So sah die Synagoge in Altstrelitz einmal aus. Foto: Karbe-Wagner-Archiv Neustrelitz
So sah die Synagoge in Altstrelitz einmal aus. Foto: Karbe-Wagner-Archiv Neustrelitz Karbe-Wagner-Archiv Neustrelitz
Holger Wilfarth hat seine Idee jetzt im Kulturausschuss vorgestellt. Foto: M.Steffen
Holger Wilfarth hat seine Idee jetzt im Kulturausschuss vorgestellt. Foto: M.Steffen Marlies Steffen
Am einstigen Standort der Synagoge erinnern unter anderem ein Gedenkstein (hinten) und eine Stele (vorne rechts) an jüdis
Am einstigen Standort der Synagoge erinnern unter anderem ein Gedenkstein (hinten) und eine Stele (vorne rechts) an jüdisches Leben in Alt- und Neustrelitz und wie dieses Opfer des NS-Regimes wurde. Foto: T.Lemke Tobias Lemke
Geschichte

Synagoge Altstrelitz soll virtuell neu entstehen

Der Neustrelitzer Holger Wilfarth hat bereits dafür geworben, das einstige Schloss digital nachzubauen. Nun hat er Pläne für ein weiteres verloren gegangenes Gebäude.
Neustrelitz

Der Neustrelitzer Holger Wilfarth ist mit der Idee einer Rekonstruktion der Synagoge in Altstrelitz an die Stadt herangetreten. Das von den Nationalsozialisten zerstörte Gebäude soll dabei nicht Stein auf Stein wieder aufgebaut werden, sondern schrittweise am Rechner in virtueller Form neu entstehen. Das jüdische Gotteshaus in Altstrelitz war, wie so viele im Land, in der Reichspogromnacht vom 9. November 1938 von den Nationalsozialisten angezündet worden.

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Idee kam bei Gedenkveranstaltung

Nach der jüngsten Gedenkveranstaltung, die in jedem November am einstigen Standort der Synagoge stattfindet, hat sich Wilfarth zusammen mit seiner Frau gefragt, wie das Gebäude eigentlich mal aussah. Einzig der originale Zaun existiere noch. Dieser sei 1953 auf dem Schrott gefunden worden, berichtet Wilfarth. Seine Idee ist, wieder mehr und ausführlicher etwas von der Synagoge zeigen zu können, indem eine virtuelle Nachbildung angefertigt wird.

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Architektur wieder erlebbar machen

So eine Rekonstruktion biete gleich mehrere Vorteile, beschreibt Wilfarth. Demnach lassen sich nach der Vorlage reale Modelle anfertigen, so könne auch der Innenraum dargestellt werden, seien Filme und virtuelle Rundgänge mithilfe einer VR-Brille denkbar. „Verloren gegangene Architektur kann wieder erlebbar gemacht werden, es lohnt sich auf jeden Fall“, sagt der geschichtsinteressierte Neustrelitzer. Wilfarth hatte zuletzt mit dem Residenzschlossverein bereits das einstige Neustrelitzer Schloss virtuell wiederauferstehen lassen. Mit Marc Grellert von der TU Darmstadt hat er zudem einen Partner an Bord, der in einem Projekt schon seit mehr als 25 Jahren zerstörte jüdische Synagogen aus verschiedenen deutschen Städten digital nachbaut.

Mit Domjüchverein als Träger Förderung im Visier

Gerne hätte Holger Wilfarth das Vorhaben unter dem Dach der Stadt und des Neustrelitzer Kulturquartiers gesehen. Da zuletzt aber der Schuh drückte, um noch Fördermittel für das erste von mehreren Modulen der virtuellen Rekonstruktion einwerben zu können, konnte er nun kurzfristig den Verein zum Erhalt der Domjüch als Träger gewinnen. Zusammen mit dem Verein sei für die Ausführung eines Außenmodells für rund 13 000 Euro nun eine 90-prozentige Förderung beantragt worden. 10 Prozent Eigenanteil seien durch einen Zuschuss vom Landkreis und zugesicherte Spenden bereits abgesichert. Für weitere Schritte des digitalen Nachbaus hofft Wilfahrt auf Unterstützung der Stadt, weshalb er seine Idee nun im städtischen Kulturausschuss näher vorgestellt hat.

In Schulen und Ausstellungen nutzbar

Von den Mitgliedern des Ausschusses wurde das Projekt positiv aufgenommen. Hingewiesen wurde jedoch darauf, dass es auch ein Nutzungskonzept brauche. „Wofür ist es? Wer nutzt es?“, so der Neustrelitzer Bürgermeister Andreas Grund, der zudem erklärte, dass mit einem Gesamtvolumen von 120 000 Euro zu rechnen sei. Die Nutzungsmöglichkeiten seien vielfältig, so Wilfahrt dazu. Schulprojekte, Einbindung in die Ausstellung im Kulturquartier oder im angedachten Leuchtturm der Demokratie (Schlossturm), das alles sei möglich.

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