WEGEN CORONA

Schüler sollen rund um die Uhr in der Schule bleiben

Ungewöhnlicher Vorschlag vom Neustrelitzer Schulleiter Henry Tesch: Die jüngeren Schüler sollen wegen Corona daheim bleiben, die Älteren sollen in der Schule übernachten. Sie könnten sich so besser aufs Abi vorbereiten als je zuvor.
Schulleiter Henry Tesch will seine Schule dicht machen - aber einen Teil der Schüler darin lassen.
Schulleiter Henry Tesch will seine Schule dicht machen - aber einen Teil der Schüler darin lassen. NK-Archiv
Neustrelitz ·

Der ehemalige Bildungsminister Mecklenburg-Vorpommerns und Direktor des Neustrelitzer Gymnasium Carolinum, Henry Tesch (CDU), sorgt mit einem ausgefallenen Vorschlag wegen der Corona-Krise für Aufsehen: Der 57-Jährige hat in einem Interview mit dem Blog „Jmwiarda” vorgeschlagen, seine Schule wegen des Corona-Virus vorerst abzuriegeln: „Die Leute sind verunsichert durch die bislang getroffenen Maßnahmen”, sagte er in dem Interview: „Mich rufen Eltern an und fragen, wann wir dichtmachen. Die Politik verbietet Veranstaltungen mit mehr als 1000 Teilnehmern, wir sind aber eine Schule mit über 1000 Schülern auf engstem Raum.” Die Schule hatte bereits vor einigen Wochen einige Schulreisen auf Eis gelegt.

„Wir hätten genug Schlafplätze”

Allerdings sollen nach Teschs Vorschlag nur die Schüler der niedrigeren Klassen daheim bleiben. Die Ältern sollen in der Schule in Quarantäne gehen – als freiwillige „Bildungsquarantäne”. Tesch sagt dazu: „Wir müssen das Abitur sichern, wenn Schulschließungen angeordnet werden sollten, und es gäbe genug Lehrer bei uns, die bereit wären, mitzumachen”. Weiter führt er aus: „Normalerweise haben wir gut 1000 Schüler, wenn die Hälfte von ihnen dabei wäre, hätten wir genug Schlafplätze, die Sanitäranlagen sind da, und der Nachschub mit Verpflegung wäre auch gesichert.”

Auf die verblüffte Frage des Interviewers, ob er das alles ernst meine, antwortete Tesch: „Und ob.” Tesch wirbt weiter für seine Idee: „Dann bilden wir Lerngruppen, veranstalten Lesenächte, schalten Netflix frei. Ehemalige Schüler haben sich schon gemeldet und gesagt, sie wollen uns helfen. Beim Unterricht – und abends wollen sie dann auflegen und Disco machen.”

Die Entscheidung über so einen weitreichenden Schritt und die exotische Maßnahme kann Tesch allerdings nicht selbst treffen. Sie liegt bei den übergeordneten Behörden – etwa dem Gesundheitsamt des Kreises und dem Schweriner Bildungsministerium.

„Digitalisierung im ländlichen Raum verschlafen”

Tesch, der von 2006 bis 2011 MV-Bildungsminister war, erklärt auch, warum er seinen Vorschlag für sinnvoller hält, als die Schüler einfach nach Hause zu schicken – denn im ländlichen Raum hätten viele Schüler ansonsten keine Möglichkeiten: „Hier gibt es kaum Breitband, mit dem wir den Unterricht online abhalten könnten”, klagt Tesch. „In der Krise wird deutlich, wie sehr die Digitalisierung im ländlichen Raum verschlafen wurde. Wo ist das schnelle Internet in den Dörfern und Kleinstädten, wo die meisten unserer Schüler wohnen?”

Wegen des Corona-Virus ändert sich momentan beinahe stündlich die Nachrichtenlage. Immer mehr große und zunehmend auch kleine Veranstaltungen werden abgesagt – von der Möglichkeit zu Schulschließungen haben die Landesregierungen bislang nur in Verdachtsfällen Gebrauch gemacht. In anderen europäischen Ländern wie Italien bleiben die Schulen hingegen bis April geschlossen.

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