Beobachtungsturm aufgestellt
Schildkröten werden ausgesiedelt

Muskelkraft ist nötig, um die neue Beobachtungskanzel am Ufer aufzurichten. Die „Füße“ sind aus Eichenholz, damit sie der Nässe stand halten. Rechts im Bild Landwirt und Jäger Bernd Wodrich. Zweiter von rechts: Peter Hünniger, Erster von links: Hartmut Breu
Muskelkraft ist nötig, um die neue Beobachtungskanzel am Ufer aufzurichten. Die „Füße“ sind aus Eichenholz, damit sie der Nässe stand halten. Rechts im Bild Landwirt und Jäger Bernd Wodrich. Zweiter von rechts: Peter Hünniger, Erster von links: Hartmut Breu
Klaus-Jürgen Fischer

Im einzigen Lebensgebiet für eine seltene Schildkrötenunterart in Mecklenburg-Vorpommern wird die Auswilderung weiterer Jungtiere vorbereitet - in der Feldberger Seenlandschaft.

Fröschequaken, abgestorbene und junge frische Erlen im sumpfigen Wasser, mit Binsen bewachsene Inseln und Inselchen. „Dies ist das schönste Habitat in der Feldberger Seenlandschaft“, schwärmt Hartmut Breu, auf der neuen Aussichtsplattform am Rande des 20 Hektar großen Feuchtgebiets-Areals stehend. Soeben hatte die Firma Jagdservice Peter Hünniger aus Gräpkenteich diese Holzkanzel angeliefert und mit tatkräftiger Unterstützung von zwei Nachbarn aufgestellt. Von anderen ähnlichen Plattformen am Südufer des Gewässers aus beobachten Breu sowie die Bauern Bernd Wodrich und Roland Diesterweg schon seit 2008 den Lebensraum der speziellen Unterart der Europäischen Sumpfschildkröte (Emys o. obicularis). Diese komme heute nur noch in der Uckermark und eben hier in der Feldberger Region vor.

Die letzte natürliche Population in der Nähe war bereits erloschen, als Hartmut Breu unter Federführung des Staatlichen Amtes für Landwirtschaft und Umwelt Mecklenburgische Seenplatte (StALU) im Jahre 1999 mit der Vorbereitung der Auswilderung begann. Dazu wurde ein Gewässer für die Sumpf“törtel“ tauglich gemacht. Dann wurden 2008 zunächst 20 Jungtiere aus der Naturschutzstation Rhinluch in Linum (Ostprignitz-Ruppin) ausgewildert, 2010 weitere 13 und in diesem Jahr sollen rund 20 folgen. „Die werden dann hier ins Wasser gelassen, direkt an der neuen Beobachtungskanzel“. Somit solle die vielleicht letzte Chance genutzt werden, in Brandenburg und in Mecklenburg-Vorpommern eine Art zu retten, die zu den ältesten Wirbeltieren überhaupt gehört.