Kultur

Theaterfilm feiert seine Neustrelitz-Premiere

Lange hat es gedauert. Nun ist der Theaterfilm des jungen Teams um Lucas Thiem fertig. Er lief bereits auf Festivals und nun auch in der Seenplatte.
Von Tobias Lemkeund Marlies Steffen Von Tobias Lemkeund Marlies Steffen
Über das große Interesse am Film sind Lucas Thiem (links) und Christoph Kurzweil erfreut. Am Sonntag lief ihr Theaterfilm erstmals in der Heimatstadt.
Über das große Interesse am Film sind Lucas Thiem (links) und Christoph Kurzweil erfreut. Am Sonntag lief ihr Theaterfilm erstmals in der Heimatstadt. Ulrich Krieger
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Neustrelitz.

Das erste Mal in Neustrelitz – „ausgerechnet in dem Haus, in dem die ganze Reise begonnen hat“. So teilt Filmemacher Lucas Thiem via Facebook seine Freude über einen gelungenen Abend im Landestheater mit. Der Film „Nicht hier um zu kritisieren – Theater bis der Vorhang fällt“ wurde am Sonntag erstmals in der Residenzstadt gezeigt – mit Unterstützung des Theaterfördervereins.

Der gebürtige Feldberger Thiem sowie seine Neustrelitzer Film-Kumpane Christoph Kurzweil und Gunnar Rossow hatten im September 2015 am Landestheater gedreht. Damals schwebte das Damoklesschwert der Fusion mit dem Theater Vorpommern über Neustrelitz. Lautete der Arbeitstitel zuvor so noch „Sie sinkt mit euch“ – gemeint ist in Anspielung auf Schillers Zitat „Der Menschheit Würde ist in eure Hand gegeben.Bewahret sie! Sie sinkt mit euch! Mit euch wird sie sich heben!“ die Kultur – so trägt der Film nun einen anderen Titel. Denn in den Jahren der Nachproduktion für den Film scheiterte die aus Schwerin betriebene Theaterreform krachend.

Umgang mit der Kultur im Land problematisiert

Entstanden ist dennoch eine Dokumentation, die von den Ängsten und Bedenken der Menschen am Theater erzählt. Durch die gesamte Dokumentation zieht sich zudem wie ein roter Faden das Problem des Umgangs mit der Kultur in Deutschland. Der größte Verdienst des Films ist es aber, dass er auch die Akteure hinter den Kulissen zu Wort kommen lässt. Da spricht der Schlosser genauso wie die Inspizientin oder der erfahrene Mann vom Einlassdienst, wird der Mann an der Pforte gezeigt, den die Theatermitarbeiter als erstes sehen, wenn sie das Haus betreten. Der Musiker kommt zu Wort, der Operndirektor, der Intendant, die Sängerin, die Schauspielerin, der Tänzer ... Deutlich wird, das Theater ist für viele auch eine Form von Heimat. In der Auseinandersetzung um den drohenden Verlust von künstlerischer Vielfalt sind nicht immer alle einer Meinung, dennoch hat diese Zeit offenbar auch zusammengeschweißt.

Finanziert über Crowfunding

Immer wieder wird das Unverständnis darüber deutlich, warum es in der reichen Bundesrepublik nicht möglich sein soll, Kultur in ihrer Vielfalt aufrechtzuerhalten. Auch ein Gastspiel des schon sehr lange sehr populären Schauspielers Charly Hübner ist in dem Film verewigt. Hübner hat seine künstlerischen Wurzeln in Neustrelitz. Im Theater war 2015 in einer Benefiz-Vorstellung eine Polizeiruf-Folge mit ihm voraufgeführt worden.

Finanziert wurde der Film durch Crowdfunding. Das heißt, zwischen einem Euro und 250 Euro steuerten Spender, zumeist aus der Region, Geld bei. So kamen 10 500 Euro zusammen. Zudem gab es Unterstützer, die das Filmprojekt mit größeren Summen förderten. In 42 Drehtagen entstanden 42 Stunden Rohmaterial, woraus letztlich ein 80-minütiger Film geschnitten wurde.

Beim Berliner Filmkunstfestival zu sehen

„Nicht hier um zu kritisieren – Theater bis der Vorhang fällt“ läuft am Donnerstag, dem 23. Mai, um 18 Uhr und ein weiteres Mal am 5. Juni in der Neustrelitzer Kachelofenfabrik. Der Film war vor wenigen Wochen auch schon beim Berliner Filmkunstfestival gezeigt worden. Die Resonanz dort sei so gut gewesen, dass die Friedrich-Ebert-Stiftung als einer der Unterstützer Geld für eine kleine Filmtour bereitstellte, sagte Lucas Thiem am Rande der Neustrelitzer Aufführung. Der Film könne durchaus exemplarisch für die deutsche Theaterlandschaft stehen.