GESUNDHEIT

▶ So glücklich macht Baden im Winter

15 Frauen, Männer und Kinder stiegen in den Glambecker See – viele von ihnen zum ersten Mal. Freudestrahlend kamen sie wieder heraus.
Susanne Böhm Susanne Böhm
So sehen Helden aus: Nach mehreren Sekunden im eiskalten Wasser stiegen diese Leute entspannt aus dem Glambecker See. Fitnesst
So sehen Helden aus: Nach mehreren Sekunden im eiskalten Wasser stiegen diese Leute entspannt aus dem Glambecker See. Fitnesstrainerin Jette Engelbrecht-Cujas (Sechste von rechts) hatte zu der Aktion eingeladen. Susanne Böhm
Neustrelitz.

Am Glambecker See in Neustrelitz geschah am Sonnabend ein kleines Wunder. 15 Frauen, Männer und Kinder, von denen die meisten noch nie zuvor im Winter gebadet hatten, überwanden sich plötzlich und stiegen heldenhaft ins eiskalte Wasser. Die Lust, über sich hinauszuwachsen, die Freude an der Gemeinschaftsaktion und die Motivation von Fitnesstrainerin Jette Engelbrecht-Cujas hatte sie dazu gebracht.

Strahlend kamen Marco Süldt und sein Sohn Luis aus dem See, nachdem sie rund 20 Sekunden lang bis zu den Schultern abgetaucht waren. „Mir ist jetzt nicht mal kalt, das Frieren ist weg, und man ist stolz“, berichtete der 13-Jährige. „Beim Reingehen brennt es erst mal richtig, aber hinterher ist man glücklich und hat richtig Power“, sagte Marco Süldt. Er würde es wieder tun, allerdings gern erneut in der Gruppe. „Die Gemeinschaft ist hilfreich. Allein ist es schwer.“

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Es kommt auf „mentale Stärke” und die „Psyche” an

Genau darum hatte Jette Engelbrecht-Cujas zum Gemeinschaftsbaden eingeladen. Die Trainerin für Körper und Geist weiß, dass viele übers Eisbaden nachdenken, aber nur die wenigsten sich dazu durchringen. Bei Aufwärm- und Atemübungen in lockerer Runde erklärte sie den 15 Eisbadern und mindestens noch mal so vielen Zuschauern, warum Eisbaden so gesund ist und wie man die Aktion richtig durchführt. „Beim Eisbaden spielen mentale Stärke und die Psyche eine große Rolle.“

Ein versierter Eisbader hopse nicht hysterisch kreischend in die Fluten und kraule dann mit Schnappatmung hektisch ein paar Meter, sondern gehe ruhig atmend, auf sich selbst konzentriert gemäßigten Schrittes, aber ohne zu zögern bis zum Bauch ins Wasser, beuge dann die Knie, lege die Hände auf die Knie und verharre einige Sekunden bewegungslos bis zu den Schultern im Wasser. Der Rückweg verlaufe am besten genauso entspannt. Exakt das taten die tapferen Eisbader, allen voran Jette Engelbrecht-Cujas. „Ihr seid Kämpfer“, lobte sie.

„Wer gern in die Sauna geht, im Sommer gern schwimmt, sich fit fühlt, für den ist Eisbaden das Richtige.“ Wer schon im Sommer beim Baden nach einer Minute friert oder Kreislaufprobleme hat, solle im Winter lieber an Land bleiben. „Eisbaden ist eine Kältetherapie, die das Immunsystem und die Weißen Blutkörperchen stärkt, die Gefäßmuskulatur trainiert und den Blutkreislauf anregt. Es stärkt die Ausdauer – und es ist gut für die Libido, ein natürliches Viagra.“ Mindestens genauso toll sei die Wirkung auf die Psyche. „Es gibt Mut und Stärke, man lernt, intuitiv ruhig zu bleiben, Dinge anzunehmen, loszulassen, kann besser schlafen, gewinnt eine klare Sicht und entwickelt Glückshormone.“

„Je öfter desto besser”

Anfänger sollten es bei wenigen Sekunden belassen, zehn Sekunden seien „die goldene Mitte“, Fortgeschrittenen seien 20 bis 30 Sekunden zu empfehlen, Profis blieben bis zu einer Minute oder sogar länger im Wasser. Jeder müsse auf seinen eigenen Körper hören und dürfe es auf keinen Fall übertreiben. Sie selbst bleibe gern 45 Sekunden im eisigen Wasser. Das Geheimnis sei die Atemtechnik. Erste Tipps gab sie den Neulingen am Wochenende bereits. Wie jedes Training und jede Medizin, entfalte das Eisbaden natürlich erst dann seine Wirkung, wenn es regelmäßig praktiziert wird. Sie selbst sei in der kalten Jahreszeit in den Morgenstunden regelmäßig am Glambecker See anzutreffen. „Je öfter desto besser, am besten jeden Tag. Wer das zeitlich nicht schafft, kann wenigstens Wechselduschen.“

Die Neustrelitzer Sportlerin hatte das Winterbaden in Gemeinschaft kostenlos angeboten. Nur um Spenden für den Verein Target, der sich gegen die Genitalverstümmlung von Mädchen in Afrika einsetzt, hatte sie gebeten. „Es ist einiges zusammen gekommen. Danke an alle.“

Spontan die erste Neustrelitzer Eisbadergruppe gegründet

Weil aus der Gruppe der Wunsch nach Wiederholung kam, wurde spontan die erste Neustrelitzer Eisbadergruppe gegründet. Zum nächsten Treffen lädt Jette Engelbrecht-Cujas am Sonnabend, dem 18. Januar, um 9 Uhr, an den Glambecker See. Gebadet wird unterhalb der Treppe gegenüber des Gymnasiums. Danach ist die Trainerin jeden ersten Sonnabend im Monat um 11 Uhr an derselben Stelle anzutreffen. Die Treffen bleiben kostenlos, um Spenden für Afrika wird gebeten. Für Rückfragen ist Jette Engelbrecht-Cujas zu erreichen per E-Mail an Coaching29@gmx.de. Ab dem 18. Januar ist ihre Internetseite www.coaching29byjetti.com freigeschaltet.

 

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