Marco Zabel im Zuschauerraum des Neustrelitzer Theaters. Die Namensschilder auf vielen Rückenlehnen zeugen von einer der
Marco Zabel im Zuschauerraum des Neustrelitzer Theaters. Die Namensschilder auf vielen Rückenlehnen zeugen von einer der ersten Initiativen des Fördervereins: den symbolischen Erwerb von Sitzen, deren Erlös dem Theater zugutekam. Susanne Schulz
Doppelte „Verbeugung”

Theater-Förderverein Neustrelitz feiert 30-jähriges Bestehen

Sie haben Zuschauersessel „verkauft”, Kostüme finanziert und immer wieder um die Zukunft des Theaters gekämpft.
Neustrelitz

„Wir feiern nicht uns, sondern das Theater in all seinen Facetten“ – mit dieser Botschaft begeht der Förderverein des Neustrelitzer Theaters sein 30-jähriges Bestehen. Künstler aus allen Sparten werden sich beteiligen an der Festveranstaltung am 21. Mai, kündigt der Vereinsvorsitzende Marco Zabel an.

Schließlich ist wieder Feierlaune möglich, nach zwei theaterfeindlichen Pandemie-Jahren und auch im Vergleich zum 25. Vereinsjubiläum 2017, als in den landespolitischen Debatten das Profil des Theaterstandorts Neustrelitz auf dem Spiel stand. Einmal mehr erwies sich da übrigens, dass schlechte Zeiten die Mitgliedergewinnung fördern, wie Zabel feststellt: „Die Sorge, etwas Wichtiges zu verlieren, stärkt die Motivation.“

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Immer wieder bewegte Zeiten

Auf bewegte Zeiten geht schon der Ursprung des Vereins zurück: Nach der Gründung der Landestheater Mecklenburg GmbH hatte der damalige Intendant Manfred Straube, mit dem Rückhalt von Bürgermeister Georg Huschke, die Gründung eines Fördervereins initiiert. Der hatte nach einem Jahr bereits 100 Mitglieder, weiß Zabel. Er selbst war 1994 beigetreten, noch als Abiturient, und flugs in den Vorstand gewählt worden. Ab 1996 stellvertretender Vorsitzender, übernahm der Historiker 2015 – in der Nachfolge von Sparkassenvorstand Thomas Hartung, Architekt Horst Grützner und Pädagoge Christoph Poland – das Amt des Vereinschefs.

Schnell hatte der Verein deutliche Spuren seines Tuns vorzuweisen. Zum Beispiel die Namensschilder an vielen Zuschauersesseln: Der Aufruf, symbolisch Sitze zu erwerben, brachte 8000 Mark ein; bis heute gibt es Vorschläge zu einer Wiederaufnahme dieser Aktion. Geld steuerte der Förderverein auch für den behindertengerechten Zugang zum Theatergebäude, für Kostüme oder Gast-Honorare einzelner Produktionen bei, zuletzt 4500 Euro für das Lem-Wochenende in Neubrandenburg und Neustrelitz.

Großer Einsatz für die Zukunft des Theaters

Von sich reden machten die Förderer auch mit Veranstaltungen von den Dienstagsrunden der 90er Jahre bis zur Reihe „Damals war‘s“ mit einstigen Ensemblemitgliedern; ebenso mit dem Einsatz für die Zukunft des Theaters vom Kampf gegen die Auflösung des Orchesters über die Fusion mit der Neubrandenburger Philharmonie und dem Kammertheater bis hin zum Widerstand gegen die aus Schwerin gewollte Fusion mit Vorpommern. Damals habe sich das Bild des Vereins sehr gewandelt, stellt Zabel fest: Über finanziellen und inhaltlichen Rückhalt hinaus war gezielt eine große Öffentlichkeit angesprochen worden, um deutlich zu machen, „dass es dieses Theater hier nicht nur geben darf, sondern muss“.

Zwei Preise werden vergeben

Während das Neustrelitzer Haus zum Herzstück der Theater und Orchestergesellschaft tog wurde, blieb der Name des Fördervereins Landestheater Mecklenburg bestehen. Geblieben ist ebenso das Anliegen, den Kulturstandort zu stärken – nicht zuletzt zugunsten überregionaler touristischer Strahlkraft.

Wenngleich die Stimmung derzeit von der Freude geprägt ist, dass das Theater nach Zwangspausen und eingeschränkten Besucherzahlen wieder „voll da“ sein kann, will der aktuell gut 220 Mitglieder zählende Förderverein sich keineswegs in eine „Sesselposition“ zurücklehnen. Zwar gibt es auch in diesem Jahr keinen Theaterball, jedoch soll bei der Festveranstaltung am 21. Mai die ganze Leistungsfähigkeit des Hauses erlebbar sein. Vergeben wird dabei zum 20. Mal der Theaterpreis „Verbeugung“ für eine herausragende künstlerische Leistung – und darüber hinaus erstmals ein weiterer Preis, der eine besondere Verbundenheit mit dem Theater würdigt.

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