UNGLEICHER ZWEIKAMPF

Waschbär ertränkt Jagdhund

Ein Westsibirischer Laika hat bei Hildebrandshagen einen deutlich kleineren Waschbären angegriffen. Nicht das Pelztier, sondern der Hund bezahlte mit dem Leben.
Susanne Böhm Susanne Böhm
Ivan war ein stattlicher Westsibirischer Laika. Jetzt ist der Hund tot. Er starb im Kampf mit einem Waschbären.
Ivan war ein stattlicher Westsibirischer Laika. Jetzt ist der Hund tot. Er starb im Kampf mit einem Waschbären. Mirko Bogumil/Montage NK
Fürstenwerder.

Es klingt wie Jägerlatein, ist es aber nicht. Jagdhund Ivan, ein stattlicher Westsibirischer Laika, ein guter Schwimmer und mutiger Jäger, wurde in einem See bei Hildebrandshagen von einem Waschbären ertränkt. Jäger Mirko Bogumil aus Fürstenwerder würde es selbst nicht glauben, wenn er das schreckliche Ende seines treuen Begleiters nicht selbst hätte mit ansehen müssen.

„Wir haben am See für die Jagdhundprüfung geübt. Plötzlich hob mein Hund die Nase und rannte ins Schilf. Er hatte einen Waschbären gerochen”, erzählt Mirko Bogumil. „Ich hörte Kampfgeräusche. Mal jaulte der Waschbär, dann der Hund. Dann hörte ich es platschen. Sie waren ins Wasser gesprungen.”

Plötzlich drehte der Waschbär um

Er habe versucht, zu seinem Hund zu gelangen, doch das Schilf sei zu dicht und der Boden zu morastig gewesen. Also sei er auf einen Baum geklettert, um auf den See schauen zu können. „Der Waschbär schwamm 30 Meter voraus, mein Hund hinterher. Als beide 60 bis 90 Meter weit draußen waren, drehte der Waschbär um, schwamm auf den Hund zu, stieg ihm auf den Kopf und krallte und biss sich fest. Der Hund ging unter, kam nochmal kurz hoch, jappste und verschwand endgültig.” Ivan wurde nichtmal ein Jahr alt.

Der Hund war 58 Zentimeter groß und wog 24 Kilo. Ein Waschbär wird maximal 30 Zentimeter hoch und erreicht 9 Kilo. Soll dieser Zwerg einen russischen Jagdhund bezwingen können, der als außergewöhnlich ausdauernd, widerstandsfähig, robust und unerschrocken gilt? Sowas kommt vor, sagt Michelle Zimmermann vom Landesjagdverband Brandenburg. In ihrer Geschäftsstelle seien ein paar Fälle bekannt. „Kürzlich wurde ein Deutsch Drahthaar gemeldet, der ist auch nicht kleiner. Wenn ein Hund im Wasser keinen Boden unter den Füßen hat, kann sowas offenbar passieren.”

Meistens stirbt der Waschbär

Biologe Dr. Frank-Uwe Michler von der Gesellschaft für Wildökologie und Naturschutz in Eberswalde, der jahrelang die Waschbären im Müritz-Nationalpark erforscht hat, hält das ebenfalls für möglich. „Das ist natürlich tragisch aber auch nichts anderes, als wenn Hunde in Dachsbauten umkommen oder von Füchsen verletzt werden. Nur, dass bei Dachs und Fuchs kein Mensch darüber spricht. Wenn Hunde und Waschbären kämpfen, stirbt in 99,9 Prozent der Fälle der Waschbär.

Waschbären seien tapfer. Wenn sie angegriffen werden, würden sie um ihr Leben ringen. Eines aber hat der Waschbär-Experte noch nie gehört: „Dass der Waschbär umdrehte und auf den Hund zuschwamm, finde ich sehr merkwürdig. Er muss wohl gemerkt haben, dass ihn die Kräfte verlassen, dass das seine letzte Chance ist.”

Die Familie trauert

Frank-Uwe Michler weist ausdrücklich darauf hin, dass es verboten ist, Hunde auf Waschbären oder andere Tiere loszulassen. In Mirko Bogumils Fall aber ließ sich der Hund nicht zurückrufen.

Mirko Bogumil fuhr später mit einem Boot auf den See. Er fand die Leiche seines Hundes und zog ihn aus dem Wasser. Seine Familie trauert um das verstorbene Familienmitglied. Der Jäger rät allen Hundebesitzern, ihre Tiere von Waschbären fern zu halten. „Wenn Wasser in der Nähe ist, kann das fatale Folgen haben.”

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