THEATER

„Unterleuten“ erobert nun auch die Neustrelitzer Bühne

Mit Juli Zehs Geschichte nimmt das Schauspiel-Ensemble des Landestheaters die Landbevölkerung ebenso aufs Korn wie Stadtflüchter. Auf der Matinee blieb allerdings noch vieles geheim.
Robin Peters Robin Peters
Auf einer Matinee wurde das Bühnenstück vorgestellt.
Auf einer Matinee wurde das Bühnenstück vorgestellt.
Neustrelitz.

Landflucht, aufkeimender Kapitalismus und unzählige aus dem Boden springende Windräder: Die Inszenierung von „Unterleuten“ trifft genau ins Herz der mecklenburgischen Zuschauer – so viel ist sich Regisseurin Tatjana Rese auf der Matinee zum Stück von Juli Zeh bereits sicher. „Es ist das reinste Panoptikum“, sagt Rese. Einen kleinen Vorgeschmack auf die Schauspiel-Premiere im Landestheater dürfen die Besucher schon von einigen Schauspielern des Theater-und-Orchester-Ensembles erhaschen – die bereits einige köstlich trockenhumorige Dialoge ins Publikum werfen.

Die Besetzung verspricht viel: Neben frischen Jungtalenten wie Josefin Ristau oder Klaudia Rabe ergänzen so auch der pensionierte Alt-Star Michael Kleinert das Ensemble – der die Hauptfigur des berechnenden Rudolf Gombrowski mimt.

Alle werden aufs Korn genommen

In der Aufführung nach dem Roman von Juli Zeh sorgt die Entstehung eines Windparks für reichlich Furore in der Provinz. Denn unter den alteingesessenen Dorfbewohnern und Zugezogenen keimen wieder ungeahnte Feindschaften und alte Rivalitäten auf. So werden laut Rese die Stadtflüchter aus Berlin ebenso wie die Einheimischen augenzwinkernd aufs Korn genommen. Gegen die Windkraft-Lobby bäumt sich natürlich rasch der Naturschutz auf. Schließlich gilt es, den gemeinen Kampfläufer zu schützen – einen Vogel, der nach Reses Versprechen natürlich auch selbst auf die Bühne tritt. Ein urkomischer Kostümentwurf lässt die Ausmaße nur erahnen.

„Es ist natürlich eine Zuspitzung – das ist im Theater erlaubt“, räumt Rese ein. Dennoch berichtet der Raumplaner des Landkreises und selbst Leser des Buches, Christoph von Kaufmann, von süffisanten Parallelen zur Wirklichkeit. Eine Gemeinde hat laut Christoph von Kaufmann zwar nicht selbstständig zu entscheiden, ob ein Windpark gebaut wird. Doch sie werde von den zuständigen Behörden maßgeblich daran beteiligt. Dennoch: „Es ist ein rentierliches Geschäft – dann ist klar, dass beide Seiten klagen“, sagt von Kaufmann.

Absprachen mit der Autorin

Die Windenergie-Unternehmer seien seit Jahren im Land unterwegs und stünden auch untereinander in Konkurrenz. So laufen die Firmen laut Christoph von Kaufmann mitunter emsig Grundstückseigentümern hinterher, um Verträge abzuschließen. „Das ist in der Geschichte wunderbar dargestellt.“ Gerade wie schwierig es ist, die Interessen aller Beteiligten abzuwägen, würde die Autorin sehr anschaulich schildern.

Die Absprachen mit der Autorin gestalten sich Regisseurin Drese zufolge befreiend einfach. „Jede Bühne darf ihre eigene Adaption machen“, so Drese. Mit einigen Zitaten von Juli Zeh ließ das Ensemble sogleich Einblicke in die Motivation der Autorin durchblitzen – die nach eigener Aussage immer auch Kontroverses aus ihrer Epoche aufgreifen will. Vieles vom Stück bleibt demgegenüber leider noch geheim: Von dem Bühnenbild, den fertigen Kostümen der Schauspieler und dem leicht veränderten Finale müssen sich die Zuschauer bei Aufführung wohl selbst ein Bild machen.

„Unterleuten“ von Juli Zeh feiert am Samstag, dem 6. April, um 19.30 Uhr im Landestheater in Neustrelitz Premiere. Karten unter www.theater-und-orchester.de

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