METEOROLOGIE

Wie die Neustrelitzer Wetterbeobachter Ostern und Pfingsten einschätzen

Ehemalige Mitarbeiter des Deutschen Zentrums für Luft- und Raumfahrt (DLR) befinden sich in Sachen Wettervorhersagen seit über 30 Jahren im Wettbewerb.
Marlies Steffen Marlies Steffen
Erhard Paasch, Siegfried Tusche und Adolf Günther (von links) stehen seit über 30 Jahre im Wettbewerb über Langzeitvorhersagen für das Wetter. Ihre Vergleichsdaten bekommen sie über die Wetterstation auf dem Gelände des DLR. Zu der Gruppe gehört auch Dr. Norbert Jankowski.
Erhard Paasch, Siegfried Tusche und Adolf Günther (von links) stehen seit über 30 Jahre im Wettbewerb über Langzeitvorhersagen für das Wetter. Ihre Vergleichsdaten bekommen sie über die Wetterstation auf dem Gelände des DLR. Zu der Gruppe gehört auch Dr. Norbert Jankowski. Marlies Steffen
Neustrelitz.

Am Pfingstsonntag wird es wechselhaft, ebenso am Pfingstmontag, auch sechs Wochen zuvor sehen die Aussichten nicht gerade rosig aus. Das Wetter zu Ostern fällt ebenfalls unter die Rubrik „wechselhaft“. Das sagt jedenfalls der Neustrelitzer Adolf Günther. Er geht seit mehr als 30 Jahren einem besonderen Hobby, besser noch einem besonderen Wettbewerb, nach. Zusammen mit Freunden wird jeweils für den Zeitraum von drei Monaten eine Wettervorhersage erarbeitet. Das heißt, jeder der Männer stellt seine persönliche Prognose auf.

Einziges Vorhersagekriterium ist die Sonnenscheindauer. Die sortiert sich in den übersichtlichen drei Buchstaben s w g. S steht für schlecht und eine Sonnenscheindauer von 0 bis 1/3 des Tages, w für wechselhaft und 1/3 bis 2/3 Sonne und g für gut, womit Klärchen von 2/3 bis 3/3 vom Himmel strahlt. Vorhersagegebiet ist der Großraum Neustrelitz.

Adolf Günther steht im Wettbewerb „Int.Met.Wet“, wie er es augenzwinkernd nennt, mit ehemaligen Kollegen vom DLR-Standort in der Neustrelitzer Kalkhorst. Mit ihm von Anfang an dabei sind seit 1985 Siegfried Tusche aus Neustrelitz und Erhard Paasch aus Neubrandenburg. Die drei „Wetterfrösche“ im Hobby ermitteln jeweils zum Quartalsende einen Sieger. Der mit den meisten Treffern gewinnt. „Bei uns gilt das Reziproke-Prinzip“, sagt Siegfried Tusche und schmunzelt dabei verschmitzt. Man könnte jetzt auch sagen, dass beim Wettbewerb der Wetterfrösche alle Vierteljahre der Sieger einen ausgeben muss und nicht – wie sonst auch üblich – der Verlierer.

Erst mal abwarten und Tee trinken

Im gerade beendeten ersten Quartal hat Adolf Günther die beste Prognose abgegeben. Aber das wechselt regelmäßig, verdeutlicht Günther. Und gefeiert wird auch nicht immer. Wichtig ist den Männern, dass sie regelmäßig zusammenkommen und sich etwas zu erzählen haben. Da das neue Quartal erst begonnen hat, ist ohnehin abwarten und Tee trinken angesagt. Und die akribische Auswertung der Prognosen. Denn beispielsweise für die Monate April bis Juni ist die Vorhersage-Arbeit längst gemacht.

Zwei bis drei Wochen vor dem Beginn eines neuen Quartals erarbeiten die beteiligten Akteure die jeweilige Prognose, die jeder für sich auf einem Blatt notiert, auf dem dann täglich abgerechnet wird.

Als Grundlage für ihre Vorhersagen berücksichtigen die Männer sogenannte heuristische Modelle, also Erfahrungswerte über Wetterlagen in den vergangenen Jahren. Adolf Günther hat aber auch einen Sonnensensor bei sich im Dachfenster eingebaut, wichtig sind ihm auch bestimmte Werte, wie etwa Mond und Sonne zur Erde stehen. Auch auf Bauernregeln schaut er ab und an.

