KUNST UND CORONA

▶️Weshalb sich ein Sänger mit Hund auf dem Sofa filmen lässt

Spieltipps von Instrumentenvirtuosen oder eine Arie: Künstler aus der Region wollen ihre Zuschauer bei Laune halten. Und das jeden Tag zur gleichen Zeit.
Sänger Yongmin Kwon bei den Dreharbeiten, begleitet vom Zweiten Kapellmeister Hankeol Moon – alles unter den kritis
Sänger Yongmin Kwon bei den Dreharbeiten, begleitet vom Zweiten Kapellmeister Hankeol Moon – alles unter den kritischen Augen von Tatjana Rese (Mitte) und Diana Olbert (rechts). Robin Peters
Neustrelitz.

Für gewöhnlich steht Opernchor-Sänger Yongmin Kwon eher im Schatten der bekannterer Künstler, etwa im Neustrelitzer Landestheater oder am Neubrandenburger Schauspielhaus. Doch jetzt darf endlich auch er die Menschen von seinem ganzen Gesangstalent mit einer Solo-Nummer überzeugen. Und tatsächlich schmetterte Kwon vergangene Woche in Neustrelitz durchaus kraftvoll die Arie „Nemico della patria“ von sich – allerdings ins Mikrofon und nicht vor großem Publikum. Denn die Bühne haben die Theatermacher in der Krisenzeit kurzerhand in ein kleines Film-Studio umgebaut. Schließlich sind ihnen Auftritte vor Zuschauern wegen der Corona-Ansteckungsgefahr bis auf Weiteres untersagt.

In diesem Provisorium entstehen laut der Schauspieldirektorin und Projekt-Initiatorin Tatjana Rese am laufenden Band kurze Videos, um mit dem Publikum in Kontakt zu bleiben. Jeden Tag um 11 Uhr wird ein neues Video des Formats „Kleine Kunst im Stream!“ auf der Youtube-Seite der Theater und Orchester GmbH im Internet hochgeladen. Material haben die Organisatoren genug: Dutzende Videos mit einer Länge von drei bis fünf Minuten liegen schon auf Halde. Immerhin haben bereits zahlreiche Theaterschaffende mit Begeisterung mitgewirkt – vom Chefdirigenten bis zu Mitgliedern der Tanzkompanie. Mehr als zwei Personen stehen aber nie zusammen im Rampenlicht.

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Auch mal in ungewohnter Umgebung

Die kleinen Beiträge zeigen viele Künstler daher von einer recht persönlichen Seite – und auch mal in ungewohnter Umgebung. Kurios: Sänger Ryszard Kalus performt zum Beispiel auf seinem Sofa mit Hund. „Den ein oder anderen Künstler, den man vielleicht schon von Aufführungen kennt, lernt man auf eine ganz andere Weise kennen“, so Tatjana Rese. Auch für Kinder haben die Theatermacher einiges in petto: Eine Oboistin erklärt beispielsweise die besten Atemtechniken, um lange in das Instrument blasen zu können.

Selbst die Filmcrew wurde entsprechend ihren Talenten spontan zusammengewürfelt. Kamerafrau Diana Olbert ist eigentlich Regieassistentin im Haus, hat aber bereits oft hinter der Kamera gearbeitet. Mit geschultem Auge achtet sie bei den Dreharbeiten auf störende Schatten oder Mikrofone, die ins Bild ragen. „Die neuen Kameras sind sehr komplex“, so Diana Olbert. Daher hat auch sie sich erst zurechtfinden müssen. Die geeigneten Lichtverhältnisse konnten auf der Bühne leicht simuliert werden – nur der Ton bereitet ihr gelegentlich Sorgen: Immerhin befindet sich das Team beim Dreh in einem großen Saal. „Es hört sich nicht selten an wie in einer Kirche.“

Eine halbe Stunde für einen Videoclip

Laut Amrei Scheer, die die Aufnahmen maßgeblich mitorganisiert, brauchte das Team einige Anläufe, bis alle Kleinigkeiten geglättet waren: „Nach drei Tagen haben wir es gut zurecht geschaukelt.“ Für einen Video-Clip braucht die Filmcrew eine halbe Stunde Aufnahmezeit sowie zwei Stunden für den Videoschnitt und die Tonbearbeitung. Die mitunter lange Vorbereitungszeit der Künstler lässt sich laut Tatjana Rese jedoch kaum in Stunden schätzen.

Seit Anfang April werden die Videos nun über die Online-Plattform Youtube gesendet – und zählen mittlerweile bis zu 500 Klicks pro Beitrag. „Es ist wie ein Galerie-Angebot“, sagt Tatjana Rese, die sogar darüber nachdenkt, das Programm nach Lockerung der Corona-Einschränkungen fortzuführen.

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