SEENPLATTE

▶ Wolf nähert sich Mädchen - jetzt soll er abgeschossen werden

Im Seenplatte-Kreis soll erstmals ein Wolf abgeschossen werden, weil er sich Menschen zu sehr genähert hat - unter anderem einem kleinen Mädchen. Eine Entscheidung steht noch aus.
Der Wolf ist auch in der Feldberger Seenlandschaft immer wieder ein Thema. Menschen sind solchen Tieren in den vergangenen Woc
Der Wolf ist auch in der Feldberger Seenlandschaft immer wieder ein Thema. Menschen sind solchen Tieren in den vergangenen Wochen mehrfach begegnet. Lino Mirgeler
Warnung vor dem Wolf: Solche Schilder haben keinen offiziellen Charakter. Sie stammen nicht von Behörden, sondern offenba
Warnung vor dem Wolf: Solche Schilder haben keinen offiziellen Charakter. Sie stammen nicht von Behörden, sondern offenbar von Privatleuten. privat
Feldberg ·

Im Landkreis Mecklenburgische Seenplatte ist erstmals ein Antrag auf „Entnahme eines Wolfes“ gestellt worden. Das hat Landkreissprecherin Haidrun Pergande dem Nordkurier bestätigt. Auslöser für den Antrag war demnach die Begegnung eines Menschen mit einem Wolf. Das Verfahren – es läuft bei der Naturschutzbehörde des Landkreises – ist indessen noch nicht abgeschlossen. Weiterführende Auskünfte gab es nicht.

Mädchen begegnet Wolf

Nordkurier-Informationen zufolge gab es die vom Landkreis angesprochene Begegnung in der Feldberger Seenlandschaft. Auf dem Radweg Hullerbusch-Wittenhagen soll ein Mädchen beim Fahrradfahren einem Wolf begegnet sein. Wie der Nordkurier auch erfuhr, hat ein Besucher einer Jagdschule unweit des Stieglitzenkruges ebenfalls einen Wolf gesichtet.

[Video]

Zwei Wolfsfamilien in der Feldberger Seenlandschaft

Der ehemalige Lüttenhagener Forstamtsleiter Klaus Borrmann bestätigte dem Nordkurier am Donnerstag, dass mittlerweile im Bereich der Feldberger Seenlandschaft zwei Wolfsfamilien unterwegs sind. Eine sei offenbar im Raum Lichtenberg heimisch, die andere – bereits bekannte – im Raum Neubrück unweit von Wokuhl. Borrmann warnte indessen vor Panik im Zusammenhang mit dem Wolf. Es gebe bis heute keinen echten Beweis, dass ein Wolf einen Menschen aus dem Nichts bedroht habe. Sollten sich Wölfe tatsächlich in Blickweite von Menschen begeben, handele es sich zumeist um neugierige Jungwölfe. Grundsätzlich sei der Wolf ein scheues Tier.

Made with Flourish

 

Wanderweg unter Beobachtung

Das Land selbst plant derzeit nicht von selbst die Tötung eines Wolfes. Hier seien keine Aktivitäten im Zusammenhang mit Wölfen, die wiederholt Nutztiere gerissen haben, vorgesehen, hieß es aus dem Schweriner Landwirtschaftsministerium auf Nordkurier-Nachfrage. Ministeriumssprecher Claus Tantzen bestätigte aber, dass der Wanderweg, an dem es zu dem Sicht-Kontakt von Mensch und Raubtier gekommen war, jetzt unter besonderer Beobachtung steht. Der zuständige Jäger habe das Monitoring übernommen und eine Wildkamera wurde installiert.

Politische Entscheidung gefragt

Klaus Borrmann als ehemaliger Forstamtsleiter macht vor dem Hintergrund der Entwicklung der Wolfspopulation in Mecklenburg-Vorpommern grundsätzlich deutlich: „Es ist notwendig, den Bestand zu regulieren.“ Die Zeit sei reif für eine politische Entscheidung darüber, dass der Wolf auch abgeschossen werden könne.

Bislang ist der Abschuss des unter strengem Naturschutz stehenden Wolfes nur im Ausnahmefall und mit vorliegender Genehmigung gestattet.

Schilder stammen nicht von Behörden

Indessen sind in der Feldberger Region auch wieder Schilder entdeckt worden, auf denen vor einem „Wolfsgebiet“ gewarnt wird. Dies beispielsweise zwischen Cantnitz und Schlicht. Diese Schilder sind nicht von einer Behörde aufgestellt, macht Ministeriumssprecher Claus Tantzen deutlich. Die Hinweistafeln würden häufig von besorgten Bürgern angebracht. Klaus Borrmann hält die Schilder für wenig geeignet im Umgang mit dem Wolf. Sie würden nur für zusätzliche Unruhe sorgen. Die Verhaltensregeln, die auf dem Schild formuliert sind, würden zudem grundsätzlich gelten.

