An den touristischen Hotspots, wie hier am Mirower See, ist in diesem Sommer etwas weniger los. Allerdings war das auch zu erw
An den touristischen Hotspots, wie hier am Mirower See, ist in diesem Sommer etwas weniger los. Allerdings war das auch zu erwarten, nach zwei Jahren in denen Inlandsreisen aufgrund der Corona-Pandemie boomten (Archivbild) Tobias Lemke/Archiv
Tourismus

Urlauber kommen in die Seenplatte – aber nicht mehr in Scharen

Die Tourismus-Branche in Mecklenburg-Strelitz zieht eine durchwachsende Zwischenbilanz. Verhaltener als in den Vorjahren läuft die Saison.
Wesenberg

Phasenweise wurde die Seenplatte im Sommer der beiden Vorjahre von Urlaubern überrannt. Dass es im ersten Sommer ohne Corona-Reisebeschränkungen weniger werden, weil dann auch wieder das Ausland lockt, war klar. Zusätzlich muss die Branche aber erkennen, dass das Geld bei den nun hier urlaubenden Gästen nicht mehr so locker sitzt.

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Es gibt noch freie Kapazitäten

Rund um Mirow und Wesenberg gebe es auf jeden Fall noch freie Kapazitäten, auch wenn die Übernachtungsmöglichkeiten, die die Kleinseenplatte Touristik GmbH vermittelt, derzeit ausgebucht seien, berichtet etwa deren Chef Enrico Hackbarth. „Wir sind aber definitiv nicht an den Zahlen der beiden Vorjahre dran, wo noch nicht mal mehr eine einfache Kammer zu haben war“, sagt Hackbarth. Neue Rekorde seien aber auch nicht erwartet worden, und nur, weil es ein Chaos an den Flughäfen gab, werde kein Urlauber sofort seine gebuchte Fernreise stornieren und wieder aufs Inland ausweichen.

Ähnlich schätzt Brigitta Richter von der Feldberger Kurverwaltung die Situation zur Halbzeit der Saison ein. Die Buchungslage in der Feldberger Seenlandschaft sei gut, aber man bekomme auch noch was. Es seien die Gäste hier, die hier sein wollen und nicht mehr die, die müssen, weil sie nicht nach Mallorca fliegen konnten, bringt sie es auf den Punkt. Auch von den Feldberger Einwohnern habe Richter schon zu hören bekommen, dass das Urlauberaufkommen wieder auf ein angenehmes „normales Maß“ zurückgegangen sei.

„Sind bis weit in den August hinein ausgebucht“

Den Vergleich mit den beiden Vorjahren will Gunter Riechey, Geschäftsführer von Haveltourist mit acht Campingplätzen in der Region, aufgrund der Verzerrungen durch die Pandemie-Einschränkungen gar nicht erst aufmachen. „Wir sind bis weit in den August hinein ausgebucht“, sagt er. Trotzdem, am Ende werde man wohl etwas unter den Zahlen von 2019 landen, als es sehr gut für den Tourismus in der Seenplatte lief. Denn auch die Camper ziehe es nun wieder verstärkt ins Ausland. Laut einer ADAC-Befragung hätten 63 Prozent angegeben, in diesem Jahr wieder Urlaubsziele außerhalb Deutschlands ansteuern zu wollen.

Während ein Rückgang der Übernachtungszahlen erwartbar war, gibt es allerdings noch andere Entwicklungen, mit denen so nicht unbedingt zu rechnen war. Die Urlauber würden in diesem Sommer stärker das Geld zusammenhalten. So gingen sie am Urlaubsort nicht mehr so oft essen, meiden Zusatzkosten wie beispielsweise in Spaßbädern oder Freizeitanlagen, erklärte jüngst Dehoga-Chef Lars Schwarz. Das kann Gunter Riechey zumindest für die Restaurants bei Haveltourist so nicht bestätigen. In dem Bereich verzeichne sein Unternehmen gute Umsätze. Enrico Hackbarth und Brigitta Richter haben hingegen aus der Gastronomie auch andere Stimmen vernommen.

Lieber an den Strand als auf das Ausflugsboot

Ebenso heißt es von Anbietern wie der Blau-Weisen Flotte, die beispielsweise Schiffsfahrten von Mirow und Neustrelitz aus anbietet, dass am Ticketschalter sehr wohl zu spüren sei, dass die Leute auf den Groschen schauen, berichtet Flotten-Chef Wolf-Dieter Schott. Zudem gingen die Menschen an heißen Tagen lieber an den Strand. Wegen der hohen Dieselpreise habe das Unternehmen die Fahrkartenpreise um einen Euro anheben müssen, sagt Schott. Außerdem sei der Mindestlohn gestiegen und um den gewährleisten zu können, blieb keine andere Möglichkeit – ein Kreislauf, bei dem die Schmerzgrenze erreicht sei.

Ein wenig unter dem Durchschnitt würden auch die Besucherzahlen im Schloss Mirow liegen, erklärt Schloss-Leiterin Susanne Bocher. Jedoch bringt sie das eher mit dem Wetter in Verbindung. „Sobald es regnet, sind wir überfüllt. Bei Sonne und 30 Grad ist es natürlich ruhiger“, erklärt Bocher.

Nach Einschätzung der Neustrelitzer Touristinformation ist das Aufkommen an Tagesgästen in der Residenzstadt gegenüber dem Vorjahr in etwa konstant. Übernachtungsgäste scheinen etwas weniger zu kommen, heißt es aber auch von dieser Stelle. Allerdings gebe es weiterhin Anfragen nach Unterkünften. In der Touristinformation wurden bisher ähnlich viele Besucher beraten, wie im Vergleichszeitraum 2021. Ein weiterer Punkt, den die Neustrelitzer Touristinfo für diese Saison festhalten kann: „Viele Gäste kommen mit dem 9-Euro-Ticket, um die Stadt kennenzulernen, und suchen vielfach nach kostengünstigen und kostenfreien Angeboten.“

 

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