Brandschutz
Wo Feuerwehren im Amt Woldegk Hilfe brauchen

Immer wieder sind Feuerwehrleute auch als Retter nach schweren Verkehrsunfällen gefragt. So wie bei diesem Unfall, der sich im vergangenen Jahr bei Petersdorf ereignet hatte (Archivfoto).
Immer wieder sind Feuerwehrleute auch als Retter nach schweren Verkehrsunfällen gefragt. So wie bei diesem Unfall, der sich im vergangenen Jahr bei Petersdorf ereignet hatte (Archivfoto).
Felix Gadewolz/Archiv

Im südlichen Bereich des Amtes Woldegk ist der Brandschutz nach der Auflösung der Feuerwehr Grauenhagen nicht mehr gegeben. Doch das ist nicht der einzige Mangel.

Es ist ein dickes Ding – und dies nicht nur wegen seines Umfangs. Der 207 Seiten starke Brandschutzbedarfsplan für das Amt Woldegk soll heute Abend im Amtsausschuss beschlossen werden. Danach geht der Plan in die Gemeinden, ebenfalls zur Beschlussfassung, wie Amtsvorsteher Hans-Joachim Conrad auf Nordkurier-Nachfrage verdeutlichte.

Für Amtswehrführer Peer Pollex und den Groß Miltzower Wehrführer Sebastian Buse ist der von einem externen Ingenieurbüro aus Wolgast vorgelegte Plan eine klare Ansage an den großen Handlungsbedarf in Sachen Brandschutz im Amt Woldegk. „Es steht jetzt schwarz auf weiß bestätigt, was wir auch schon vorher so kommuniziert haben“, so Pollex. Der Brandschutzbedarfsplan liefere eine schonungslose Sicht auf die vorhandenen Defizite. Insofern seien die Gemeinden nunmehr ganz offiziell in der Pflicht auch da etwas zu tun. Zu tun gibt es allerdings an vielen Stellen und es stellt sich dabei auch die Frage, ob sich die Defizite so einfach abschaffen lassen.

Süden des Amtsgebietes besonders betroffen

Besonders brenzlig ist offenbar der Süden des Amtsgebietes. Dort gibt es in den Woldegker Ortsteilen Grauenhagen und Göhren sozusagen einen „weißen Fleck“ in Sachen Brandschutz. „Der ist dort vor Ort nicht mehr gegeben“, sagt Amtswehrführer Pollex. Die Grauenhagener Feuerwehr hat sich schon vor Jahren aufgelöst und kann nicht einfach reaktiviert werden. „Was einmal weg ist, ist weg“, konstatiert Peer Pollex. Auch Amtsvorsteher Hans-Joachim Conrad bezeichnet die Auflösung der Wehr aus heutiger Sicht als einen Fehler. Die Wehr sei damals wegen der nicht mehr vorhandenen Tageseinsatzbereitschaft aufgelöst worden“. Das hätte eigentlich nicht passieren dürfen. Wieder eine neue Wehr zu gründen, hält der Amtsvorsteher für illusorisch. „Das wird nicht möglich sein“, der Brandschutz für Grauenhagen und Göhren müsse künftig über die Freiwillige Feuerwehr Woldegk realisiert werden. Ob im Brandfall dort die landesweit geforderte Eintreffzeit von zehn Minuten allerdings gewahrt werden kann, weiß Pollex nicht.

Ob die Eintreffzeit in 80 Prozent der Fälle eingehalten wird – so fordert es das Land – vermag der Amtswehrführer nicht zu sagen. Aus seiner Zeit sei das vor allem tagsüber problematisch, wenn nicht genügend Kräfte vor Ort seien.

In Rehberg soll ein neues Gerätehaus gebaut werden

Das Stichwort Tageseinsatzbereitschaft bildet ebenfalls ein wichtiges Thema im Brandschutzbedarfsplan für das Amt Woldegk. Auch hier gebe es große Defizite. Aus der Sicht von Peer Pollex sei es nach wie vor vonnöten, freiwillige Feuerwehrleute zu gewinnen, die vor Ort auch arbeiten würden. Dies seien etwa Gemeindearbeiter oder Angestellte einer Gemeinde oder Mitarbeiter von Betrieben.

Kein gutes Licht wirft der Feuerwehrbedarfsplan auf die Gerätehäuser der elf Freiwilligen Feuerwehren im Amtsbereich. Acht der Wehren würden eigentlich ein neues Domizil benötigen. Nur die Häuser in Woldegk und Holzendorf würden den Bestimmungen entsprechen. In den anderen Objekten sei häufig nicht einmal ein WC vorhanden. Selbst das erst nach 1990 errichtete Feuerwehrgerätehaus in Schönbeck sei nicht auf dem neuesten Stand. Immerhin, für Rehberg werde für dieses Jahr ein Neubau angestrebt, nachdem die Pläne, das alte Haus zu sanieren, sich als nicht umsetzbar erwiesen hatten.

In Sachen Technik gebe es ebenfalls großen Nachholebedarf. Zwar habe die Woldegker Feuerwehr im vergangenen Jahr ein neues Fahrzeug erhalten. Aber das älteste Fahrzeug im Amtsbereich stehe in Kreckow und stamme aus dem Jahr 1970.

Die Personalsituation sei ebenfalls angespannt. Es mangele an Nachwuchs, dies vor allem in den kleinen Gemeinden wie Voigtsdorf und Schönhausen, wo es ohnehin nur wenige Einwohner gebe. Mit jungen Leuten sei es schwierig, „du kannst dir keine backen“, sagt Amtswehrführer Peer Pollex.

Am Plan wird seit zwei Jahren gearbeitet

Verbessert habe sich die Situation bei den Löschwasserteichen, aus denen im Brandfall außer in der Stadt Woldegk das Wasser gezogen werden muss. „Hier haben wir nur noch bei den abseits gelegenen Gehöften eine schwierigere Situation“, verdeutlicht der Amtswehrführer.

An dem Brandschutzbedarfsplan für das Amt wird seit etwa zwei Jahren gearbeitet. Bei einer ersten Vorlage des Papiers im vergangenen Jahr habe es Nachbesserungsbedarf gegeben, sagte Amtsvorsteher Hans-Joachim Conrad. Für ihn ist das Papier zwar einerseits eine realistische Aufarbeitung der Situation im Brandschutz. Aber, fragt Conrad angesichts der finanziell sehr klammen Kommunen auch, „woher soll das Geld kommen?“ – etwa für die Anschaffung neuer Technik. Dennoch der Brandschutzbedarfsplan sei ernst zu nehmen – Brandschutz sei Daseinsvorsorge, diese besitze Priorität, so der Amtsvorsteher.

Aus der Einschätzung von Sebastian Buse, dem Wehrführer der Freiwilligen Feuerwehr Groß Miltzow stehe das Amt Woldegk mit den aufgelisteten Defiziten weder besonders gut noch besonders schlecht da.

Die Sitzung des Amtsausschusses beginnt heute Abend um 18 Uhr im Sitzungssaal der Stadt Woldegk, Am Karl-Liebknecht-Platz 2.