KARNEVAL

▶ Strelitzer Narren nehmen Politik und Wirtschaft aufs Korn

Am Montag wurde mit viel Tamtam auch in der Seenplatte die Karnevals-Saison eröffnet. Zu Musik und Kamelle nahmen die Jecken kein Blatt vor den Mund.
„Extrablatt“: Jörgen Schütze verkündete als Zeitungsjunge das Motto der Karnevals-Saison in der Fel
„Extrablatt“: Jörgen Schütze verkündete als Zeitungsjunge das Motto der Karnevals-Saison in der Feldberger Seenlandschaft. Robin Peters
Die Narren vom Mirower Faschingsclub (MFC) starteten in die zwanzigste Runde.
Die Narren vom Mirower Faschingsclub (MFC) starteten in die zwanzigste Runde. MFC
Die jüngste Gruppe der Funkengarde aus Holzendorf zeigte am Montag einen Showtanz und erhielt dafür viel Applaus.
Die jüngste Gruppe der Funkengarde aus Holzendorf zeigte am Montag einen Showtanz und erhielt dafür viel Applaus. privat
Feldberg.

Pünktlich zum Start der Karnevals-Saison haben die Narren im Strelitzer Land Vertretern aus Politik und Wirtschaft wieder mit scharfem Witz die Meinung gegeigt. Um sich von klammen Gemeindekassen, lahmenden Bauprojekten und heraufbeschworenen Klima-Katastrophen abzulenken, wollen die Feldberger Narren in dieser Saison in den Zeitgeist der „Goldenen 20er“ abtauchen. Vor Hunderten Zuschauern verkündete Jörgen Schütze am Montag das originelle Motto um den Charleston, das Varieté sowie die Mafia – und präsentierte, mit Hosenträgern und Schiebermütze als Zeitungsjunge von vor hundert Jahren verkleidet, zugleich den ersten Verkleidungs-Vorschlag.

Die Jecken des Feldberger Karneval Klubs (FKK) entrissen der Bürgermeisterin Constance von Buchwaldt (SPD) nicht nur traditionsgemäß den Rathausschlüssel, sondern nahmen das Gemeindeoberhaupt mit jeder Menge Klamauk gehörig aufs Korn – äußerten sogar einen frechen Scherz über ihren jüngsten Namenswechsel: „Im Rathaus steigt der Adel wieder auf“, so Jörgen Schütze. Die Bürgermeisterin wusste allerdings umgehend zu kontern: „Herrenvereinigungen wird die Gemeinnützigkeit aberkannt, überlegt Euch Eure Zusammensetzung“, so Constance von Buchwaldt zu den Männern des Elferrats des FKK. Bekannte Missstände in der Feldberger Seenlandschaft wurden von allen Seiten ohne Umschweife zum Thema gemacht. So ging es nicht nur um die viel zu lang geschlossene Badestelle in der Gemeinde. Auch den schleppenden Breitbandausbau sprachen die Narren an. Keck präsentierte Elferrats-Präsident Frank Schütze eine irrwitzige Lösung: Aus einer großen Packung breiter Bandnudeln bekomme jeder Bürger etwas ab. „Im Jahr 2055 sind die dann auch gar.“

 

 

 

Wenn die Gemeindekasse nun aber leer ist ...

Bürgermeisterin Constance von Buchwaldt zögerte ebenfalls nicht, die Herausforderungen in der Gemeinde komödiantisch aufzugreifen: „In Carwitz brennt die Luft durch tausendfachen Dieselduft.“ Ihre scherzhafte Idee: Anstatt eine neue Straße zu bauen, könne die Gemeinde einfach noch mehr Löcher hineinstampfen, bis kein Auto mehr durchkomme. Eine weitere Spitze: Die Feldberger verköstige weder ein Italiener noch ein Chinese, der hiesige Feinschmecker übe sich in Askese. Verschont wurde an diesem Tag nicht einmal die Klima-Aktivistin Greta Thunberg. Denn zum Lied „Schuld war nur die kleine Greta“ (Original: Schuld war nur der Bossa Nova) schwang besonders das junge Publikum die Hüften.

