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Spiegelberg-Abriss steht weiter in den Sternen

Der Verfall auf dem Spiegelberg-Gelände ist augenscheinlich.
Der Verfall auf dem Spiegelberg-Gelände ist augenscheinlich.
Anett Seidel

Das Trauerspiel auf dem Spiegelberg geht weiter. Die Stadt Neustrelitz musste jetzt einen herben Rückschlag hinnehmen. Wann die Ruinen auf dem Gelände beräumt werden können, ist nun erneut unklar. In den USA verlieren sich die Spuren der letzten Eigentümer.

Neustrelitz. Keine guten Nachrichten für einen der größten Schandflecke der Stadt Neustrelitz: „Die beauftragte Detektei hat ihre Ermittlungen in den USA eingestellt“, informiert Rathaus-Sprecherin Petra Ludewig. „Es konnte kein Nachlassvorgang erforscht werden.“ Diese Information habe die Stadt erst jetzt erhalten. Nun werde geprüft, welche Schritte noch möglich sind, um die Eigentumsverhältnisse des Grundstücks Spiegelberg in Erfahrung zu bringen.

Für die Stadt bedeutet das ein herber Rückschlag. Das Vorhaben, das Gelände von den Ruinen zu beräumen, dürfte nun erneut in weite Ferne gerückt sein. „Wir wissen, dass der Besitzer tot ist, aber wir wissen nicht, ob jemand die Erbschaft angetreten hat“, verdeutlicht die Sprecherin. Ziel sei es gewesen, sämtliche Erbfragen in diesem Fall zu klären. Dafür hatte die Stadt eine Detektei beauftragt. Das Ergebnis: Die Erbschaftsfragen sind weiterhin unklar. Damit habe die Stadt keinen Zugriff auf das Gelände und eine Übernahme des Grundstücks gilt zunächst als ausgeschlossen. Nach Kenntnissen der Stadt ist eine Grundbuchbereinigung bisher ebenfalls nicht erfolgt. „Es gibt nach wie vor viele ungelöste Fragen“, fasst Petra Ludewig den Stand der Dinge zusammen. Die Stadt halte jedoch weiterhin an dem Ziel fest, den größten Neustrelitzer Schandfleck zu beräumen. Nur wann das jetzt gelingen könnte, sei fraglich.

Ursprünglich wollte die Stadt Neustrelitz bereits im nächsten Jahr einen entsprechenden Fördermittelantrag auf den Weg bringen. Nur: Wenn die Stadt das Grundstück nicht besitzt, kann sie auch keine Abrissbagger auf das Gelände bestellen. Aus diesem Grund sollten die Erben des verstorbenen Spiegelberg-Besitzers Hans-Joachim Weilandt gehört werden. Kein leichtes Unterfangen, denn Weilandt starb in den USA und auch seine drei Kinder leben wohl dort.

Viele Jahre bemühte sich die Stadt, den Besitzer ausfindig zu machen. 2014 wurde der Neustrelitzer Rechtsanwalt Uwe Pagel mit einer sogenannten Abwesenheitspflegschaft beauftragt. Zwischenzeitlich keimte bereits Hoffnung auf. Der Anwalt hatte festgestellt, dass Weilandt bereits 2005 in den USA verstorben war. Mit einer Sterbeurkunde konnte er dies belegen. Das Warener Amtsgericht hat diese  Urkunden auch anerkannt. Nun sollten die Mitarbeiter der Detektei recherchieren, wer das Erbe Weilandts angetreten haben könnte. Diese Recherchen blieben allerdings ohne Erfolg.

Mehrere Betriebe hatten einst ihren Sitz auf dem Spiegelberg. Doch die Gebäude verfallen bereits seit vielen Jahren. Immer wieder wird zudem der Sicherheitszaun zerstört. Illegal wird sich dort des Mülls entledigt. Dabei besteht auf dem Gelände Gefahr, denn die Gebäude zerfallen immer mehr oder sind vom Einsturz bedroht.

Rund eine Million Euro würde der Abriss der vielen Ruinen auf dem Gelände kosten. Auf 75 Prozent Fördermittel aus dem EU-Programm hatte die Stadt gehofft, nachdem der Spiegelberg im vergangenen Jahr als größter städtebaulicher Missstand eingeordnet wurde.

 

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