GELDNOT

Sozialkaufhaus in Kiefernheide vor dem Aus?

In der Einrichtung in der Karbe-Wagner-Straße in Neustrelitz herrscht ein reges Kommen und Gehen. Doch jetzt ist sie in akuter Gefahr.
Susanne Böhm Susanne Böhm
Stephan Weichel, stellvertretender Leiter des Sozialfundus, hofft, dass die Einrichtung weiter betrieben werden kann.
Stephan Weichel, stellvertretender Leiter des Sozialfundus, hofft, dass die Einrichtung weiter betrieben werden kann. Susanne Böhm
Neustrelitz.

Der Sozialfundus in Neustrelitz steht vor dem Aus. Wenn nicht schnell Geld in die Vereinskasse kommt, muss das Kaufhaus für Bedürftige in Kiefernheide schließen. Das teilte Heino Rechlin, Vorstandsvorsitzender des Arbeitslosenverbandes Mecklenburg-Strelitz, am Montag mit. Rund 10 000 Euro monatlich benötige der Verband, um den Fundus im Kiefernheide-Center, die Beratungsstelle in der Heinrich-Mann-Straße und die Schulsozialarbeit aufrechterhalten zu können. Bis auf wenige, sehr gering bezahlte Ausnahmen arbeiten die Vereinsmitglieder ehrenamtlich. So gelang es bislang mit Ach und Krach, ohne Gewinn, aber auch ohne Verlust zu wirtschaften. Nun aber kippt das Gleichgewicht.

„Kulanterweise konnten wir bisher das gesamte Kellergeschoss in der Karbe-Wagner-Straße 28 nutzen, obwohl per Mietvertrag weniger Fläche festgeschrieben wurde“, erklärte Heino Rechlin. Nun habe das Gebäude aber den Eigentümer gewechselt und der Arbeitslosenverband müsse sich auf die im Mietvertrag vereinbarte Fläche begrenzen. Verkleinertes Angebot bedeute weniger Umsatz und sinkende Einnahmen. Hinzu kämen steigende Mieten, Energiekosten und Reparaturstau. Unter anderem sei eine 9000 Euro-Rechnung für die Reparatur des Lastenaufzugs überfällig. Fördergelder oder andere Zuschüsse gibt es nicht. Der Verein steuert Richtung Insolvenz. Das wollen die Vereinsmitglieder nicht zulassen. „Wir geben alles, nur nicht auf“, steht an einem Absperrband, mit dem der nicht mehr nutzbare Bereich abgetrennt ist. Heino Rechlin sieht die Stadt Neustrelitz in der Pflicht.

Gespendete Sachen werden vom Sozialfundus aufbereitet

Die Stadt fördert den Fußball, plant den Bau einer Schwimmhalle, einen Schlossturm und vieles mehr. All dies kostet viel Geld, nutzt aber den hilfebedürftigen Menschen wenig, da ihnen das Geld zum Besuch dieser Einrichtungen fehlt. Ich fordere die Stadtvertreter auf, Verantwortung für die hilfebedürftigen Menschen in ihrer Stadt zu übernehmen, indem der Sozialfundus erhalten bleibt. Ohne schnelle Hilfe müssen Sozialfundus und Arbeitslosenverband schließen.

Im Sozialfundus werden gespendete Möbel, Textilien, Elektrogeräte und Haushaltsgegenstände aufbereitet und für wenig Geld abgegeben. Menschen mit sehr geringem Einkommen nutzen das Angebot gern. Täglich kommen rund 40 Kunden. Als Nebeneffekt werden durch die Zweitverwertung das Müllaufkommen und die Kohlenstoffdioxid-Produktion reduziert. „Außerdem ist der Fundus eine Stätte der Begegnungen und der sozialen Kontakte für Menschen, die wegen ihrer Armut kaum am gesellschaftlichen Leben teilnehmen können“, sagt Heino Rechlin.

Beratungsstelle hilft bei sozialen Fragen

In der Beratungsstelle lassen sich bis zu 70 Menschen pro Monat helfen. Ob es um Bewerbungen, die Rente, Schwerbehinderungen oder andere Fragen geht – beim Ausfüllen seitenlanger Anträge und Formulare sind viele überfordert. „Es werden mehr. Immer mehr ältere Menschen kommen“, sagte Beraterin Annegret Vath. Heino Rechlin betont: „Wir brauchen Hilfe, sonst müssen wir zumachen. Wenn die Politik das so will, dann mache ich das.“

Die ehrenamtlichen Mitarbeiter hoffen, dass das Ruder herumgerissen werden kann. „Der Sozialfundus wird sehr gut angenommen. Es wäre fürchterlich, wenn wir schließen müssten. Die Situation ist deprimierend“, sagte der stellvertretende Fundus-Leiter, Stephan Weichel. Seine Kollegin Annegret Vath ist überzeugt, „die Unzufriedenheit wird zunehmen, wenn es den Arbeitslosenverband nicht mehr gibt. Vielleicht nimmt sogar die Kriminalität zu“. Viele besorgte Kunden haben in den vergangenen Tagen beim Nordkurier angerufen. „Der Sozialfundus ist sehr wichtig für Kiefernheide. Dort ist ein reges Kommen und Gehen, ob bedürftig oder nicht. Man muss nichts wegschmeißen, sondern kann es dort abgeben“, sagte Gisela Janosch. „Ich gehe gern durch den Laden. Ein T-Shirt, eine Tasse, sogar einen Sessel – irgendwas findet man immer. Die Leute dort sind rührend nett. Ohne sie würde dem Wohngebiet etwas fehlen.“

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