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Todesnachricht oder Lichtblick?

Die Stadt Neustrelitz will mehr Geld für das Theater ausgeben, scheut sich zugleich aber die bestehende Spartenvielfalt zur Bedingung zu machen.

Schon bei einer Demonstartion am Mecklenburg-Vopommern-Tag in Neustrelitz brahhten Theaterfreunde ihre Befürchtungen zum Ausdruck.
Tobias Lemke Schon bei einer Demonstartion am Mecklenburg-Vopommern-Tag in Neustrelitz brahhten Theaterfreunde ihre Befürchtungen zum Ausdruck.

Die Stadt Neustrelitz will die Zuschüsse für das Landestheater deutlich erhöhen. So lautet der Beschluss, den die Stadtvertretung am Donnerstagabend verabschiedet hat. Was augenscheinlich ein Grund zur Freude am Theater sein sollte, erregt die Gemüter. Denn genau das Gegenteil ist der Fall – durchweg lange Gesichter zeichnen sich im Anschluss der Sitzung auf den Mienen der Theatermitarbeitern ab. „Das ist ein schlechtes Signal“, sagt etwa Operndirektor Wolfgang Lachnitt dem Nordkurier.

Denn Lachnitt hat nicht das Geld im Blick, sondern einen anderen brisanten Knackpunkt des verabschiedeten Papiers, das auf Antrag von CDU und SPD/Grüne eingebracht wurde. Die Zahlungsbereitschaft soll an den Erhalt einer produzierenden Spartenvielfalt geknüpft werden. Für Aufregung sorgt dabei die Formulierung „einer produzierenden Spartenvielfalt“. Theatermitarbeiter sowie ein Teil der Stadtvertreter hätten sich mehr gewünscht. Der Wortlaut öffne Abbauplänen Tür und Tor. „Damit erklärt sich die Stadt bereit, auf Sparten zu verzichten“, so Lachnitt.

Vermisst wurde das Bekenntnis zur bestehenden Spartenstruktur mit Schauspiel, Ballett, Musiktheater und Orchester. Zur Erinnerung, das Land will bei der Theaterfinanzierung den Rotstift ansetzen. Werden die vorgeschlagenen Kürzungen aus dem Gutachten der Beratergesellschaft Metrum umgesetzt, droht in Neustrelitz, aber auch in Neubrandenburg, Stralsund und Greifswald einzelnen Sparten das Aus.

Applaus aus den voll besetzten Zuhörerreihen erntete daher Stadtvertreter Christian Krüger von den Linken für seinen Vorschlag den Wortlaut in „Zahlung vorbehaltlich des Erhalts der bestehenden produzierenden Sparten“ zu ändern. Da auf Landesebene der Abschlussbericht zur Theaterfinanzierung noch gar nicht vorliege, sei der Stadt auch nicht die Pistole auf die Brust gesetzt, wie SPD und CDU Glauben machen wollen, pflichtete ihm Hannelore Raemisch bei und machte sich ebenfalls für die veränderte Fassung stark.

SPD und CDU führten hingegen die Signalwirkung der Entscheidung ins Feld. Die Vorlage sei als Diskussionsgrundlage bewusst offen gelassen, das Papier schließe letztlich nicht aus, dass vier Sparten erhalten bleiben, erklärte Andreas Butzki (SPD). Ernst August von der Wense (CDU) war es wichtig, nichts „Unrealistisches“ vom Land zu fordern. „Sonst verpufft das Signal“, so der Stadtvertreter. Wie gewichtig ein Neustrelitzer Signal aber überhaupt sein könne, hinterfragte Bürgermeister Andreas Grund. Selbst wenn die Stadt ihre Zuschüsse auf 800 000 Euro verdopple, liege man immer noch weit hinter den Hansestädten, die ihre Theater mit vier Millionen Euro unterstützten. Laut Klaus-Michael Körner (SPD) könne es aber dennoch nicht der richtige Weg sein, sich zurückzulehnen und abzuwarten.