Nach dem schlimmen Zug-Unfall

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Unbeschrankte Gleise – gefährlich bis tödlich

Vorsicht: Das Andreaskreuz dient als Hinweis für Autofahrer, dass jederzeit ein Zug kommen könnte.
Vorsicht: Das Andreaskreuz dient als Hinweis für Autofahrer, dass jederzeit ein Zug kommen könnte.
Caroline Kern

Es ist gut eine Woche her, als an einem Bahngleis bei Groß Quassow ein Zug mit einem Auto zusammenstieß und ein Mensch dabei sein Leben verlor. Doch hätte es soweit kommen müssen? Warum regeln dort keine Schranken den Verkehr? Und wie sicher sind Strelitzer Bahnübergänge eigentlich ausgestattet?

 Ein Toter, zwei schwer verletzte Insassinnen und zwei Zugreisende erlitten einen Schock – das ist die traurige Bilanz des schweren Bahnunglücks am Pfingstmontag. Ein 63-jähriger Mann war zusammen mit einer 62- und 83-Jährigen in seinem Pkw unterwegs, als er den Bahnübergang bei Groß Quassow passierte. Doch in dem Moment, als das Auto auf die Gleise fuhr, kam auch die Eisenbahn angerollt. „Der Zug hatte höchstens 25 km/h drauf“, weiß der Geschäftsführer der Region Infra GmbH, Tino Hahn. Wie es zu diesem Zusammenstoß kam, könne er sich nicht erklären. Denn ehe ein Zug den Bahnübergang passiere, gebe er zwei laute Pfeifsignale – zunächst aus weiterer Distanz und noch einmal kurz vor dem Übergang.

Auch die zuständige Polizeiinspektion ist mit ihren Ermittlungen nicht weiter. „Wir gehen zunächst davon aus, dass der Fahrer abgelenkt war und vermuten daher Unachtsamkeit als Ursache“, erklärt die Kriminalhauptkommissarin, Diana Mehlberg. Abschließend könne sie sich zu dem Vorfall aber noch nicht äußern, da nur eine Vernehmung der beiden Insassinnen neue Erkenntnisse liefern könnte. „Der zuständige Sachbearbeiter konnte die beiden Frauen bisher aber noch nicht vernehmen“, teilte die Kriminalhauptkommissarin mit. Die Verletzungen der beiden seien so schwer, dass sie noch immer im Krankenhaus behandelt werden.

Nicht alle bekommen Schranken

Doch dieser Unfall lässt fragen, warum dieser Bahnübergang nicht mit einer Schranke versehen war. Wann haben Übergänge eine Schranke, wann ein Blinklicht und wann nur ein Andreaskreuz?

Immerhin, von den bundesweit 18 117 Bahnübergängen der Deutschen Bahn sind über 60 Prozent technisch gesichert – sei es mit einer Schranke, mit halb- oder signalabhängigen Schranken oder aber mit Blink- oder Lichtzeichen, wie ein DB-Sprecher mitteilt. Die restlichen nicht-technisch gesicherten Übergänge seien nur mit einem Andreaskreuz versehen: Davon habe die Deutsche Bahn in Mecklenburg-Vorpommern 146.

Der Übergang bei Groß Quassow wird jedoch von der Regio Infra GmbH betrieben. Allein in der Mecklenburg-Strelitzer Region hat das Unternehmen 15 Übergänge, die unterschiedlich gesichert sind: vier mit Schranke, eine mit Blicklicht und zehn nur mit einem Andreaskreuz, so der Geschäftsführer. Doch auch wenn Tino Hahn den Unfall als „äußerst tragisch“ ansieht, sehe er keine Veranlassung, alle Übergänge mit Schranken auszustatten. „Welche Gleise in welcher Art und Weise gesichert werden, liegt hauptsächlich an dem Verkehrsaufkommen“, erklärt er. „Man stattet ja auch nicht jede Kreuzung mit einer Ampel aus, sondern nur da, wo es durch viel Verkehr notwendig wird.“ Es sei wichtig, dass eine Verhältnismäßigkeit gegeben ist und diese werde in regelmäßigen Abständen – etwa durch Verkehrszählungen – überprüft.

Brücke und Tunnel geben mehr Sicherheit

Es werde zudem oft vergessen, dass der Eisenbahnverkehr nach Paragraf 19 der Straßenverkehrsordnung Vorrang hat. Denn das scheint nicht jedem Verkehrsteilnehmer bewusst zu sein: „Die Ursache bei Bahnübergangsunfällen liegt im Großteil an der Missachtung des Vorrangs des Schienenverkehrs durch die Straßenverkehrsteilnehmer“, so der DB-Sprecher.

Dennoch ergreife die Bahn Maßnahmen und habe in den vergangenen zehn Jahren fast jede vierte Kreuzung von Schiene und Straße komplett beseitigt oder durch eine Brücke beziehungsweise einen Tunnel ersetzt. Die Zahl der Opfer an nicht-technisch gesicherten Bahnübergängen schwankt indes von Jahr zu Jahr. Waren es in Mecklenburg-Vorpommern im Jahr 2012 noch insgesamt sieben, gab es 2013 einen Unfall und 2014 fünf.