Bestens aufgelegt: Tänzer José Bernardo Caba Mariaca schlägt eine neue Richtung in seinem Leben ein. Kraft geben ihm seine Frau und seine zwei Kinder.
Bestens aufgelegt: Tänzer José Bernardo Caba Mariaca schlägt eine neue Richtung in seinem Leben ein. Kraft geben ihm seine Frau und seine zwei Kinder. Robin Peters
Interview

▶️„Tanzen ist wie Hochleistungssport“

José Bernardo Caba Mariaca hat sich in dieser Spielzeit aus dem Ensemble der Deutschen Tanzkompanie Neustrelitz verabschiedet – und das nach 15 Jahren durch Höhen und Tiefen. Mit Reporter Robin Peters hat er auch über schwere Zeiten und seine Pläne für die Zukunft gesprochen.
Neustrelitz

Herr Caba Mariaca, mit Unterbrechungen waren Sie 15 Jahre im Ensemble der Deutschen Tanzkompanie Neustrelitz. Erinnern Sie sich noch an die Anfänge?

Ja, es war ein schöner Beginn. Bevor ich nach Neustrelitz kam, sah ich das Kinderballett „Max und Moritz“ unter dem künstlerischen Leiter Thomas Vollmer. Daraufhin bin ich nach Deutschland gekommen. Ich wollte gern mit ihm arbeiten – er ist wirklich ein sehr guter und geschätzter Künstler. Ich wollte von ihm lernen. Viele Neustrelitzer wissen gar nicht, welch bekannte Künstler hier in Neustrelitz leben.

 

Gelernt haben Sie aber in Ihrer Heimat …

Mit sechs Jahren habe ich schon angefangen zu tanzen. Mein Vater war Lichtdesigner und Lichttechniker im Staatstheater in La Paz, Bolivien. Er wusste, dass ich die Energie habe, und er unterstützte mich. Ich bin dank meines Vaters im Theater aufgewachsen, die Welt des Theaters faszinierte mich. Im Alter von 17 Jahren war ich bereits professioneller Balletttänzer in Bolivien, habe aber noch weiterstudiert. Unter anderem hatte ich noch ein Stipendium in den Vereinigten Staaten, auch in Frankreich, Belgien, der Schweiz, Norwegen oder China habe ich schon getanzt. Ich habe immer geprüft, wie weit ich gehen kann. Damals hätte ich nicht gedacht, dass ich so weit komme. Die Welt des Tanzes ist weit gefächert und ich lerne bis heute.

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Kommen Sie noch häufig nach Bolivien?

Leider nicht. Ich war fünf Jahre nicht in Bolivien, bis ich im im Sommer des vergangenen Jahres die Möglichkeit hatte, an einem Tanz-Wettbewerb des bolivianischen Kulturministeriums teilzunehmen. Ich habe dabei gewonnen und eine gute Kritik erhalten. Für mich war es wie eine Reise zu meinen Wurzeln. Denn ich hatte die Möglichkeit mit dem Staatstheater La Paz und der staatlichen Ballettschule zu arbeiten. Dort habe ich meinen Anfang gemacht.

 

Ist es ein Unterschied, in Bolivien oder in Deutschland zu tanzen?

Nein. Der einzige Unterschied: In Deutschland leben rund 80 Millionen Menschen und in Bolivien nur 11 Millionen, die weltbekannte Tanzwerke und neue Choreografien erleben können.

 

Welche Aufführungen mit der Deutschen Tanzkompanie Neustrelitz bleiben Ihnen besonders in Erinnerung?

Wir haben zum Beispiel „Wiener Walzer“ von Thomas Vollmer getanzt. Außerdem erinnere ich mich gerne an die Inszenierung von Torsten Händler über die Geschichte von Ernst Barlach, einem bekannten Bildhauer, oder auch an „le Sacre du Printemps“ von Ralf Dörnen. Das spanische Werk „Die Illusion eines Liebeszaubers“ habe ich bei der Tanzkompanie selbst choreografiert. „Nibelungen“ und „53 Grad Nord“ wurden in der letzten Zeit getanzt.

 

Gehen Sie nach so vielen Jahren entspannter als früher in eine Aufführung?

Jede Aufführung ist einzigartig, hat ihre eigene Magie. Es ist immer ein neues Erlebnis. Die Aufregung ist deshalb nie geringer – wie im Leben selbst. Wir geben als Tänzer immer 200 Prozent.

 

Viele Künstler scheiden verletzungsbedingt schon früh aus dem Tanz aus. Wie halten Sie sich so fit?

Als Tänzer muss ich mich immer gut vorbereiten. Vor Arbeitsbeginn gehe ich joggen und bereite meine Muskeln für die tägliche Arbeit vor, aber dennoch hatte ich schon mehrere Verletzungen wie einen Muskelfaserriss und eine Meniskusverletzung. Der Boden ist oft nicht für das Tanzen geeignet. Nicht selten spielen wir Künstler bei einer Verletzung noch weiter – bis wir uns eine weitere Verletzung zuziehen. Das passiert. Wir lernen mit dem Schmerz umzugehen. Tanzen ist wie Hochleistungssport. Wir sind am Tag acht Stunden in Bewegung. Diese Erfahrung hilft einem auch in vielen anderen Lebensbereichen.

 

Wo tanken Sie Energie für diese anstrengende Arbeit?

Meinen Ausgleich finde ich in meiner Familie. Die habe ich in Neustrelitz gefunden. Sie ist die Seele meines Lebens.

 

Warum haben Sie das Neustrelitzer Ensemble nach so vielen Jahren verlassen?

Letztlich war das eine Entscheidung der Tanzkompanie-Leitung. Aber ich bin nun 43 Jahre alt und möchte an meiner Zukunft arbeiten.

 

Wie geht es mit Ihrer Karriere nun weiter?

Ich konzentriere mich jetzt auf meine freiberufliche Arbeit in der Tanzpädagogik. Schließlich habe ich das nicht umsonst viele Jahre studiert.

 

Was nehmen aus Ihrer Zeit im Ensemble mit?

Vor allem die schöne Zeit mit meinen Kollegen. Wir haben vor ungefähr sechs Jahren begonnen, immer wieder um die Existenz der Tanzkompanie zu kämpfen. Das hat uns zusammengeschweißt. Wir haben zusammen gekämpft und viel erlebt. Mit einigen Kollegen habe ich auch noch regen Kontakt.

 

Bleiben Sie in Neustrelitz?

Nach aktuellem Plan schon. Meine Familie und ich geben unser Bestes, hier zu bleiben. Auch wenn das mit viel Pendelei verbunden ist. Meine Arbeit muss auf jeden Fall mit der Familie vereinbar sein.

 

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