GROßE SORGE

Schwalben kämpfen ums Überleben

Ein Bauer aus Schwabendorf macht sich Sorgen, dass es immer weniger „Vögel des Glücks“ gibt. Dieses Jahr macht er eine besonders traurige Beobachtung.
Schwalben konnten dieses Jahr bisher kaum Nester bauen, weil es zu trocken war.
Schwalben konnten dieses Jahr bisher kaum Nester bauen, weil es zu trocken war. Kirsten Gehrke
Schwabendorf.

Es ist ein Trauerspiel. Wenn Friedrich Beck in seinen Kuhstall schaut, dann sieht er an den Balken kaum ein Schwalbennest. Sonst sind die Hölzer dicht an dicht bebaut. Die Vögel indes fliegen durch die offenen Fenster wirr ins Gebäude rein und raus. Sie wissen offenbar nicht, wohin. Der Bauer stellt fest, dass so wenig wie nie Schwalben zu ihm gekommen sind. „Dieses Jahr ist es besonders stark“, sagt er. Zwar könne er sich erinnern, dass vor zwei Jahren Krähen schon mal die Schwalbennester geräubert hätten, aber so etwas wie in diesem Jahr habe er noch nicht erlebt.

Für den Lehmbrei fehlt das Wasser

Die Tiere leiden unter der wochenlangen Trockenheit. Sie konnten keine Nester bauen und damit nicht brüten. Ihnen fehlte das Wasser für den Lehmbrei. Rings um seinen Hof im Dorf sei alles verdorrt. So richtig weiß Beck nicht, wie er den Schwalben helfen kann. Die verhungern. So legt er erst einmal mit dem Wasserschlauch eine große Pfütze an. Ob das jetzt so kurz vor der zweiten Brutzeit noch etwas nützt, das sieht er eher skeptisch. Aber einen Versuch sei es wert. Er sei ein bisschen ratlos. Denn das fehlende Wasser sei das eine, auch gebe es von Jahr zu Jahr weniger Fliegen, stellt er fest. Damit fehle den Vögeln eine Nahrungsgrundlage. Sorge um die Schwalben gebe es aber nicht nur bei ihm. Im Allgemeinen würden die Zahlen zurückgehen. Das bedauert er. Die Vögel galten immer als Glücksbringer. Schwalben, die am Haus brüten, würden im Volksglauben Schutz vor Unwetter bedeuten.

Kunstnester könnten den Tieren in der Not helfen

Der Naturschutzbund (NABU) in Mecklenburg.-Vorpommern kann die Beobachtungen Becks nur bestätigen. Der Bauer mache es richtig, wenn er Wasserlöcher anlegt, sagt Ulf Bähker, Naturschutzreferent und Ansprechpartner für Ornithologen. „Viel mehr kann er nicht machen.“ Eine Möglichkeit wäre noch, künstliche Nisthilfen aufzuhängen – Kunstnester oder kleine Bretter. Dieses Jahr sei sehr trocken. Für den Nestbau müsse der Lehm feucht sein, den die Vögel mit ihrem Speichel zu einer festen Masse verkleben. 1500 Lehmkügelchen würden sie für ein Nest verarbeiten, so Bähker. Die Dürre mache die Situation noch extremer, nachdem schon viele Feldwege asphaltiert sind und wenig Lehm vorhanden ist.

Die wenigsten Leute würden noch Schwalben in Ställe einfliegen lassen. Viele würden zudem Nistplätze an Häusern nicht mehr dulden. Überall sehe man jetzt vor allem auch in neuen Eigenheimgebieten Flatterbänder unter der Dachkante. Ob das schöner aussehe als ein Schwalbennest, wage Bähker zu bezweifeln. Aber auch der Insektenrückgang sei schuld, dass es immer weniger „Glücksvögel“ gibt. Schwalbennester seien laut Bundesnaturschutzgesetz ganzjährig geschützt. Sie dürften auch in der Zeit, wenn die bedrohten Vögel in Afrika überwintern, weder beschädigt noch zerstört werden.

Plakette für Schwalbenfreunde

Der NABU hofft darauf, dass die Menschen wieder mehr für Schwalben tun. Als vor Jahren Urlauber aufgeregt anriefen, dass Hotels Schwalbennester mit Jungen mit dem Stock abschlagen, obwohl Mecklenburg-Vorpommern mit der Natur Werbung macht, habe der NABU beschlossen, etwas zu tun. Er zeichne jetzt Menschen mit einer Plakette aus, die Schwalben bei sich brüten lassen. Über 1000 seien im Land bereits verliehen worden. „Jetzt hat der NABU bundesweit das übernommen“, sagt Bähker. Schlechtes Wetter und Extreme habe es immer schon gegeben, worauf die Population bis vor Jahren reagieren konnte und es gute Schwalbenjahre wurden. Doch jetzt hätten sich die Rahmenbedingungen noch dazu negativ verändert. „Und das ist nicht mehr gut.“

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