Auch Holzendorf (Gemeinde Groß Miltzow) ist seit Montag fest in närrischer Hand. Die Gemeindekasse ist zwar leer – das aber tat der guten Laune am gestrigen Montag keinen Abbruch. Im Gegenteil. Die Mädchen und Jungen der Grundschule Pappelhain und der Mosaikschule durften sogar einen Moment hoffen. Denn mitten im gerade gestarteten närrischen Treiben wurde ihnen versprochen, dass das Schulgebäude zu einem Oma-und-Opa-Haus umgebaut wird und die Lütten dann nicht mehr zur Schule gehen müssen. Ohrenbetäubender Jubel brach aus.

Allerdings verflog die Hoffnung im kalten Novembervormittag bei gerade mal vier Grad plus so schnell, wie sie gekommen war. Das war natürlich nur ein Scherz, bekräftigte Andreas Gerecht vom Holzendorfer Faschingsclub HFC‘ 83. So gilt Paragraf 1 der mecklenburgischen Verfassung für das Holzendorfer Schulhaus „Alles bliv bin ollen“ – Alles bleibt beim Alten.

Bürgermeister Peter Nordengrün hatte trotz der leeren Kasse, die er zur Schlüsselübergabe auf dem Schulhof vorzeigte, sogar eine gute Nachricht für den Holzendorfer Faschingsclub HFC ‘83 und die Schule. Denn trotz der Haushaltsmisere konnten ein paar Gelder lockergemacht werden. Der Schulförderverein und der Faschingsclub bekommen je 100 Euro. Auch der MSV Groß Miltzow, als Sportverein seit Jahren eine stabile Größe, kann sich über eine Zuwendung in dieser Höhe freuen. Ebenfalls die Freiwillige Feuerwehr.

Willkommene Abwechslung für die Schüler

Die Holzendorfer Narren haben am Montag nach längerer Abwesenheit die Karnevalssaison wieder auf dem Schulhof eröffnet. In den zurückliegenden zwei Jahren war der 11.11. auf schulfreie Tage gefallen. Für die Schüler war das kurze Intermezzo der rot gekleideten Narren jedenfalls eine willkommene Abwechslung. Frenetisch bejubelt wurden die beiden Tanzgruppen der Funkengarde, die kurze Proben ihres Könnens gaben. Und dann stellte sich auch noch das neue Prinzenpaar Johannes, der dürstende Landesherr und Tini, das blaublütige Stadtfräulein, vor. Beide zeigten sich hoch auf dem Wagen hinterm Traktor schon bei einem kleinen Umzug durch das Dorf und Tini versprach dann sogar, der Johannes „kann es“ und meinte, dass er die leere Kasse durchaus wieder füllen könne. Abgerechnet wird am Aschermittwoch.

Ach ja, eigentlich ist Bürgermeister Peter Nordengrün die leere Gemeindekasse in seiner Doppelfunktion als Gemeindeoberhaupt und Ehrenpräsident des HFC‘83 nicht wirklich losgeworden.

Die Mirower dürfen diesmal ein Jubiläum feiern

In Mirow findet die Schlüsselübergabe an die Narren vom Mirower Faschingsclub (MFC) traditionell vor dem Amt statt, so auch in diesem Jahr. Am Montag pochten hier die Karnevalisten auf Herausgabe des Schlüssels zur Stadt. MFC-Präsident Herbert Kaufmann bekam das gute Stück dann auch wie gewohnt überreicht, diesmal aus den Händen von Mirows Stellvertretender Bürgermeisterin Christine Kittendorf.

Ein paar Zuschauer verfolgten die Gaudi, die natürlich auch in Mirow pünktlich um 11.11 Uhr über die Bühne ging. „Wir haben ja eine Jubiläumssaison, und zwar unsere Zwanzigste vor uns“, erklärte Präsident Kaufmann. Besucher der Shows, die zur Faschingshochzeit im Februar stattfinden, können gespannt sein auf ein Programm mit Höhenpunkten aus den vergangenen 20 Jahren.

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