Ist das Kunst oder räumt man das weg? Letzteres bloß nicht. Der Nationalpark nennt das Belegen von Wegen mit Ä
Ist das Kunst oder räumt man das weg? Letzteres bloß nicht. Der Nationalpark nennt das Belegen von Wegen mit Ästen „verblenden” und macht das mit Absicht. Thomas Göthel
Im Müritz-Nationalpark sind einige Wege mit Ästen gesperrt. Das ärgert Spaziergänger, die Parkverwaltung n
Im Müritz-Nationalpark sind einige Wege mit Ästen gesperrt. Das ärgert Spaziergänger, die Parkverwaltung nennt aber Gründe für die Vorgehensweise. Thomas Göthel
Ärger über Hindernisse

Warum sperrt der Müritz-Nationalpark Wege mit Ästen ab?

Anwohner wundern und ärgern sich: Im Müritz-Nationalpark sind Besucher auf einigen Trassen offenbar nicht mehr erwünscht. Äste liegen im Weg. Was ist da los?
Hohenzieritz

Thomas Göthel ist ziemlich sauer. Der Dalsmdorfer geht gern im Müritz-Nationalpark wandern. Genau wie andere Einheimische und Urlauber auch, wie Göthel deutlich macht. Ist bei ihm aber auch kein Wunder, denn der Park befindet sich sozusagen bei ihm vor der Haustür. Neuerdings türmen sich allerdings Hindernisse auf den von Thomas Göthel bevorzugten Wanderwegen auf. Etliche Trassen sind durch kreuz und quer verlegte, große Äste versperrt. Der Wanderer ist sogar schon darüber gestürzt.

  „Hier wird eine künstliche Gefahrenstelle geschaffen“, befindet Göthel im Gespräch mit dem Nordkurier. Der Mann hatte auch schon begonnen, die über den Weg gelegten Äste wegzuräumen. Na, da hatte er aber etwas angerichtet. Prompt sei ein Nationalpark-Ranger auf den Plan getreten und habe ihm nahegelegt, derartige Aktivitäten unverzüglich zu beenden.

Rettungswege nicht bedacht?

Thomas Göthel ist entrüstet. „Hier können sich Menschen verletzen, was ist mit den Rettungswegen?“ Und überhaupt: Göthel fragt sich verständlicherweise, warum die Äste da kreuz und quer in der Landschaft herumliegen. Will man im Nationalpark auf diesen Trassen keine Besucher mehr sehen?

Verblenden heißt es im Fachjargon

Genau das ist offenbar das Kalkül hinter der „Ast-Aktion“, bekam der Nordkurier aus der Verwaltung für das Großschutzgebiet bestätigt. Die Rede ist vom „Verblenden“, wie der Nordkurier von Matthias Hellmundt vom Dezernat 3 im Müritz-Nationalpark, erfuhr. Demnach wird das Legen von Ästen auf Wege, die nach Auffassung des Nationalparks als nicht begehbar oder nicht nutzbar eingestuft werden, als Verblenden bezeichnet.

„Es gibt im Müritz-Nationalpark bis heute alte Wege, die zwar als diese noch erkennbar sind, darüber hinaus aber keinerlei Nutzungsstatus vor dem Hintergrund des Rettungswegesystems beziehungsweise als Wege für andere Nutzungen oder als ausgewiesene Wanderwege haben“, macht Matthias Hellmundt geltend.

Parkverwaltung begründet Vorgehen mit Sicherheit

Viele dieser alten Wege würden sogar in Kernzonengebiete wie den alten Schießplatz führen. Dort gebe es munitionsbelastete Flächen, erklärt Matthias Hellmundt auf Nachfrage. Bei der Versperrung der Wege ginge es demnach um den Schutz der Waldbesucher zum einen sowie auch um besonders geschützte Tier- und Pflanzenarten, die dort keinesfalls durch Besucher gestört werden sollen.

Offizielle Wanderwege nicht betroffen

Glück für die Besucher: Für die offiziell als Wanderweg ausgeschilderten Trassen hat der Nationalpark keine „Verblendung“ vor, wie der Nordkurier auch bestätigt bekam.

Wie viele Wege indessen vom Wegsperren betroffen sind, das weiß man in der Müritz-Nationalparkverwaltung nach eigenem Bekunden gar nicht genau. Matthias Hellmundt spricht nur von Schätzungen. Demnach könnte es um zehn Wege in dem 32 200 Hektar großen Schutzgebiet gehen. Dies nicht nur in Dalmsdorf, sondern im gesamten Nationalpark-Gebiet.

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