Physikalische Modelle, wie sie hingegen die Meteorologen benutzen, stehen nicht zur Verfügung. „Dafür reichen unsere Möglichkeiten nicht aus“, sagt Adolf Günther. Allerdings gibt es für die vierteljährliche Auswertung eine sachliche Grundlage zum Vergleich. Das ist die Wetterstation auf dem DLR-Gelände, wo sich ein Sonnensensor und auch Gerätschaften zur Ermittlung von Niederschlägen, Luftdruck und Luftfeuchte befinden. Diese Werte können die Wettbewerbsteilnehmer heranziehen. „Wir freuen uns, dass wir bei unserem Hobby in dieser Weise vom DLR unterstützt werden“, verdeutlicht Adolf Günther. Für die nächsten vier Quartale wird außerdem auch die 16-tägige Vorhersage von Wetter-Online mit zurate gezogen, um einen Vergleich mit Wetterfachleuten ziehen zu können.

Auswertung über ein kompliziertes Punktsystem

Langzeitvorhersagen für das Wetter gelten nach wie vor als schwierig. Wenngleich sich die Menschen genau das immer wieder wünschen. Man denke nur an die alljährlich im Spätherbst auftauchende Frage, ob es nun in diesem Jahr endlich mal wieder weiße Weihnachten gibt, oder an die Urlaubsplanung, für die sich natürlich jeder das beste Wetter wünscht.

Die Trefferquote für die Vorhersage bei den vier Wetterfröschen liegt in den vergangenen 12 Jahren bei durchschnittlich 53,7 Prozent, die Vorhersagen sind gegenüber den Anfangsjahren um 2,5 Prozent genauer geworden. Im vergangenen Quartal hatte Adolf Günther beispielsweise eine Trefferquote von 59 Prozent. Die jeweilige Auswertung erfolgt über ein kompliziertes Punktsystem, die Tendenz über einen Zeitraum von fünf Tagen wird erfasst. Maximal sind pro Tag zehn Punkte möglich, die Schallmauer für die Trefferquote scheint gegenwärtig bei 65 Prozent zu liegen, meint Adolf Günther. Würde die Quote dauerhaft über 60 Prozent steigen, würde auch ein zweiter Wetterwert hinzugenommen. Das wäre dann die Temperatur. Aber soweit sind die Drei noch nicht. Das bisher beste Ergebnis für die Vorhersage von einem Quartal lag bei 63 Prozent.

Was bringt das Ganze? Außer dem Wettbewerb, der den Männern – die meisten haben ihr Berufsleben in technischen Berufen verbracht – Spaß macht, bringt es Erkenntnisgewinn. „Man wird sensibler, was den Wetterverlauf angeht“, verdeutlicht Adolf Günther, der 49 Jahre beim DLR und seinen Vorgänger-Institutionen arbeitete und Elektronikingenieur ist. Wichtig sei es, sich permanent mit dem Thema zu beschäftigen und auch immer wieder neue Informationsquellen aufzutun. Zudem tue die Erfahrung über die Jahrzehnte ein Übriges.

„Eine andere Sicht auf die Dinge”

Die Anzahl der trüben Tage im Herbst und Winter habe beispielsweise seit 1985 zugenommen, hat Adolf Günther beobachtet. Für die Wetterfrösche im Hobby ist es unerheblich, dass ihre Beobachtungen nicht auf physikalischen Modellen beruhen. „Es ist die andere Sicht auf die Dinge“, bekennt Adolf Günther und erinnert daran, dass auf diese Weise schon so manche Entdeckung durch vermeintlich Außenstehende zustande gekommen ist.

Für ihr Hobby suchen die Drei übrigens neue Mitstreiter. Sie wünschen sich, dass ihre über die Jahrzehnte gesammelten Erfahrungen nicht verloren gehen. Und eines Tages steht dann ja vielleicht in der Neustrelitzer Tourist-Information eine Wettervorhersage darüber, wie das Wetter in den nächsten Wochen in der Residenzstadt ausfallen könnte. Und ob es weiße Weihnachten gibt ...

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m.steffen@nordkurier.de

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