird, kann alles autonom laufen.

Autonomes Fahren ist dabei die höchste Stufe. Es bedeutet, dass die Systeme selbst entscheiden. Bis dieses Ziel erreicht ist, soll in Zwischenschritten teilautomatisierte (bis 2020) und automatisierte Binnenschiffe (bis 2022) auf der Teststrecke fahren. Bis zum autonomen Fahren darf es dann noch einmal elf Jahre, also bis 2033, dauern.

Ziebold findet, dass autonome Systeme zuerst bei der Schifffahrt und nicht im Straßenverkehr getestet werden sollten. „Auf der Wasserstraße passiert relativ wenig.“ Beim Auto sei es komplizierter, nicht nur wegen der viel kürzeren Reaktionszeiten – ob es ein Kind war oder ein Reh, das plötzlich auf die Straße springe, das müsse der Wagen auch erkennen können.

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