DREITEILER IM TV

Wie echt ist der Windkraft-Film „Unterleuten”?

Im TV-Mehrteiler „Unterleuten – Das zerrissene Dorf“ sorgen Baupläne für Windräder für einen Ausnahmezustand in einer kleinen Gemeinde auf dem Land.
Die Verfilmung von Juli Zehns Roman „Unterleuten“ ist hochkarätig besetzt. Foto: Stefan Erhard/ZDF/dpa
Die Verfilmung von Juli Zehs Roman „Unterleuten“ ist hochkarätig besetzt. Foto: Stefan Erhard/ZDF/dpa Stefan Erhard
Neustrelitz.

Über den Fernsehbildschirm flimmert in dieser Woche ein echtes Reizthema des Nordostens. Denn im hochkarätig besetzten TV-Mehrteiler „Unterleuten – Das zerrissene Dorf“ im ZDF sorgt der plötzliche Bau von Windrädern für ein gehöriges Durcheinander des scheinbar idyllischen Landlebens. Dabei wird beherzt überzeichnet: Die dargestellte Gemeinde besitzt offenbar nicht einmal eine intakte Kanalisation. Sprüche wie „Das war hier DDR. Hier gab‘s keine Umweltbewegung. Jeder macht, was er will“ oder „Hier kostet der Quadratmeter nicht mehr als eine Butterbrezen“ werden lapidar in den Raum geworfen.

Romanvorlage von Juli Zeh

Im Kern spielen sich die verschiedenen Interessensgruppen dann gegeneinander aus. Alte Rivalitäten kochen in dem Film nach der gleichnamigen Romanvorlage von Juli Zeh hoch. Doch wie real ist der dörfliche Ausnahmezustand, der im Film episodenhaft abgebildet wird, wo ein Energie-Unternehmen die Bewohner von heute auf morgen mit dem Bau von Windrädern in der Nachbarschaft konfrontiert? Schließlich wird auch in der Region längst über die Ausweisung neuer Eignungsgebiete für Windräder nachgedacht.

„Das Szenario ist – übertragen auf die Planungsregion Mecklenburgische Seenplatte – unrealistisch, da spätestens nach drei Beteiligungsstufen als Jedermann-Beteiligung bekannt sein dürfte, wer der Plangeber ist, nämlich der kommunal verfasste Regionale Planungsverband Mecklenburgische Seenplatte“, teilt Christoph von Kaufmann, Leiter des Amtes für Raumordnung und Landesplanung Mecklenburgische Seenplatte, mit.

Tabuzonen in Vorpommern und in der Seenplatte

Im Rahmen der Fortschreibung des Regionalen Raumentwicklungsprogramms lagen laut Kaufmann über einen langen Zeitraum Hinweise, Anregungen und Bedenken öffentlich aus. „Gegenwärtig werden die über 1000 eingegangenen Hinweise, Anregungen und Bedenken für die Abwägung durch die Verbandsversammlung aufbereitet, aktuelle Gerichtsurteile ausgewertet und in Einzelfällen Gutachten erstellt, um zu einer sach- und fachgerechten Abwägung zu gelangen“, so Christoph von Kaufmann weiter. Im August dieses Jahres will die Verbandsversammlung eine Änderung des Planungs-Entwurfs abwägen. Dann sei eine erneute Bürgerbeteiligung erforderlich. „Welche Eignungsgebiete für Windenergieanlagen infrage kommen, ergibt sich erst im Ergebnis der Abwägung durch die Verbandsversammlung.“ Die planungsrechtlichen Anforderungen sind im Übrigen hoch, wie der Amtsleiter betont.

Ebenso wird in Vorpommern an der Änderung ihres Regionalen Raumentwicklungsprogramms gearbeitet – mittlerweile die vierte Öffentlichkeitsbeteiligung mit rund 2100 Stellungnahmen ausgewertet. Weithin gilt aber: „Alle Flächen, die nicht durch harte oder weiche Tabuzonen belegt sind, sind zunächst Potenzialflächen für die Windenergienutzung“, so Roland Wenk, Leiter des Amtes für Raumordnung und Landesplanung Vorpommern. Dort würden die Prüfer wiederum verschiedene Nutzungsansprüche durchdenken. Solche Tabuzonen sind auch in der Seenplatten-Planung vermerkt. Zu ihnen zählen unter anderem Naturparks, Wald- oder Vogelschutzgebiete.

„Die Mehrheit hat einen Nachteil”

Peter von Loeper, Sprecher der Bürgerinitiative „Es reicht!“, weiß nur zu gut um den langen Planungsvorlauf bei der Ausweisung von Eignungsgebieten. Seine Bewegung wird sogar von Unternehmen sowie Kirchenvereinen unterstützt und pocht auf die weitere Einhaltung eines Fünf-Kilometer-Abstandes zwischen einzelnen Windparks in Teilen von Vorpommern und der Seenplatte. In den betreffenden Gebieten läuft die Planung seit vielen Jahren. Allerdings heizen mitunter lange Spannungsbögen die Stimmung laut Peter von Loeper auf. Niemand spreche über die Prozesse, bis eine neue Auslegung komme.

Die im Film detailliert gezeichneten Streitigkeiten im Dorf fußen aus Peter von Loepers Sicht durchaus auf einem wahren Kern. Denn das Grundproblem beim Bau von Windkraftanlagen bestehe darin, dass nicht alle Bewohner den gleichen Nutzen aus dem Projekt ziehen können. „Es ist nicht neutral – nur Einzelne profitieren, die Mehrheit hat einen Nachteil“, sagt Peter von Loeper. Aus diesem Grund entstünden in den Orten zumeist Konflikte. Nur in absoluten Ausnahmefällen seien sich alle Gemeindemitglieder über den Nutzen eines Windkraft-Projektes einig.

Am Donnerstag lief der dritte Teil von „Unterleuten – Das zerrissene Dorf“ mit Jörg Schüttauf, Dagmar Manzel, Thomas Thieme, Charly Hübner, Rosalie Thomass und Bjarne Mädel. In der ZDF-Mediathek lassen sich alle Teile aber nachschauen.

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Kommentare (1)

Die Windkraftanlagen haben an Land eine Laufleistung von 20% , heißt wir bräuchten nicht mehr Windräder, sondern mehr Speichermöglichkeiten. Denn 80% ihrer Lebenszeit stehen die Dinger nur Rum. Das ist Raubbau an der Natur, Eigentlich müsste das Verfassungsgericht den Neubau solange untersagen, bis es eine Auslastung von 80% gibt ansonsten wird zu tiefst gegen artikel 20a GG verstoßen!