Tierische Einwanderer
Strelitzer Jäger fordern Abschuss von Nilgänsen

Die Nilgans gilt in unserer Region als invasive Art (Archivfoto).
Die Nilgans gilt in unserer Region als invasive Art (Archivfoto).
Fredrik von Erichsen

Die Nilgans gilt längst als invasive Art in Mitteleuropa. Jäger wollen deshalb die Vögel vermehrt abschießen. Umweltschützer halten jedoch dagegen.

Nach der jüngsten Warnung des Deutschen Jagdverbandes fordern nun auch die hiesigen Jäger, die invasive Nilgans im Strelitzer Land verstärkt abzuschießen. „Wo die Nilgans vorkommt, sollte sie auch bejagt werden“, sagt Peter Panther, Stellvertretender Vorsitzender des Jagdverbandes Mecklenburg-Strelitz. Denn die Nilgans verhält sich laut Panther äußerst aggressiv gegenüber heimischen Arten. Insbesondere die Graugans leide unter dem ausgeprägten Territorial-Verhalten der invasiven Art. In der Nähe ihrer Nester vertreibe der Vogel mit Nachdruck ihre Konkurrenten.

„Noch ist es hier kein Riesenproblem“, räumt Panther ein. Denn bisher lebe das Tier nicht flächendeckend im Strelitzer Land. Dennoch siedele sich die Nilgans bereits an einzelnen Standorten wie beispielsweise zwischen Möllenbeck und Feldberg an. Werde dieser Bestand nicht rechtzeitig reduziert, bestehe die Gefahr einer raschen Ausbreitung.

Nur wenige Paare in der Region

„Eine generelle Jagd lehne ich entschieden ab“, erwidert Erwin Hemke, Vorsitzender des Naturschutzbundes (Nabu) Mecklenburg-Strelitz. Der Umweltschützer beobachte die Nilgänse in der Region seit vielen Jahren: Nur zwei Paare sind Hemke bekannt, die dauerhaft im Altkreis ihre Heimat gefunden haben. Zwei Nilgänse würden bei Hohenzieritz, zwei weitere bei Weitendorf leben. Beide Paare hätten in diesem Jahr wiederum keine Nachkommen bekommen. „Das kann unsere Natur verkraften“, sagt Hemke. Bei anderen Entdeckungen handele es sich vermutlich um umherwandernde Tiere.

Da die Nilgänse aus Afrika stammen, haben sie Hemke zufolge allerdings kein Zugverhalten. Daher seien die Vögel im Winter unter anderem auf Silage aus Rinderställen angewiesen. Und die zahmen Tiere kennen keine Scheu: Nilgänse trauen sich laut Hemke sogar bis fünf Meter an den Menschen heran. Doch: „Es ist wissenschaftlich nicht nachgewiesen, dass die Bestände der Graugans unter der Nilgans leiden“, sagt Hemke. Auch die heimischen Gänse würden schließlich beharrlich ihre Reviere verteidigen.

Als Ziervögel nach England gebracht

Nilgänse sind laut Hemke vor rund 200 Jahren als Ziervögel nach England gebracht worden und in den 1980er Jahren auf das europäische Festland gelangt. Zehn Jahre später ist den Angaben zufolge die erste Nilgans in den neuen Bundesländern nachgewiesen worden.

Der Deutsche Jagdverband machte sich jüngst für einen bundesweiten Abschuss des invasiven Vogels stark. Denn der Vogel breite sich in ganz Deutschland aus und werde zunehmend unterschätzt. In Mecklenburg-Vorpommern wurde die Nilgans laut Angaben des Landwirtschaftsministeriums des Landes am 1. September 2017 in das Jagdrecht aufgenommen – und darf zwischen dem 1. August und dem 15. Januar gejagt werden.