Made with Flourish

 

Stadt. Land. Klassik! - Konzert in Feldberg

zur Homepage

Kommentare (4)

Also nicht, dass der Wolf getötet werden soll - das ist Ansichtssache.

Der Begriff Entnahme ist so ein richtig deutscher Begriff, um das Faktum, den Tod des Tieres, so technisch wie möglich zu halten.

Die deutsche Systemlehre der Regelungstechnik. Da wird nix erschossen, gelyncht oder vergast, sondern mal was entnommen, um die Lagebeziehung zu T0 mit rekursiven Restrukturalisierungsmaßnahmen zu sublimieren.

Wir haben es immernoch drauf.

"Borrmann warnte indessen vor Panik im Zusammenhang mit dem Wolf. Es gebe bis heute keinen echten Beweis, dass ein Wolf einen Menschen aus dem Nichts bedroht habe. Sollten sich Wölfe tatsächlich in Blickweite von Menschen begeben, handele es sich zumeist um neugierige Jungwölfe. Grundsätzlich sei der Wolf ein scheues Tier."

Es gibt genügend Beweise dass Wölfe Menschen angreifen. https://en.wikipedia.org/wiki/List_of_wolf_attacks
Im Mittelalter wurden sehr viele Kinder von Wölfen verschleppt, das ist kein Märchen, sondern wissenschaftlich belegt.
Und nein: der Wolf ist kein scheues Waldtier, er war immer schon ein Kulturfolger. Wir erleben ja gerade wie er sich den Menschen immer mehr nähert. Er meidet nur dann den Kontakt mit Menschen wenn er bejagt wird.

Man merkt, dass die Wahlen ins Haus stehen. Wer öffentlich Panik gegen Flüchtlinge schürt, kriegt zu recht offiziell und öffentlich was auf die Finger - beim Wolf kann man sich dagegen völlig unsanktioniert so richtig austoben und versuchen, noch ein paar Unentschlossene oder Ängstliche zu verunsichern, denen es an praktischer Erfahrung mit Wölfen, viel mehr aber noch mit einer Klientel von Menschen fehlt, die den Wölfen um jeden Preis an den Pelz will.

"Im Mittelalter wurden sehr viele Kinder von Wölfen verschleppt, das ist kein Märchen, sondern wissenschaftlich belegt."

Genau sowas meine ich. Es ist nicht mal wissenschaftlich belegt, sondern die Plausibilität wurde wissenschaftlich untersucht und eingeordnet.

Erstens leben wir heute nicht mehr im Mittelalter, obwohl ich mir bei so manchen Menschen da nicht so sicher bin. Individuen können ja auch mental im Mittelalter gefangen sein, aber das kann nicht Grundlage für rationale politische Entscheidungen sein.

Weder gab es im Mittelalter Elektrozäune noch DNA-Analyseverfahren, die bloße Behauptungen auch entsprechend abgesichert hätten. Kinder haben allein das Vieh im Wald gehütet, die Tollwut war weit verbreitet und es gab Kriege und Seuchen, damals ohne Intensivstationen und High-Tech-Beatmungsmaschinen. Alles Voraussetzungen, die heute nicht mehr gegeben sind. Und an Verhaltensbiologie hat da auch noch niemand gedacht; Tieren wurden einfach menschliche Eigenschaften unterstellt und umgekehrt - siehe Hexenverbrennungen und der Umgang mit vermeintlichen "Werwölfen".

Aus einem Interview mit dem Wolfswissenschaftler Luigi Boitani:

"In Finnland ist die Angst vor Wölfen ebenfalls weit verbreitet. Im vergangenen Jahr haben wir finnische Teilnehmer einer Artenschutzkonferenz gefragt, woher das kommt. Sie sagten, in Finnland sei jemand von Wölfen getötet worden. Wir fragten, wie lange das her sei. Ihre Antwort: etwa 400 Jahre."

(Quelle: Luigi Boitani, SPIEGEL-Print-Ausgabe 16/2015 vom 11.04.2015: "Nicht wegrennen!", Seite 108).

Der norwegische Biologe John Linnell vom Institut für Naturforschung in Trondheim und Mitautor des bekannten Linnell-Reports über Wolfsangriffe, im Interview:

"In Europa hat es in den letzten 40 Jahren keine tödlichen Wolfsangriffe auf Menschen gegeben", sagt der Forscher, der 2002 für die in Fachkreisen "Linnell-Report" genannte Studie Wolfsattacken der vergangenen 450 Jahre auf Menschen ausgewertet hat. [...] "Politiker und Wolfsgegner machen den Menschen Angst, um sie zu manipulieren", so der Wissenschaftler. "Das ist zynisch und schmutzig, aber der Trick wird oft angewandt, einfach weil er so gut funktioniert."

(Quelle: Spiegel-Ausgabe 10/2018: "Gefährliche Märchen" von Julia Koch, Seite 104-105).

