Die Touristik GmbH aus der Kleinseenplatte hat dem Dachverband in der Seenplatte den Rücken gekehrt. Grund war nach einer
Die Touristik GmbH aus der Kleinseenplatte hat dem Dachverband in der Seenplatte den Rücken gekehrt. Grund war nach einer Beitragserhöhung Kritik an der geleisteten Arbeit. Symbolfoto) ( Jens Büttner
Nach Austritt

Tourismusverband Seenplatte verteidigt Beitragserhöhung

Im Tourismusverband Mecklenburgische Seenplatte brodelt es offenbar. Geschäftsleitung und Vorstandsmitglieder können die Kritik einiger Kommunen nicht nachvollziehen.
Wesenberg

Nach den Turbulenzen um den Austritt der Kleinseenplatte sollen beim Tourismusverband Mecklenburgische Seenplatte die Wogen wieder geglättet werden. Zugleich können einige Vorstandsmitglieder und die Geschäftsleitung die vorgebrachte Kritik einiger Mitgliedskommunen an der Arbeit des Verbands nicht nachvollziehen. Auslöser war eine Beitragsänderung, die vor allem auf Urlauberorte mit hohen Übernachtungszahlen abzielt.

Weniger Fördermittel erwartet

Nach 15 Jahren, in denen keinerlei Anpassung der Beiträge vorgenommen wurde, sei dies nötig geworden, erklärt Verbandschef Bert Balke. Darüber sei auch nicht im Hinterstübchen entschieden worden, sondern darauf seit 2019 sei mit einer Arbeitsgruppe hingewirkt worden. Der Entwurf, der die Übernachtungsklausel enthält, sei mitgetragen worden. Weil dann kurz vor der Entscheidung doch Bedenken geäußert wurden, sei es eben zur abgemilderten Alternative gekommen. „Es gab aber keine massiven Gegenstimmen“, so Balke.

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Bislang machten die Mitgliedsbeiträge bei einem Jahresbudget von knapp unter einer Million Euro etwa ein Viertel der Einnahmen des Verbands aus. Der Rest komme je zur Hälfte aus dem operativen Geschäft und aus Fördertöpfen. Balke macht keinen Hehl daraus, dass es darum geht, die erste Einahmesäule, nämlich die der Beiträge, zu erhöhen. Denn es sei absehbar, dass künftig nicht mehr so viele Fördermittel fließen werden. Man wolle aber das erreichte Level halten und den Verband zukunftsfähig aufgestellt wissen. Ein Beitrag, der die touristische Intensität miteinbezieht, sei in anderen Regionen zudem üblich und werde als gerechter empfunden, heißt es vom Verband.

Nicht jeder solle sein eigenes Süppchen kochen

Es geht aber nicht nur um die Geldfrage. Offenbar bestehen auch Missverständnisse darüber, was der Tourismusverband leisten muss und was nicht. Alexander Borchard, Hotelier aus Wesenberg und seit Kurzem Vorstandsmitglied im Tourismusverband, wirft noch mal die Frage auf, wofür die Interessenvertretung eigentlich da ist. „Der Verband soll uns ja nicht direkt die Betten füllen. Er ist dafür da, eine Struktur und Brücken aufzubauen, die Marke „Seenplatte“ voranzubringen“, erklärt Borchard. Das sei aus seiner Sicht in den Vorjahren auch gelungen. Wenn man sich nun hinstelle und sage, man könne trotzdem noch an Marketingaktionen des Verbands teilnehmen, zeige das auch was. „Die Rosinen herauspicken geht nicht. Sicher wird im Verband darüber nachzudenken sein, ob so etwas künftig Nicht-Mitgliedern noch ermöglicht wird“, sagt er. Eigentlich wolle man nicht wieder dahinkommen, dass jede einzelne Region in der Seenplatte ihr eigenes Süppchen koche wie vor 20 Jahren.

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Dass auch unter den Kommunen in der aktuellen Debatte durchaus ein differenziertes Bild besteht, schildert Sigune Schmidt-Ulbrich, ebenfalls Vorstandsmitglied und Tourismusmanagerin der Stadt Rheinsberg. Sie hatte in ihrem Stadtrat trotz der ordentlichen Mehrbelastung um eine Zustimmung zum Beitragsmodell geworben. „Weil der Verband aus unserer Sicht das leistet, wozu er da sein soll“, sagt sie. Als Beispiel nannte sie etwa eine vergünstigte Anschaffung eines Kurabgabe-Abrechnungssystems, dass es gelungen sei, internationale Veranstaltungen wie den Swimrun in die Region zu holen oder dass TV-Produktionen, Reiseblogger und andere Multiplikatoren in der Seenplatte waren. „Genau das ist Lobbyarbeit, das ist Aufgabe einer Interessenvertretung“, sagt sie.

Noch offen, ob Stadt Waren im Tourismusverband bleibt

Der Disput wird den Verband in den nächsten Wochen jedenfalls noch weiter beschäftigen. In Waren wird die neue Beitragsordnung Thema bei der nächsten Sitzung des Finanzausschusses am 1. Juni sein, erklärt der Vorsitzende Ralf Spohr (CDU) dem Nordkurier. Die Auswirkungen auf den städtischen Haushalt gelte es abzuklopfen. Ob Waren nach dem Austritt der Kleinseenplatte Mitglied bleibt, sei aus seiner Sicht noch offen. Zudem habe der Aufsichtsrat der Warener Kur- und Tourismus GmbH erst über die Medien von den neuen Gebühren erfahren. Hierzu heißt es von Verbandschef Balke, dass es Aufgabe der Vertreter aus den kommunalen Touristik-Betrieben gewesen wäre, die Pläne vor Ort in die Gremien weiterzutragen.

In Gesprächen mit den Kritikern, im Übrigen auch mit Vertretern aus der bereits ausgestiegenen Kleinseenplatte wollen Vorstand und Geschäftsleitung nun noch mal Überzeugungsarbeit leisten. „Wir wollen deutlich machen, welchen Wert dieser Tourismusverband hat und dass es wichtig ist, gemeinsam für die Region tätig zu sein“, sagt Alexander Borchard. Dennoch, ein Imageschaden sei der gesamten Tourismusregion durch den Ausstieg der Kleinseenplatte wohl entstanden, meint der Hotelier.

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