GEMEINDEFUSION

Woldegk will Petersdorf aus der Not helfen

Jahrelang glänzte Petersdorf bei Woldegk als eine der wenigen finanzstarken Gemeinden im Strelitzer Land. Doch damit ist es nun vorbei.
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Petersdorf könnte 2019 mit Woldegk fusionieren, wenn alles glatt läuft. 
Petersdorf könnte 2019 mit Woldegk fusionieren, wenn alles glatt läuft. Robin Peters
Woldegk.

Schon länger stand eine Fusion der Stadt Woldegk mit dem sechs Kilometer entfernten Petersdorf im Raum, nun könnte es 2019 zu einer Eingemeindung des Dorfes in die Stadt Woldegk kommen. Die Woldegker Stadtvertreter beschlossen auf ihrer jüngsten Sitzung einstimmig die Aufnahme von Fusionsgesprächen.

Hintergrund der Fusion ist, dass Petersdorf trotz guter Finanzlage auf Dauer nicht als selbstständige Gemeinde überleben könnte. Grund dafür ist, dass das Dorf zwar von hohen Gewerbesteuereinnahmen von sieben Windrädern und einer Biogasanlage im Ort profitiert, aber das Land Mecklenburg-Vorpommern deshalb Zuweisungen strich und die Amts- und Kreisumlage verdoppelt wurde. Geld, das Petersdorf nun fehlt und ins Minus rutschen ließ. Kredite und ein halb leerer Wohnblock belasten den Haushalt des Ortes zusätzlich.

Bürgermeister will 2019 aufhören

„Spätestens in drei Jahren wären wir pleite“, sagt der Petersdorfer Bürgermeister Hans-Jürgen Kozian. „Seit vergangenem Jahr sind wir im Minus und mussten schon 70.000 Euro aus der Rücklage nehmen. Das können wir noch dreimal machen, dann ist die Rücklage aufgebraucht.“

Gespräche mit Landes-Finanzminister Mathias Brodkorb (SPD) hätten laut Kozian nichts gebracht. „Ich kann nicht verstehen, dass das Land uns so mit dem Finanzausgleichsgesetz stranguliert“, sagt Kozian. „Es kann nicht sein, dass wir als eigentlich finanzstarke Gemeinde vor dem Ruin stehen“, so der Bürgermeister. „Ich hätte nie gedacht, dass uns die lukrativen Windräder mal so auf die Füße fallen.“

Deswegen wandte er sich an die Stadt Woldegk. „Ich tue das schweren Herzens, weil wer gibt schon gerne seine Selbstständigkeit auf.“ Seit 20 Jahren leitet der 75-Jährige die Amtsgeschäfte im Ort. Die Fusion soll eines seiner letzten großen Projekte werden, denn im kommenden Jahr will er in den Ruhestand gehen. „Ich möchte mir später nicht vorwerfen lassen, nichts unternommen zu haben“, so Kozian.

Beide Seiten haben was von der Fusion

Im Falle einer Fusion mit Woldegk will Kozian erreichen, dass Petersdorf die komplette Fusionsprämie des Landes in Höhe von 600.000 Euro erhält. „Damit wären wir dann für die kommenden zehn Jahre gerüstet“, so Kozian. Auch Woldegk würde seiner Meinung nach von einer Fusion profitieren. „Dadurch, dass die Stadt mit der Eingemeindung dann 150 Einwohner mehr hätte, würde sie durch die Schlüsselzuweisungen vom Land jährlich rund 150.000 Euro mehr bekommen. Dazu kämen die Gewerbesteuereinnahmen aus Petersdorf in ungefähr gleicher Höhe“, so Kozian.

Woldegks Bürgermeister Ernst-Jürgen Lode erklärte, dass die beiden Orte es durch eine Fusion leichter hätten, den geplanten Bau eines Radweges zwischen den Orten zu bauen. Bevor es zu den Gesprächen kommt, müssen nun aber noch die Petersdorfer Gemeindevertreter über die Aufnahme abstimmen. Eine Entscheidung soll am 15. November gefällt werden. Fusionen mit anderen Gemeinden in der Umgebung schließt Kozian aus. „Die nagen selbst alle am Hungertuch. Das würde uns nichts bringen.“

Sollten die Petersdorfer für eine Fusion stimmen und die Gespräche erfolgreich verlaufen, könnten die beiden Orte zur Kommunalwahl im Mai 2019 Hochzeit feiern. Petersdorf würde dann ein Ortsteil von Woldegk werden und seine Eigenständigkeit nach rund 720 Jahren Ortsgeschichte verlieren.

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