MINISTER MISCHT SICH EIN

Streit um Deutschlands ältesten Buchenwald

Minister Till Backhaus bietet Fernseh-Förster Peter Wohlleben Paroli. Der hatte angeprangert, das bedeutende Schutzgebiet werde unnötig zerstört.
Die Bäume in den Heiligen Hallen sind bis zu 350 Jahre alt. Sie leiden wie alle Buchen unter Trockenheit und Hitze.
Die Bäume in den Heiligen Hallen sind bis zu 350 Jahre alt. Sie leiden wie alle Buchen unter Trockenheit und Hitze. Susanne Böhm
Till Backhaus war jetzt selbst vor Ort und gibt Entwarnung.
Till Backhaus war jetzt selbst vor Ort und gibt Entwarnung. Umweltministerium
Lüttenhagen ·

Nachdem Promi-Förster Peter Wohlleben massive Kritik am Umgang mit den Heiligen Hallen bei Lüttenhagen erhoben hatte, war jetzt Landes-Umweltminister Dr. Till Backhaus (SPD) selbst vor Ort. Seine Einschätzung: „Die Sorge um Deutschlands ältesten Buchenwald ist unbegründet.“

Peter Wohlleben aus Rheinland-Pfalz, bekannt durch Bücher, Kino und Fernsehen, nimmt die Heiligen Hallen in der Feldberger Seenlandschaft nach eigenen Aussagen seit 2017 genauer unter die Lupe. Unter anderem auf der Internet-Plattform Facebook schoss er in diesem Jahr scharf gegen das Forstamt Lüttenhagen. Die Heiligen Hallen würden ramponiert und unter der Bewirtschaftung der umliegenden Wälder leiden. Planlos und Rücksichtslos werde beim Holzeinschlag vorgegangen. Er forderte einen sofortigen Stopp jeglicher Fällarbeiten und drohte mit Klage.

Forstamtsleiter Frank Hartzsch hatte die Anschuldigungen als haltlos zurückgewiesen. Selbstverständlich gebe es Bewirtschaftungspläne und es werde grundsätzlich schonend für Pflanzen und Tiere gearbeitet. Sein oberster Dienstherr Till Backhaus pflichtet ihm bei. Die „Irritationen in der Öffentlichkeit“ rührten scheinbar von einer Verwechslung des geschützten Totalreservats Heilige Hallen mit den ringsum liegenden Wäldern. Letztere seien ebenfalls geschützt, dürften jedoch in gewissem Maß forstwirtschaftlich genutzt werden.

Seit den 50er-Jahren unberührtes Waldgebiet

„All jenen, die sich Sorgen um diesen Naturschatz gemacht haben, kann ich versichern, dass es keinen Eingriff gegeben hat und es auch keinen Eingriff geben wird. Seit den 1950er-Jahren ist dieses Waldgebiet unberührt und wir achten streng darauf, dass es auch so bleibt. Das stelle ich sicher.“ Der Politiker räumte jedoch ein, dass die Buchenwälder in der Feldberger Seenlandschaft in den vergangenen Jahren ziemlich gelitten haben. Das liege jedoch nicht am Holzeinschlag, sondern an der extremen Trockenheit. Im Hinblick auf den Klimawandel wies Backhaus seine Förster an, „die Grundsätze der Waldbewirtschaftung zu überarbeiten, um künftig auch im Wirtschaftswald für eine stärkere Umweltverträglichkeit zu sorgen“.

Die Wald-Behandlungsgrundsätze in Natura-2000-Gebieten würden geprüft und den neuen Umweltbedingungen angepasst. Zudem sollten die Standards für eine FFH-Managementplanung vereinheitlicht werden. Für das Schutzgebiet „Wälder bei Feldberg mit Breitem Luzin und Dolgener See“ mit dem darin befindlichen Totalreservat „Heilige Hallen“ werde die zukünftige Waldbewirtschaftung geklärt. Hier werde sich also einiges ändern, unabhängig von den Vorwürfen des Rampenlicht-Försters, sondern gezwungen durch Trockenheit und Hitze.

Trockenheit schädigt zahlreiche Rotbuchen

Das Naturschutzgebiet Heilige Hallen gilt mit seinen bis zu 350 Jahre alten Bäumen als ältester Buchenwald Deutschlands. Es ist 67 Hektar groß. Weil die meisten Bäume ihr natürliches Lebensalter überschritten haben, sterben sie ab. Das Betreten der Heiligen Hallen ist darum gefährlich.

