GENERAL DYNAMICS

Rüstungskonzern zieht von Woldegk nach Neubrandenburg

Der Rüstungskonzern General Dynamics verlässt den erst 2018 bezogenen Standort unweit von Woldegk und zieht nach Neubrandenburg. Schuld soll der nicht vorhandene Breitbandausbau sein. Woldegks Bürgermeister sieht das mit Sorge.
Marlies Steffen Marlies Steffen
Noch stehen die Türen von General Dynamicss in Oertzenhof bei Woldegk offen.
Noch stehen die Türen von General Dynamicss in Oertzenhof bei Woldegk offen. Marlies Steffen
Oertzenhof.

Nächste Ausfahrt Oertzenhof: Der Rüstungskonzern General Dynamics gibt seine erst im vergangenen Jahr bezogenen Standorte in Oertzenhof und Pasenow unweit von Woldegk auf, weil ihm die Datenautobahn dort zu langsam ist. Die Qualität der Internetanbindung sei bei Weitem nicht ausreichend, bestätigte eine Unternehmenssprecherin auf Nordkurier-Nachfrage.

Die Geschwindigkeit der Datenübermittlung in Oertzenhof und Pasenow liege bei 8 bis 10 MBit/s.„Jeder Mensch, der einen Computer besitzt, kann sich ungefähr vorstellen, wie wenig das ist”, verdeutlichte die Sprecherin. Eine größere Firma sei unter diesen Umständen nicht mehr arbeitsfähig. Die Vernetzung aller Standorte des Unternehmens aber müsse sichergestellt werden. Das Unternehmen General Dynamics European Land Systems agiert international, der Unternehmenssitz befindet sich in Madrid.

Neubrandenburg profitiert vom Rückzug

Profiteur der viel zu langsamen Datenautobahn im Woldegker Raum ist die Stadt Neubrandenburg. Auf die Betriebsstätten dort konzentriere das Unternehmen seine Aktivitäten. Neubrandenburg biete dieses Erweiterungspotenzial und die notwendige Internetanbindung auf ideale Weise, verdeutlicht die Unternehmenssprecherin.

Woldegks Bürgermeister Ernst-Jürgen Lode (SPD), der intensive Gespräche mit dem Unternehmen führte und es auch versuchte zu halten, sieht zwischenzeitlich wegen der fehlenden modernen Breitbandanbindung auch mit Sorge auf andere Unternehmen in der Windmühlenstadt und im Amtsbereich. Traditionsreiche Betriebe wie die RinderAllianz oder die Firma Woltec würden ebenfalls unter der mangelnden Qualität der Datenautobahn leiden.

„Im Grunde trifft es alle Betriebe, die auf größere Datenmengen angewiesen sind”, verdeutlichte das Stadtoberhaupt. Wie Lode dem Nordkurier am Mittwoch auch sagte, scheine sich nun wenigstens ein Start für den durch Bund und Land geförderten und schon lange im Gespräch befindlichen Breitbandausbau abzuzeichnen. In der kommenden Woche soll ein entsprechender Vertrag mit einem Auftragnehmer unterzeichnet werden. Für General Dynamics komme das jedoch zu spät.

Komplizierte Ausschreibung

Zur Erinnerung: Die Bundesrepublik Deutschland fördert mit einer Summe von rund vier Milliarden Euro bundesweit örtliche Projekte zum Aufbau eines flächendeckenden Internets mit einer Geschwindigkeit von mindestens 50 Mbit/s. Das Geld steht schon lange zur Verfügung, allerdings sind wegen der komplizierten Ausschreibungsverfahren, die teils sogar wiederholt werden mussten, bislang nur wenige Verträge zum Breitbandausbau zustandegekommen. Die Landkreise koordinieren diesen Ausbau und garantieren dem Bund gegenüber die Erreichung der Projektziele.

Für den Landkreis Mecklenburgische Seenplatte bestehen 18 Projektgebiete mit einer Gesamtfördersumme von Bund und Land in Höhe von rund 240 Millionen Euro. Mit der technischen Umsetzung beauftragt der Landkreis Unternehmen, die in europaweiten Ausschreibungen ausgewählt werden. Beim Landkreis wird davon ausgegangen, dass die Erschließung im Jahr 2022 abgeschlossen sein wird. Allerdings sind die Zahlen in den vergangenen Jahren mehrfach nach oben korrigiert worden. Informationen aus dem Landkreis zufolge werden für den Ausbau des Breitbandnetzes in der Seenplatte schätzungsweise 4000 Kilometer Tiefbauarbeiten vonnöten sein.

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