NATURERLEBNIS

Weißes Damwild bei Burg Stargard entdeckt

Sophie Boelke aus Bredenfelde hatte eine unvergessliche Begegnung. An einem Rübenacker kam ihr ein strahlend weißes Damwild ganz nah.
Susanne Böhm Susanne Böhm
Sophie Boelke hatte eine Begegnung der anderen Art. Weißes Wild ließ sie ganz nah an sich heran.
Sophie Boelke hatte eine Begegnung der anderen Art. Weißes Wild ließ sie ganz nah an sich heran. Sophie Boelke
Burg Stargard.

Eine zauberhafte Begegnung hatte Sophie Boelke aus Bredenfelde. Die 22-Jährige war gegen 19 Uhr nach der Arbeit mit ihrem Auto auf dem Weg von Neubrandenburg nach Hause. An einem Rübenacker bei Burg Stargard geschah es. Wie ein Fabelwesen stand ein weißes Tier am Straßenrand und blickte sie an. Sie vermutete, dass es sich um ein Reh handeln könnte.

Die junge Frau war fasziniert. Weißes Wild ganz nah und zutraulich – ein unvergessliches Erlebnis. Selbst als sie die Tür öffnete und mehrere Handyfotos schoss, blieb das zierliche Geschöpf ganz ruhig stehen. Die Bilder sollten viele Menschen sehen, beschloss ihre Oma Christa Siebeck aus Prillwitz und schickte die Fotos dem Nordkurier. „Ein zutrauliches weißes Reh stellt sich fotogen in Position. Da diese Situation recht selten ist, wollen wir andere an dem Bild teilhaben lassen“, schreibt sie.

Forstamt kennt diese Tiere

Ingo Leistikow vom Naturpark Feldberger Seenlandschaft staunte auch, als er die Bilder sah. Weißes Wild hatte der Naturpark-Ranger schon gesehen, aus nächster Nähe aber nicht. „Das ist Damwild, ein junges, unerfahrenes Stück. Ein schönes Bild.“ Das weiße Fell sei gar nicht so ungewöhnlich in der Gegend. Auch schwarzes Damwild gebe es dort. „Gefühlt rund fünf Prozent des Damwilds in der Region ist weiß oder schwarz.“

Ursache sei die Domestizierung durch den Menschen. Im Gegensatz zum Rotwild sei Damwild in Europa nicht heimisch. Es stamme aus Kleinasien und sei schon zur Römerzeit nach Deutschland gebracht worden. „Es wurde als Gatterwild gehalten. Wie zum Beispiel bei Blumen wurden verschiedene Farbvarianten gezüchtet. Schwarz und Weiß sind hier seither weit verbreitet. Bei Lüttenhagen gibt es ein Rudel weißes Damwild, 20 Stück. Die dienen dem Forstamt als Monitoring-Tiere. Da weiß man immer genau, dass das dasselbe Rudel ist.“ Anhand solcher Bestandsbeobachtungen würden die Abschusspläne kalkuliert.

Aberglaube schützt diese Tiere

Weißes Wild werde genauso bejagt wie braunes. „Sie haben normale Trophäenentwicklung.“ Jedoch sind weiße Hirsche auch für Jäger etwas Besonderes, berichtet Ingo Leistikow, der in seiner Freizeit selbst zur Jagd geht. „Manche Jäger sind ein bisschen abergläubisch. Viele sagen, wer ein weißes Stück schießt, wird krank oder lebt nicht lange.“ Ihm selbst seien schon oft weiße Tiere vor die Flinte gekommen, erlegt habe er aber noch nie eins und werde das auch nicht tun. „Ich bin auch abergläubisch. Aber bei größeren Jagden, wenn Gastjäger kommen, die noch nie etwas von weißem Wild oder von Aberglauben gehört haben, liegen fast immer ein bis zwei weiße Stücke auf der Strecke.“

So liege es wohlmöglich am Aberglauben im Strelitzer Land, dass das weiße Tier Sophie Boelke so nah an sich heran ließ. Möglicherweise wisse es, dass die Wahrscheinlichkeit, erschossen zu werden, vergleichsweise gering ist. Zu Schonzeiten, in denen nicht gejagt wird, ist ein ähnliches Phänomen zu beobachten. Da ist das Wild oft weniger scheu. Es könne aber auch sein, dass der leckere Rübenacker das junge Tier seine Scheu vergessen ließ. Vielleicht wollte es sich, so gar nicht feenhaft einfach nur den Bauch so richtig vollschlagen.

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