Elke Meier vom 3 Königinnen Palais und Joachim Thal, Mirows ehemaliger Pastor, präsentieren das Taufkleid, das auf das Original von Sophie Charlotte zurückgeht.
Elke Meier vom 3 Königinnen Palais und Joachim Thal, Mirows ehemaliger Pastor, präsentieren das Taufkleid, das auf das Original von Sophie Charlotte zurückgeht. Tobias Lemke
Leihgabe fürs Museum

Taufkleid à la Königin Sophie Charlotte ist zurück in Mirow

Im 3 Königinnen Palais in Mirow ist jetzt eine Robe zu sehen, die nach königlichem Vorbild entstand – dem Taufkleid für Sophie Charlotte. Doch nur für kurze Zeit.
Mirow

Für Königskleider interessieren sich die Leute doch immer – und für diese besondere Robe dürfte das Interesse noch mal ein bisschen größer sein, ist sich Elke Meier vom 3 Königinnen Palais in Mirow sicher. Das museale Haus auf der Schlossinsel hat jetzt ein Taufkleid als Leihgabe erhalten, welches auf das originale Taufkleid von Königin Sophie Charlotte zurückgeht. Eine wichtige Vermittlerrolle nahm dabei Mirows ehemaliger Pastor Joachim Thal ein. „Er brachte den Stein erst ins Rollen“, erzählt Elke Meier.

Denn bei seinen Recherchen über wichtige Persönlichkeiten aus der Geschichte Mirows befasste er sich auch mit der Familie Giesebrecht. Kontakt zu den heutigen Giesebrechts hat Thal ohnehin, da einer ihrer Vorfahren ebenfalls mal Pastor in Mirow war. So sei 1774 auch das Taufkleid von Sophie Charlotte und die herzogliche Kinderwiege in den Familienbesitz gekommen, berichtet Thal über die Giesebrechts.

Ein königliches Geschenk zur Geburt

Bekannt sei, dass zur Geburt der ältesten Tochter des Pfarrers Leithäuser – der späteren Frau seines Nachfolgers Benjamin Giesebrecht – die Wiege und das Kleid zum Geschenk gemacht wurden. „Die Pastorenfamilie hatte damals gute Kontakte ins Schloss, der Großvater war zudem durch seine Dichtung bekannt“, erzählt Thal. Von einem der Giesebrecht-Söhne sei der scherzhafte Ausspruch überliefert, dass er es ja nicht zu mehr als einem Gymnasiallehrer geschafft habe, obwohl er in einer königlichen Wiege lag.

Da zu jener Zeit in Mirow keine Hofhaltung mehr stattfand, habe man wohl beides abgegeben können. Die Wiege ging über die Jahrhunderte verloren, nicht so das Kleid bzw. seine Nachbildung. „Es ist sagenhaft, welchen Weg dieses Kleid nahm“, sagt Thal. Denn die Nachkommen der Familie Giesebrecht verschlug es nach Ostpreußen, von wo aus sie wiederum im Zweiten Weltkrieg die Flucht antreten musste. Stets ging das Kleid mit auf Reisen.

Ab dem Frühjahr ausgestellt

Belegt sei, dass die Seide des Kleides, und möglicherweise auch die Spitze, im Jahr 1900 zur Taufe eines Giesebrecht-Sprosses erneuert wurden, hat Thal von den Nachkommen erfahren. Sie leben heute in der Nähe von Minden. Inwieweit die Stickerei auf der Robe noch dem Original entspricht, sei jedoch nicht bekannt.

Elke Meier vom 3 Königinnen Palais ist begeistert, dass es das Kleid – wenn auch in überarbeiteter Form – nun wieder an seinen Ursprungsort nach Mirow verschlagen hat. Zunächst sei eine Leihgabe bis Ende August nächsten Jahres vereinbart. Ab dem Frühjahr soll das Giesebrecht‘sche Taufkleid nach dem Vorbild des Originals von Sophie Charlotte im Palais zu sehen sein. Derzeit ist die Ausstellung im einstigen Kavaliershaus aber noch aufgrund eines Deckenschadens gesperrt.

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