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Rätsel um Neustrelitzer Bunker gelöst

Die Bunkeranlage ist Ende der 50er-Jahre errichtet worden, sagte ein Nordkurier-Leser.
Die Bunkeranlage ist Ende der 50er-Jahre errichtet worden, sagte ein Nordkurier-Leser.
Marlies Steffen

Dieses Bauwerk war in Vergessenheit geraten. Keiner konnte sich an die Anlage erinnern, bis ein Wanderer zufällig auf den Bunker stieß. Und damit ein Stück Stadtgeschichte aufdeckte.

Der Bunker am Rande der Stadt sorgt für Gesprächsstoff. Nach der Veröffentlichung des Beitrags  „Ein Bunker im Wald und keiner weiß davon“ klingelte etliche Male das Telefon in der Nordkurier-Redaktion. Auch per Email gab es Resonanz. Und es gab jede Menge Aufklärung. So meldete sich sogar einer, der einst mit an dem Bunker baute – der Neustrelitzer Werner Sommerfeldt. Die Anlage sei von 1959 bis 1961 vom damaligen Kreisbauhof errichtet worden. Er selbst habe als Lehrausbilder dort mit Lehrlingen gearbeitet. Ursprünglich gehörten zu der Anlage auch zwei weitere Gebäude, die als Wachhäuschen dienten und heute nicht mehr existieren, erfuhr der Nordkurier. Nach der Erinnerung von Werner Sommerfeldt wurde der Bunker für die Einlagerung von Munition errichtet. Er sei monolithisch aus Beton konstruiert, nur der vordere Bereich sei gemauert. Werner Sommerfeldt sagt zudem, dass die Bunkeranlage für die Munitionslagerung bei der städtischen Polizei gebaut wurde.

In dieser Angelegenheit aber gehen die Meinungen der Anrufer auseinander. So meldete sich Nordkurier-Leser Wolfgang Telemann und Eduard Gorynia und auch Horst Scheubach. Sie alle sind der Meinung, dass der Bunker von der Bereitschaftspolizei genutzt wurde, die Ende der 50er-Jahre noch in der Kaserne in der Strelitzer Straße ihren Sitz hatte. Horst Scheubach hat den Bunkerbau sogar beobachtet, er hatte damals in der Nähe einen Garten, ließ er den Nordkurier wissen. Und er hat auch die Männer gesehen, die den Bunker bewachten.

Rund um die Uhr bewacht

Einer dieser Wachhabenden war Wolfgang Telemann. Die Anlage stand rund um die Uhr unter Aufsicht,  vier Polizisten standen für einen 24-Stunden-Dienst zur Verfügung. Der Bunker war zudem noch extra mit einem doppelten Zaun gesichert.

Im Jahr 1967 war das Kapitel Munitionslagerung und -bewachung abgeschlossen. Als Lehrling bei der Deutschen Post habe er noch die Telefonleitung abgebaut, erinnert sich Horst Scheubach.

Nordkurier-Leser Harald Thierbach hat ein anderes Kapitel der Bunkernutzung aufgeschlagen. In dem Bunkerraum hätten Polizisten unter Atemschutz Einsatzsituationen simuliert. Dazu seien Gaspatronen in das Innere geworfen worden.

In den 70er-Jahren dann offenbar noch ein neues Kapitel. Die Anlage wurde zu Lagerzwecken für medizinische Gase genutzt, berichteten der Mediziner Dr. Hartmut Kröger und der Apotheker  Erich Schleich. Hartmut Krüger verdeutlichte, dass die Gase als Reserve für die sogenannte Zivilverteidigung vorgehalten wurden, um im Krisenfall darauf zurückgreifen zu können. Erich Schleich, der zu dieser Zeit Apotheker in Neustrelitz war, erinnerte an die besonders stabilen Türen, mit denen der Bunker verschlossen wurde.

Türen sind längst weg

An die kann sich auch Dr. Hartmut Kröger erinnern. Die Türen sind indessen längst verschwunden. Kröger kann sich nicht vorstellen, dass die Türen so einfach und ohne Lärm – von wem auch immer verursacht – ausgebaut werden konnten.

Der Nordkurier hatte auf den Bunker, der sich hinter der Aral-Tankstelle befindet, aufmerksam gemacht. Nordkurier-Leser Holger Jandt hatte ihn entdeckt. Bekannt war die Anlage bis dahin weder bei der Stadt noch bei der Landes- oder Bundesforst. Jetzt gibt es Überlegungen, den Bunker zu entmüllen und ihn zu einem Fledermausquartier umzunutzen.