Auf den umliegenden Flächen wurden in den Jahren 2016 bis 2020 insgesamt 12 700 Festmeter auf einer Fläche von rund 460 Hektar geschlagen. „Die durchschnittliche Nutzung pro Hektar liegt damit auf niedrigem Niveau“, so Till Backhaus. Die Trockenheit in den Jahren 2018 und 2019 habe im ganzen Land zahlreiche Rotbuchen geschädigt, auch in der Feldberger Seenlandschaft. Kranke, aber noch nutzbare Buchen wurden gefällt. Bereits abgestorbene Bäume blieben als Totholz im Wald. Der Zustand des Schutzgebiets habe sich weder verbessert noch verschlechtert. Rund 50 Prozent der Buchen seien 120 Jahre alt oder älter. Im kommenden Jahr seien keine Fällarbeiten bei Lüttenhagen vorgesehen, es sei denn, weitere Bestände sterben ab.

Stadt. Land. Klassik! - Konzert in Lüttenhagen

zur Homepage

Kommentare (6)

und Promi-Förster? Ist er prominent oder arbeitet er für Prominente. Ja, er ist ein Prominenter, der durch seine Leistungen (!) wie Studium, Arbeit als Förster, Gründung einer Akademie, Bücher, Magazine, öffentliche Auftritte vor Menschen und seine Präsentation im Internet bekannt ist. Immerhin scheint er nicht in Talkshows aufzutreten und entwickelt seine Vorstellungen zur Corona-Pandemie. Till Backhaus stellt ja klar, worin sein Irrtum bestehen könnte. Also zurück zu Argumenten, weg von Wortschöpfungen, die abwertend aufzufassen sind. Unserem Wald zuliebe.

Wer ist denn gefühlt seit der Wende für unsere Wälder und deren Zustand verantwortlich. Genau, der kleine Mann. Für mich persönlich ersetzt er Fachwissen durch Parteibuch und Personalentscheidungen napoleonisch durch den hierbei möglicherweise fragwürdigen Bauer Karl. Den grossen Forstchef Blohmeyer substituierte er angeblich wegen eigener Meinung durch seinen "Taschenträger" Baum, der nun nicht, sagen Dritte, durch fachliche Leitungsfähigkeit glänzt, Untergebene duzt, recht junge, forstfremde Frauen einstellt,.....Aber sicher irren diese Unken.

Kann Herr Backhaus das auch unter Eid vor einem alliierten Militärgerichtshof aussagen? Ich glaube wohl kaum, denn das Land braucht Geld und ist hoch verschuldet. Der tropische Regenwald wird auch trotz Klimawandel und das die Öffentlichkeit Bescheid weiß fleißig weiter gerodet. Unbequeme Wahrheiten und Abweichler werden dann als Promi-Förster deklariert oder können auch schnell ihren Posten verlieren.

Statt das Backhaus die Wälder stärker pflegen lässt, werden Gelder und Personal gebunden um durch die Landesforst im abgelaufenen Jahr "Yoga im WALD" für Interessierte durchzuführen. Jedes Forstamt treibt eine andere Sauna durchs Dorf um gut in der Presse mit Backhausauftritt dazustehen. MAN ZAHLT AUCH 1 Million Parkplatzpacht für die IVENACKER EICHEN, kauft jedem Förster ein Iphone, ... Was wird als nächstes angeboten? Förstermikado in den Heiligen Hallen? Oder irre ich mit meiner Meinung?

Herr Schwesig, der womöglich nur aufgrund seiner Verwandtschaft beim Land noch einen Job hat, ist uns ja noch als wegdelegierter Müllwerker von der Deponie bekannt. Da hatte er ja schon viele Freunde. Da er von der Forst nun gar keine Ahnung haben könnte, schickte Backhaus ihn als Neuorganisator in die Landesforst. Hier soll er angeblich erfahrene Forstleute im Vergleich zu ihrer bisherigen Arbeit mit folgendem Satz geschockt haben: Ich habe eine Vision. Das macht Angst. Wer Visionen hat müsste doch zum Arzt oder? Vorschlag zur Güte: Zahlt ihm weiter Gehalt, aber lasst ihn zu hause.

Man hört, die Stimmung unter den Mitarbeitern der Landesforst sei angeblich seit einigen Neueinstellungen z.B. des Hrn. BAUM & FortfolgendInnen wie der Zustand der Wälder. Backhaus würde also Entwarnung geben. Komisch gerade dann gehen bei mir immer die Alarmglocken an.