Fundtier in Mirow

Tierschützern und Behörden ist kranke Katze egal

Die Katze war kurz vorm Sterben. Dennoch wollte keine Einrichtung dem Finder helfen. Nun hat das Tier woanders sein Glück gefunden.
Die Katze fühlt sich mittlerweile wieder pudelwohl.
Die Katze fühlt sich mittlerweile wieder pudelwohl. ZVG
Neustrelitz

Andre Kratzer fühlt sich von Tierheimen und Behörden im Stich gelassen: „Ich bin entsetzt, wie mit dem Tierschutz in der Region umgegangen wird.“ Der Mirower hat kürzlich in der Nähe seiner Arbeitsstelle im benachbarten Rechlin eine ausgesetzte Katze gefunden – in äußerst schlechter Verfassung: Unter anderem litt der Vierbeiner unter Würmern und einem Bauchnabel-Bruch.

Doch abnehmen wollte ihm das verletzte Tier offenbar keiner: Zunächst versuchte er, die Katze in der Nähe seines Wohnortes beim Tierschutzverein in Neustrelitz unterzubringen. Dort wurde Kratzer jedoch schnell abgewiesen – mit der Begründung, dass dem Tierheim die Mittel dafür fehlen.

Ordnungsamt fühlte sich nicht zuständig

„Das ist natürlich nicht schön“, sagt Monique Schwarz vom Tierheim Neustrelitz. Doch letztlich bleibe der Tierschutzverein auf den hohen Kosten für die medizinische Versorgung sowie Unterbringung des Tieres sitzen. Die Wahrscheinlichkeit, dass sich ein Besitzer melde und das Tier wieder abhole, sei bei einer Katze deutlich geringer als bei einem Hund.

Das Tierheim besitze zwar Verträge mit vielen Ordnungsämtern der Umgebung, die für Fundsachen zuständig sind und dann auch für die Pflege der Tiere aufkommen. Das Ordnungsamt in Röbel – das unter anderem über den Fundort in Rechlin waltet – gehöre jedoch nicht zu ihren Vertragspartnern.

Andre Kratzer wandte sich daraufhin an ein Tierheim an der Müritz, meldete sich sogar in der zuständigen Behörde. Die Antwort aus dem Ordnungsamt lautete Kratzer zufolge aber: Er soll die Katze doch in Ruhe lassen.

Streuner sind Freigänger

„Wir haben regelmäßig ähnliche Anfragen“, sagt Bert Schulz vom Ordnungsamt Röbel-Müritz. Der konkrete Fall ist ihm wiederum nicht bekannt. Aber: „Wir lassen kein Tier leiden – verletzte Tiere werden grundsätzlich immer einem Veterinär vorgestellt“, sagt Schulz. Im Röbeler Amtsbereich gefundene Tiere würden dann in einem kooperierenden Tierheim bis zur ihrer Genesung gepflegt – nicht jedoch auf unbestimmt Zeit dortbehalten.

„Streuner sind Freigänger“, sagt Schulz. Aufmerksame Finder müssten jedoch die jeweiligen Zuständigkeiten im Blick behalten: In einem anderen Fall habe ein Mann kürzlich mehrere Katzen im Röbeler Ordnungsamt abgeben wollen, die er in der Stadt Waren aufgelesen hat. Dieser Vermittlung müsse sich jedoch die Behörde des Mittelzentrums Waren annehmen.

Die von Andre Kratzer gefundene Katze hat mittlerweile bei seinem Arbeitskollegen Thomas Schöne aus Rechlin ein neues Zuhause gefunden. Die Kosten des Tierarztes hat der Rechliner selbst übernommen. „Sie war kurz vorm Sterben“, so Schöne. Nun fühle sich die Katze aber wieder pudelwohl.

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