CORONA MACHT MOBIL

Seenplatte zurzeit das Mekka der Wohnmobil-Touristen

Wer dieser Tage durch die Seenplatte kurvt, dem dürften die vielen Wohnmobile auffallen. Die hohe Nachfrage an Campingurlaub ist großartig – und chaotisch.
Auf dem Wohnmobilstellplatz in Neustrelitz bleiben aktuell keine oder nur sehr wenige Flächen frei. Die Nachfrage ist eno
Auf dem Wohnmobilstellplatz in Neustrelitz bleiben aktuell keine oder nur sehr wenige Flächen frei. Die Nachfrage ist enorm, da Reisen im Wohnmobil in diesem Sommer sehr beliebt ist. Tobias Lemke
Seenplatte.

Fast 29 Prozent mehr Neuzulassungen bei Wohnmobilen im Mai vermeldete das Statistische Bundesamt in dieser Woche. Wohnmobile verbuchten als einziges Pkw-Segment in der Corona-Krise ein Zulassungsplus, teilte die Bundesbehörde mit. Ein gehöriger Teil der frisch zugelassenen Fahrzeuge dürfte dabei derzeit durch die Seenplatte düsen. Das größere Interesse am Campingurlaub spüren hiesige Vermieter und Stellplatz-Anbieter aktuell sehr vehement.

Einen Anstieg der Anfragen kann etwa Maik Tiedt von der Marina Wesenberg erkennen. „Es sind deutlich mehr Wohnmobile unterwegs“, sagt er. Noch habe er freie Kapazitäten, zu gut drei Vierteln seien seine Stellflächen in dieser Woche aber belegt gewesen. Gerade aus Süddeutschland hätten viele Camper den Weg in die Seenplatte gefunden, so seine Erkenntnis. Statt in Italien, Frankreich oder Schweden liegen die Zielorte deutscher Camper in diesem Sommer im Inland. „Das ist eine Riesen-Chance für unsere Urlauberregion“, findet Tiedt und meint, wenn man jetzt punktet, komme der eine oder andere sicher wieder.

Auf 20 bis 30 Prozent schätzt etwa Jens Rick vom Bootsservice Rick & Rick aus Mirow die Zunahme auf seinem Wohnmobilstellplatz ein. „Wir haben erst im vorigen Sommer mit dem Angebot angefangen und merken, dass aktuell mehr los ist als im Vorjahr“, sagt der Firmenchef. Die städtischen Stellplätze vor der Mirower Schlossinsel seien dieser Tage vollends ausgelastet, hat er zudem beobachtet. Dass dort für 12 Stunden kostenfreies Parken möglich ist, sieht Rick kritisch. Die wenigsten würden die Zeitbeschränkungen einhalten und fürs Vorhalten der Infrastruktur werde nichts gezahlt.

Mirows Bürgermeister: „Anarchie war nie größer“

Nahezu vollständig ausgelastet sei auch der Reisemobilstellplatz am Neustrelitzer Hafen, berichtet der Neustrelitzer Bürgermeister Andreas Grund. Gleiches treffe übrigens auch auf die Anlegestellen für Boote im Hafen zu.

Dass die Camper und Bootsfahrer in Neustrelitz aktuell mit nur einer Toilette auskommen müssen, habe mit den Vorschriften zum Schutz vor dem Corona-Virus zu tun. Es solle sichergestellt werden, dass Mindestabstände eingehalten werden. Camping- und Bootstouristen sollen vorrangig ihre eigenen Sanitäranlagen an Bord nutzen. In der Redaktion des Nordkurier in Neustrelitz hatte sich eine Camperin aus Schleswig-Holstein über die Toiletten-Teilschließung beschwert.

Jedoch ist die Stadt Neustrelitz längst nicht der einzige Stellplatzvermieter, der so handelt. In der Marina Wesenberg wurden die Sanitäranlagen sogar komplett gesperrt. „Wir wollen, dass unsere Gäste genauso gesund wieder vom Hof fahren, wie sie hier angekommen sind“, begründet Tiedt.

Tagestourismus im Land noch nicht erlaubt

Mit den Beschränkungen müssen die Camper klarkommen, findet auch Enrico Hackbarth von der Kleinseenplatte Touristik GmbH. „Der Vorteil der Wohnmobile ist ja, dass sie autark unterwegs sein können“, sagt er. Nicht zuletzt aus diesem Grund sei die Nachfrage nach Caravanurlaub in der aktuellen Situation so hoch. Und Stellen für die Entsorgung voller Klos gebe es in der Region genug.

Aus Sicht der Touristiker ist die Anzahl gestiegener Caravan-Reisender erfreulich. „Die Campingplätze sind wirklich zu nahezu 100 Prozent voll“, sagt Enrico Hackbarth, der zugleich aber auf aktuelle Probleme hinweist. So habe das wilde Parken in der Landschaft zugenommen. Grundsätzlich sei es zwar erlaubt, sich für eine Nacht auf einen Parkplatz zu stellen, um die Fahrtüchtigkeit wieder herzustellen, wie es in den Vorschriften heißt. Diese Regelung werde mitunter aber schamlos ausgenutzt.

Weil Tagestourismus im Land noch nicht erlaubt ist, werde zur Sicherheit noch eine Buchung getätigt und anschließend wieder storniert. So kann bei Kontrollen eine Buchungsbestätigung vorgelegt und behauptet werden, man habe es nicht bis zum Zielort geschafft. „Wir alle haben uns über die Öffnung gefreut, aber die Anarchie war gefühlt nie größer“, sprach kürzlich auch Mirows Bürgermeister Henry Tesch das Problem des Wildcampings in der Kleinseenplatte an. Die Betreiber von Herbergen und Ferienunterkünften würden hingegen lobenswert auf die Einhaltung aller Regeln achten.

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