VORSTELLUNG IM LEEA

So soll der neue Neustrelitzer Schlossturm aussehen

Für das Millionenprojekt hofft die Stadt auf nicht zurückzahlbare Fördermittel. Fördertöpfe sollen bei Bund und Land angezapft werden.
Entwurfsplanung für den Schlossturm. Details der Fassadengestaltung sind noch zu klären.
Entwurfsplanung für den Schlossturm. Details der Fassadengestaltung sind noch zu klären. MKK-Architekten Schwerin
Ein historisches Foto des 1909 erbauten Schlossturms.
Ein historisches Foto des 1909 erbauten Schlossturms. Landeshauptarchiv Schwerin
Der Schlossberg liegt hier noch im Winterschlaf. Das Bild ist symbolisch: Schon sehr lange wird um die Gestaltung des Areals g
Der Schlossberg liegt hier noch im Winterschlaf. Das Bild ist symbolisch: Schon sehr lange wird um die Gestaltung des Areals gerungen. Und so soll der Turm künftig aussehen. Nordkurier-Archiv
Neustrelitz ·

Das dürfte eine Art Meilenstein gewesen sein: Nach jahrelangen Diskussionen um die Gestaltung des Neustrelitzer Schlossbergs wurde am Dienstagabend erstmals der Vorentwurf für den Bau eines Schlossturms öffentlich präsentiert. Und für gut befunden! Eine wichtige Vorgabe war Monate zuvor ebenfalls hart erkämpft worden. Nach einem Beschluss der Stadtvertretung soll der Turm in Anlehnung an das originale Äußere und mit einer modernen Innenausstattung errichtet werden.

Frank Kirsten vom Büro MKK-Architekten Schwerin stellte das ambitionierte Vorhaben zusammen mit dem Tragwerkspezialisten Jens Wendelborn von der Dr. Apitz-Planungsgesellschaft vor. Entstehen soll eine Konstruktion aus Stahlbeton, Sandstein und Putz mit einem Kuppeldach aus Stahl, Holzschalung und Kupfereindeckung. Der vorgelegte Entwurf orientiert sich an dem 1909 in neubarockem Stil erbauten Turm des Residenzschlosses der Herzöge von Mecklenburg-Strelitz. Turm und Schloss waren 1949 abgerissen worden. Für viele Strelitzer klafft seitdem „im alten Herzen von Neustrelitz eine große Wunde“, wie es immer wieder heißt. Andere hingegen finden einen Neubau nicht wichtig. Ein kompletter Neubau von Schloss und Turm steht bislang nicht in Aussicht.

Der neue Schlossturm wird auf einer Grundfläche von neun mal neun Metern und auf der Gründung für den alten Turm und in den originalen Proportionen errichtet. Das Bauwerk soll rund 53 Meter hoch werden. Es wird über einen Aussichtspunkt in Höhe von rund 24 Metern sowie über eine Plattform in fast 43 Metern Höhe verfügen. Allerdings wird die Plattform wegen ihres begrenzten Platzes nicht jederzeit zugänglich sein, hieß es.

Das Bauwerk wird als Kaltturm – also ohne Heizung – gebaut, was eine ganzjährige Nutzung jedoch nicht ausschließen soll. Im Inneren werden auf fünf Etagen Ausstellungsräume errichtet. Die Etagen werden sowohl über Treppen als auch über einen Fahrstuhl zu erreichen sein. Auf der Seite zum Schlossgarten bekommt der Turm die am historischen Vorbild orientierte Fassade. Über andere Bereiche der Fassade ist das letzte Wort noch nicht gesprochen. Dies hat damit zu tun, dass der Originalturm in das Schloss eingebettet war und man jetzt entscheiden müsse, wie die Anschlüsse an das nicht mehr vorhandene Schloss modern gestaltet werden sollen, verdeutlichte Architekt Frank Kirsten.

Baubeginn frühestens im Jahr 2023

In dem zur Tiergartenseite befindlichen Bereich wird zudem ein Eingangsbereich in Form eines gläsernen Pavillons etabliert, der durch einen gläsernen Tunnel mit dem Turm verbunden werden soll.

Die gestrige Präsentation vor dem Ausschuss für Bau – und Stadtentwicklung fand großen Zuspruch. So sprach Stadtvertreter Bernd Werdermann von einer beeindruckenden Vorstellung. Zahlreiche Neustrelitzer als Gäste der Beratung im Landeszentrum für erneuerbare Energien verfolgten die Präsentation ebenfalls sehr interessiert.

Bevor der Turm aber von Besuchern erobert werden kann, wird noch Zeit vergehen. Prognosen gehen von einer Fertigstellung im Jahr 2027 aus. Schon die Errichtung der Fassade werde rund zwei Jahre Bauzeit in Anspruch nehmen, kündigte Architekt Kirsten an, Baubeginn könne frühestens 2023 sein.

Zunächst muss die Stadt ohnehin noch die Fördermittelhürde nehmen. Rund sieben Millionen Euro sind an Kosten für den Neubau nach altem Vorbild geplant. Das Land hat bereits Fördermittel in Aussicht gestellt. Diese sollen auch vom Bund kommen. Doch dafür sind noch die entsprechenden Antragsunterlagen, mit denen die Stadt auch überzeugt, einzureichen.

Der Vorentwurf liegt als Ergebnis der Vorplanung bereits seit Dezember 2020 als Grundlage zur Beantragung von Fördermitteln vor. Die öffentliche Präsentation im Fachausschuss konnte im Dezember 2020 und Januar 2021 wegen des Corona bedingten Sitzungsausfalles nicht wie ursprünglich vorgesehen stattfinden, hieß es am Dienstag aus dem Neustrelitzer Rathaus.

Im Rahmen eines Wettbewerbsverfahrens hatte die Stadt Neustrelitz im August 2020 die Arbeitsgemeinschaft Freier Architekten Mikolajezyk, Kessler, Kirsten aus Schwerin beauftragt, Planungsunterlagen in Anlehnung an das Original zu erarbeiten. Außerdem wurden eine Kostenschätzung und ein Terminplan mit den wesentlichen Vorgängen des Planungs- und Bauablaufes erarbeitet. Für die Sicherung der Finanzierung soll auch noch eine Fördergeberkonferenz abgehalten werden.

Neben dem Neubau des Schlossturms durch die Stadt Neustrelitz wird das Land MV das frühere Schlossareal, einschließlich der ehemaligen Schlosskeller, neu gestalten. Wegen der Einsprüche aus Stadtvertretung und Residenzschlossverein gegen Ergebnisse eines früheren öffentlichen Wettbewerbsverfahrens und Planungen des Landes auf dem Schlossberg war zwei Jahre lang ein Bau- und Planungsstopp seitens des Landes ausgesprochen worden. Erst am 18. Dezember 2019 legte die Vereinbarung zwischen Stadt und Land die Grundlage dafür, dass die Planung fortgesetzt und der städtebauliche Missstand auf dem Schlossberg beseitigt werden kann.

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