DORFKIRCHE DIEMITZ

Verschollenes Kunstwerk nach 30 Jahren wieder aufgetaucht

Es ist eine kleine Sensation und eine gute Nachricht in dieser turbulenten Zeit: In die Diemitzer Dorfkirche ist eine verloren gegangene Figurengruppe zurückgekehrt.
Pastor Wilhelm Lömpcke (rechts) hat zusammen mit Diemitzer Bürgern das Wandbild für die Dorfkirche kürzlic
Pastor Wilhelm Lömpcke (rechts) hat zusammen mit Diemitzer Bürgern das Wandbild für die Dorfkirche kürzlich in Schwerin abgeholt. Restaurator Frank Hösel (links) hatte sich in Diemitz gemeldet und von dem Fund berichtet. Tobias Müller-Deku
Die Figurengruppe wurde frisch restauriert.
Die Figurengruppe wurde frisch restauriert. Tobias Müller-Deku
Diemitz.

Eine Kreuzigungsgruppe aus der Mitte des 18. Jahrhunderts hängt wieder an ihrem angestammten Ort. Zumindest stimmt das Gotteshaus, in das die Schnitzarbeit gehört. Ob es genau an der Stelle hängt wie einst, ist ungewiss. Denn von der Existenz des Wandbildes hatte weder jemand eine Ahnung gehabt – noch, wo es sich ursprünglich in der Kirche befand.

„Wir haben es nun an der Südwand befestigt“, berichtet Pastor Wilhelm Lömpcke. Dort sei es weniger dem Sonnenlicht ausgesetzt, was dem Schutz des frisch restaurierten Stücks nur förderlich sein könne. Am vergangenen Sonnabend war es mit Unterstützung von Diemitzern dort aufgehängt und mit einem Diebstahlschutz versehen worden.

Wie das Kunstwerk zurück ins Dorf kam, sei eine kleine Sensation, sagt Lömpcke. Völlig überraschend hatte sich bei ihm im Februar Restaurator Frank Hösel vom Landesamt für Kultur- und Denkmalpflege aus Schwerin gemeldet. Er sei zusagen auf dem Sprung in den Ruhestand und müsse daher seine Werkstatt aufräumen, berichtete Hösel dem Pastor. Dabei habe er schließlich den Fund von der Kreuzigungsgruppe gemacht, die er der Diemitzer Kirche zuordnete.

Tatsächlich taucht die Arbeit etwa in der fünf Bände umfassenden Denkmalliste des Großherzogtums Mecklenburg-Schwerin von 1902 auf, hat der Pastor aus Schwarz inzwischen nachgeschlagen. „Aber wirklich davon gewusst, hat hier niemand was“, sagt Lömpcke. Denn in der Wendezeit sei das Wandbild wohl in die Werkstatt gekommen und dann vergessen worden. Umso schöner die Nachricht, dass die Figurengruppe nun auch im restauriertem Zustand wieder heimkehrte.

„Minderwerthig“? Diemitzer sehen’s anders

Es handelt sich um eine 70 mal 80 Zentimeter große, wunderbar bäuerlich geschnitzte Figurengruppe mit Jesus am Kreuz, Maria und dem Apostel Johannes. Im Denkmal-Band von 1902 heißt es zwar, die Holzschnitzerei sei von „minderwerthiger“ Arbeit, aber diese Auffassung teilen die Diemitzer natürlich nicht. „Im Gegenteil, sie passt ganz wunderbar in diese Kirche, die sich auch durch einen Taufengel und Deckenmalerei auszeichnet. Sie bereichert dieses Kleinod“, findet Lömpcke. Einem bestimmten Künstler lasse die Figurengruppe nicht zuordnen. Auf dem Kreuz lassen sich einige Buchstaben entziffern, die auf den Namen Gabriel Schulz schließen lassen. Dabei könnte es sich aber auch um den Auftraggeber des Kunstwerks handeln.

Eine Besonderheit sei das Wandbild zudem, da es eines der wenigen Überbleibsel aus der alten Dorfkirche von Diemitz sei. Mitte des 18. Jahrhunderts wurde bei einem Großbrand die Hälfte des Dorfes und die Kapelle vernichtet. Um 1765 wurde das heutige Gotteshaus errichtet. Einzig noch vom Opferstock sei bekannt, dass er ebenfalls aus dem Vorgängerbau stammt.

Geplant sei, die Rückkehr des Kunstwerks am Pfingstsonnabend am Nachmittag zu feiern. Falls sich die Dinge bis dahin normalisiert haben, soll es einen Fachvortrag einer Restauratorin zur Diemitzer Kreuzigungsgruppe geben.

Stadt. Land. Klassik! - Konzert in Diemitz

Kommende Events in Diemitz

zur Homepage