Für Pastorin Katharina Rosenow ist das Tabernakel ein besonderes Schmuckstück. Die Kirche Granzin  zieht Urlauber an
Für Pastorin Katharina Rosenow ist das Tabernakel ein besonderes Schmuckstück. Die Kirche Granzin zieht Urlauber an. Hier ertönt die Orgel auf Knopfdruck. Hans-Joachim Kohl
Ausflugstipp

Wer die Kirche Granzin besucht, kann was erleben

Auf Knopfdruck ertönt die Orgel. Ein Tabernakel lässt staunen. Und auf dem Kirchhof geben Insekten den Ton an.
Granzin

Viele Urlauber kommen zum Rad- oder Kanufahren, Wandern und Baden gern in die mecklenburgische Seenplatte. Eines der kirchlichen Kleinode ist die Kirche in Granzin. Wenn Besucher unter dem Maulbeerfeigenbaum durch auf die Kirche zugehen, dann brummen und summen Insekten nur so. Kein Wunder, haben sie doch gerade einen Insektenpflanzen-Kirchhof betreten. „Der ist vergangenes Jahr zufällig entstanden“, erzählt Pastorin Katharina Rosenow. „Ein Landschaftsarchitekt mit Leidenschaft für Insekten initiierte diese Oase“, fügt sie hinzu. Und so brummt und summt es rund um die Kirche Granzin.

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Imker spricht übers Honigmachen

Viele Insektenarten laben sich an den Pflanzen oder kriechen in das Insektenhotel. Der Insektenkirchof ist Teil des Projektes „Landgut 2021“, mit dem die Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) Kultur und Begegnungsflächen in den Dörfern mehren möchte. Denn gleich neben dem Kirchhof gibt es beispielsweise einen Spielplatz. „Jetzt sind im Kirchhof verschiedene Pflanzen beschildert, die Besuchende begutachten können“. Ab und zu finden hier Feste statt. Demnächst kommt ein Imker, der vom Honigmachen und über bienenfreundliche Pflanzen für Gärten berichten wird. „Kürzlich hatten wir auch einen Puppenspieler hier, Stefan Raetsch. Da war viel los“, blickt Pastorin Katharina Rosenow zurück. „Der Künstler hat passend zum Insektenpflanzen-Kirchhof das Stück die ,Eintagsfliege‘ gespielt. Im Sommer stehe der Begegnungsort übrigens rund um die Kirche immer offen.

Neugotischer Charme in der Kirche

Auch im Innern der Kirche, gibt es Überraschendes zu erleben. Blickfang ist ein etwa 550 Jahre altes, fast vier Meter hohes Sakramentshaus aus dem Vorgängerbau. „Mit hübschen Schnitzereien und auffällig bunten Farben, Grün mit kräftigem Rot und sehr zierlich, sehr fein geschnitzt bis in die Spitze“, schwärmt Pastorin Katharine Rosenow. In dem mit einem Türchen versehene Häuschen (Tabernakel) werden in katholischen Kirchen die „Reliqua sacramenti“, die beim Abendmahl gesegneten, aber nicht ausgeteilten Hostien aufbewahrt. In evangelischen Kirchen steht meist nichts darin. „Hab ich noch nie gesehen“, sagt Pastorin Katharina Rosenow, „so ausgefeilt und detailliert. Man rechnet auch nicht damit, wenn man in eine evangelische Kirche kommt. Viele Besucher fragen dann, was ist das? Für uns ist das ein schönes Schmuckstück“, sagt sie. Das Sakramentshaus in der Granziner Kirche stammt vermutlich aus dem brandenburgischen Raum, denn Granzin gehörte im 15. Jahrhundert zum Bistum Havelberg. Das zog sich damals von Neu-Röbel (Neustadt) bis nach Friedland.

Besucher hat die Technik eingebaut

Das „akustische“ Schmuckstück der Kirche in Granzin bei Neustrelitz ist die Orgel von Carl Börger. Sie wurde eigentlich für die Lutherfestspiele in Rostock 1883 gebaut und kam 1894 nach Granzin. „Das Besondere ist, dass auf Knopfdruck eine Orgelaufnahme erklingt, was bei den Touristen und Einheimischen sehr beliebt ist“, sagt Pastorin Katharina Rosenow. Ein Besucher habe die Technik vor Jahren eingebaut. Aktuell ist eine vierminütige Aufnahme vom früheren Kantor Vogt zu hören. Er spielte Präludium und Fuge in a-Moll von Johann-Sebastian Bach für die Aufnahme ein.

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