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Wer zu Fallada will, muss bald mehr bezahlen

Ein Schriftsteller als „schwarzes Schaf“: Das macht neugierig. Wie hat so ein Genie eigentlich gewohnt? Das Fallada-Museum in Carwitz hat mit der Antwort einen neuen Besucherrekord verzeichnet. Aber künftig kann das Interesse an dem Schriftsteller echt teuer werden.

Die denkmalgerechte Sanierung des einstigen Bienenhauses von Hans Fallada hängt derzeit noch von Fördergeldern ab. Das Vorhaben soll möglichst in diesem Jahr begonnen werden.
T. Lemke Die denkmalgerechte Sanierung des einstigen Bienenhauses von Hans Fallada hängt derzeit noch von Fördergeldern ab. Das Vorhaben soll möglichst in diesem Jahr begonnen werden.

Fallada interessiert, kommt an, wird neu entdeckt. In Görlitz entsteht gerade die vierte Verfilmung seines letzten Romans „Jeder stirbt für sich allein“ – mit Starbesetzung. Die Fallada-Gesellschaft wuchs in den vergangenen zehn Jahren um rund 100 Mitglieder an, was für eine literarische Gesellschaft außergewöhnlich ist. Und zu guter Letzt endete für das Hans-Fallada-Museum auf dem Carwitzer Bohnenwerder das vergangene Jahr mit einem Besucherrekord. Genau 14 968 Gästen zählte das Haus.  Trotzdem hat Museumsleiter Stefan Knüppel eine andere Zahl im Kopf, und die lautet 15 000. Die Zielmarke wurde 2014 knapp verfehlt. Die Besucherzahlen steigen aber stetig und Knüppel ist sich sicher: „Dieses Jahr könnte es klappen.“ Allerdings werden die Kürzungen bei der Kulturfinanzierung auch am Fallada-Haus Folgen haben. Ab 2016 wird der Kreis seine Zuschüsse um die Hälfte zurückfahren. Statt 24 000 Euro gibt es dann nur noch 12 000 Euro. Um die Lücke auszugleichen, werde das Museum 2015 um eine Erhöhung der Eintrittspreise um einen Euro wohl nicht herumkommen, kündigt Knüppel an. Eine Maßnahme, die ihm eigentlich widerstrebt. „Das machen wir ungern. Wir wollen, dass Kultur bezahlbar bleibt“, sagt er.  

Zumindest das Frühlingserwachen auf dem Bohnenwerder zeigt sich davon unberührt. Zudem hat das Museum seit Kurzem eine Sonderausstellung zum Leben und Schaffen des Schriftstellers Frank Wedekind. „Frühlings Erwachen“, heißt übrigens auch Wedekinds Roman, welcher ihn sozusagen mit Fallada verbindet. Thematisiert wird darin die Selbstmordproblematik junger intellektueller Männer um die Jahrhundertwende. „Fallada duellierte sich als 17-Jähriger mit seinem besten Freund, der dabei ums Leben kam“, spannt Knüppel den Bogen zwischen den beiden Schriftstellern.

Diese Ausstellung gilt als großer Erfolg

Hans Fallada, der mit bürgerlichen Namen Rudolf Ditzen hieß, könne ohnehin als „schwarzes Schaf“ der Familie bezeichnet werden, sagt der Museumsleiter. Wohl auch das macht den Schriftsteller so interessant. 1893 in eine bürgerliche Familie hineingeboren, wich Fallada vom vorbestimmten Weg ab. Der Vater entstammte dem Beamtenadel, die Mutter einer Pastorenfamilie. Der Sohn brach aus diesem Gefüge aus, brachte etwa Gefängnisaufenthalte und Rauschgift-Entzug hinter sich. Eine Sonderschau über Falladas Familiengeschichte ist derzeit in ganz Deutschland unterwegs. „Damit ist uns ein großer Wurf gelandet. Wir sind jetzt schon für das nächste Jahr ausgebucht“, ist Knüppel zufrieden.