Dank des Biomasseheizkraftwerks ist die Abhängigkeit von fossilen Energieträgern in Neustrelitz nicht so hoch. Ganz
Dank des Biomasseheizkraftwerks ist die Abhängigkeit von fossilen Energieträgern in Neustrelitz nicht so hoch. Ganz ohne Öl oder Gas kommt das Kraftwerk aber nicht aus. NK-Archiv
Energieversorgung

Stadtwerke können Komplettversorgung im Winter nicht garantieren

In Neustrelitz soll ein Notfallplan Gas auf lokaler Ebene erarbeitet werden. Zudem fordert der Stadtwerke-Chef einen Rettungsschirm für Grundversorger, sollte es zum Ernstfall kommen.
Neustrelitz

Die derzeitige Gaskrise wird von den Stadtwerken Neustrelitz genau beobachtet. Die Situation sei jedoch schwer zu beurteilen. „Infolge der aktuellen Entwicklung haben die Stadtwerke Neustrelitz heute einen Krisen- und Notfallstab einberufen, um einen Notfallplan Gas zu verabschieden”, erklärte Stadtwerke-Sprecherin Anett Seidel am Dienstag auf Nordkurier-Nachfrage.

Keine Garantie für Komplettversorgung im Winter

Ein Drittel der Wärmekunden seien Gaskunden. Der größte Teil beziehe jedoch Fernwärme aus dem Neustrelitzer Biomasseheizkraftwerk. Dank des Kraftwerkes drohe kein Totalausfall und die Stadtwerke können auf eine vorteilhafte niedrige erforderliche Drucksituation (4 bar) im Versorgungsnetz verweisen. Zum Hintergrund: Im normalen Gasnetz muss ein höherer Druck herrschen, damit die Turbinen arbeiten. Ist zu wenig Gas im System, kann es jedoch zum Druckabfall kommen.

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„Allerdings ist unser Biomasseheizkraftwerk nicht in der Lage, bei anhaltend niedrigen Temperaturen im Winter eine Komplettversorgung zu garantieren. Das schaffen wir nur zu 70 Prozent in Abhängigkeit der Wettersituation. Die übrigen 30 Prozent müssen mit Öl bzw. Gas ergänzt werden”, berichtet Seidel. Die Stadtwerke haben sich aber bereits bevorratet. Das Öllager sei voll. Wie lange diese Vorräte reichen, lasse sich nicht pauschal sagen und sei von mehreren Faktoren abhängig, etwa von den Temperaturen oder dem Verbrauchsverhalten der Bürger.

Klimaziele nicht aus den Augen verlieren

Was die Befürchtungen betrifft, kommunale Versorger könnten aufgrund der Gaskrise in Schieflage geraten, beruhigt Stadtwerke-Chef Frank Schmetzke im Fall von Neustrelitz. „Wir sind ein wirtschaftlich starkes Unternehmen und es gibt derzeit keinen Grund in Panik zu geraten, dennoch müssen wir uns auf die Situation einstellen und entsprechende Vorbereitungen treffen”, so Schmetzke.

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Er wies zudem darauf hin, dass die Stadtwerke aufgrund der jetzigen Lage ihre Klimaziele nicht aus den Augen verlieren dürfen. „Wir wollen künftig weitere klimaneutrale Energieträger etablieren”, sagt Schmetzke. Erst vor zwei Wochen hatten die Stadtwerke die Pläne für den Bau von zwei Windrädern auf der stillgelegten Bahnstrecke zwischen Neustrelitz und Feldberg vorgestellt.

Politik muss Rettungsschirm wie zur Bankenkrise spannen

Die Forderungen an die Politik sind dabei deutlich. Wenn Stadtwerke durch die Situation in eine wirtschaftliche Schieflage geraten, weil die Kunden beispielsweise das Geld für hohe Gaspreise nicht aufbringen können, müsse es einen Rettungsschirm geben, ähnlich wie dieser seinerzeit für die Banken gespannt wurde, heißt es von der Stadtwerke-Geschäftsführung. Die Politik müsse sich auf den Weg machen, um eine Möglichkeit zu finden, dieses wirtschaftliche Risiko für die Versorgungsunternehmen abzuwenden, z.B. durch langfristige Liquiditätskredite. „Stadtwerke sind Grundversorger und gelten somit als das Herz der zu versorgenden Region.”

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