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Wehrmachtsbunker wird zur Luxusherberge

Holger Schütt (rechts), ökologischer Baubetreuer bei der Bunkersicherung für die Fledermäuse, erläutert der Besichtigungsgruppe, nach welchen Kriterien vorgegangen wurde.[KT_CREDIT] FOTO: andré gross

VonAndré GrossFledermäuse finden am Neustrelitzer Stadtrand dank der Sicherung eines ehemaligen Militärgeländes jetzt exzellente Winterquartiere ...

VonAndré Gross

Fledermäuse finden am Neustrelitzer Stadtrand dank der Sicherung eines ehemaligen Militärgeländes jetzt exzellente Winterquartiere vor.

Neustrelitz.Zwischen Neustrelitz und Weisdin ist eindrucksvoll zu sehen, wie zwei Fliegen mit einer Klappe geschlagen werden können. Eigentümer des 36 Hektar großen Areals, auf dem sich 13 ehemalige Wehrmachtsbunker und drei Laufgräben einer Schießanlage befinden, ist der Bund. Seit 2008 sind hier vom Betrieb für Bau und Liegenschaften MV im Auftrag des Bundesforstbetriebes 330000 Euro eingesetzt worden, damit von den zuletzt von den GUS-Truppen genutzten Militärobjekten keine Gefahr mehr ausgeht. Der Clou der jetzt abgeschlossenen Aktion ist, dass die Unterstände und die inzwischen geschlossenen Gräben als Fledermaus-Winterquartiere hergerichtet wurden.
„Wir haben unser Möglichstes versucht, um optimale Bedingungen für die streng geschützten Tiere zu schaffen“, betonte Holger Schütt, ökologischer Baubetreuer mit Büro in Klein Kiesow bei Greifswald. Was dabei herausgekommen ist, würde in der Hotellerie mit fünf Sternen und dem Zusatz „de luxe“ honoriert. So können die Fledermäuse von trockenkalt bis feuchtwarm zwischen verschiedenen Klimazonen wählen, und sie sind vor Mensch wie Tier hinter Beton und Stahl absolut sicher.

Spezialist identifiziert
sieben Arten
Die Fledermauspopulation am Standort sei in den vergangenen zehn Jahren von zehn auf rund 100 Tiere angewachsen, was für den Platz spreche. Er schließe nicht aus, so der im Naturschutz auch ehrenamtlich Engagierte, dass es in weiteren zehn Jahren vielleicht 1000 Fledermäuse geben wird, die hier überwintern. Voraussetzung sei, dass sich die Umweltbedingungen nicht gravierend änderten. Schütt hat bislang sieben Arten der Nachtsegler in der weiträumigen Bunkerlandschaft ausgemacht.
Verbindungen konnten zu den Wochenstuben in Burg Stargard und Fürstenberg hergestellt werden, wo die Weibchen den Nachwuchs zur Welt bringen. Es sei davon auszugehen, dass die Überwinterer aus der näheren Umgebung kommen, obwohl es auch Beispiele für lange Flugstrecken gebe. So sei in einem Winterquartier in Stralsund eine zuvor an der Müritz beringte Fledermaus vorgefunden worden.
Von den aufgewendeten Mitteln stammen 130000 Euro aus dem Kompensationsfonds des Straßenbauamtes Neustrelitz, sagte Klaus Reimers, Bereichsleiter Naturschutz beim Bundesforstbetrieb Vorpommern-Strelitz. Während häufig als Ersatz für versiegelte Flächen Bäume gepflanzt würden, seien die Gelder diesmal dem Tierschutz zugutegekommen. Erheblichen Aufwand habe im Bereich des Schießstandes die Bleibelastung verursacht. „Wir haben uns mit der Umweltbehörde des Landkreises abgestimmt und einen unkritischen Wert erreicht. Außerdem ist das Gelände unter Einsatz von Magneten durchgesiebt worden und nun kampfmittelfrei“, resümierte Reimers.
Das Fledermausprojekt wird von einem Monitoring durch ehrenamtliche Naturschützer begleitet. Bürgermeister Andreas Grund regte an, analog zu den Angeboten im Stadtinneren jährliche Führungen anzubieten.

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andregross@nordkurier.de