Weder macht eine Bejagung Wölfe "scheu", noch kann sie verhindern, dass sich Mensch und Wolf begegnen. Schweden ist das beste Beispiel dafür.

"Eine häufig vertretene Meinung ist, dass Wölfe in unbejagten Populationen früher oder später ihre Vorsicht gegenüber dem Menschen verlieren und in Konsequenz für den Menschen gefährlich werden. Dafür gibt es keinen wissenschaftlichen Beleg. Es gibt keine Hinweise darauf, dass Wölfe in der Kulturlandschaft gefährlicher sind als ihre Artgenossen, die in menschenleeren Gebieten leben oder bejagt werden. [...] Die wenigen nach 1950 aus Europa bekannten Fälle, in denen nicht tollwütige wilde Wölfe Menschen getötet haben, geschahen in einer bejagten Population (Spanien)."

(Quelle: Bundesamt für Naturschutz: Konzept zum Umgang mit Wölfen, die sich Menschen gegenüber auffällig verhalten - Empfehlungen der DBBW -, Seite 14).

Manch uninformierte Wolfshasser sind offenbar nicht in der Lage, zwischen einer Sichtung eines Wolfes und einem Angriff durch einen Wolf zu unterscheiden. Man kann nur hoffen, dass sich die zuständige Behörde an das EU-Recht hält und nicht aufgrund einiger "Zeugenaussagen" Wölfe töten lässt, die offensichtlich nicht in der Lage sind, Wolfsverhalten kompetent einzuordnen.

Neben dem angeblichen Mädchen sind laut Artikel ja ein Jagdschüler und ein Jäger sowie ein weiterer Jäger (Forstamtsleiter) involviert, der Wolfsbestände nach eigenen Angaben "reguliert", sprich bejagt, sehen will.

Und da sollten den zuständigen Behörden vielleicht nochmal näher hinschauen:

"Jäger sind gemessen an der Gesamtbevölkerung in Deutschland eine sehr kleine Gruppe. [...] Das heißt, 99,6 % der Bevölkerung sind Nichtjäger.[...] Die Einstellung gegenüber Wölfen ist bei dieser Interessensgruppe negativ ausgeprägt, im Gegensatz zum Rest der Bevölkerung, die positiv eingestellt ist. [...] Dabei wurde deutlich, dass Jäger und Jagdrechtsinhaber [...] den Jagdwert ihrer Reviere durch die Wölfe geschmälert sehen. Sie befürchten, der Jagdertrag würde geringer, der Erlebniswert beeinträchtigt, die Jagd schwieriger, manche Wildart fast oder gänzlich ausgerottet. [...] Dabei stehen häufig finanzielle Erwägungen im Vordergrund."

(Quelle: Bundesamt für Naturschutz: Leben mit Wölfen Leitfaden für den Umgang mit einer konfliktträchtigen Tierart in Deutschland, BfN-Skript 201, 2007, Seite 91-92).

"Über die Hälfte der [...] befragten Jäger glaubt offenbar nicht, dass sich ihre jagdlichen Vorstellungen mit der Anwesenheit einer Wolfspopulation vereinbaren lassen (GÄRTNER & HAUPTMANN 2005). Der Wolf stellt das Selbstverständnis der Jäger in Frage. Jäger reklamieren für sich, dass sie in der Kulturlandschaft die verloren gegangenen Beutegreifer ersetzen müssen. Sie leiten daraus ab, dass die Jagd eine wichtige Funktion bei der Kontrolle des Schalenwildes erfülle. Die Rückkehr der Beutegreifer führt zu einer deutlichen Verunsicherung nicht nur bei der Basis."

(Quelle: Bundesamt für Naturschutz: Leben mit Wölfen, Leitfaden für den Umgang mit einer konfliktträchtigen Tierart in Deutschland, BfN-Skript 201, 2007, Seite 96).

In Niedersachsen wurde das jüngst von in der Politik engagierten Jägern recht deutlich kommuniziert:

"Die Jagden sollen wertvoll bleiben. Dabei störe der Wolf empfindlich. Wo er auftritt, reißt er unter anderem Schalenwild, Schwarzwild und Hirsche. Ein Dilemma für Jagdbesitzer, weil sich das auf die Wildbestände auswirkt, die im Normalfall von Jagdpächtern geschossen werden können. So sinke der Wert der Gebiete – für die Pacht genauso wie für die Wiederveräußerung. „Das ist auch ein Stück weit Enteignung“, so Ehlen."

(Quelle: Rotenburger Rundschau, 24.05.2019: "Ehlen, Dammann-Tamke, Wildtier: CDU Sottrum lädt zur Diskussionsveranstaltung - Wolf ja, aber ...")

Dabei steigen die Schalenwildstrecken koninuierlich, obwohl die Wölfe seit 20 Jahren zurück sind in Deutschland.
Soviel zu echten und gefühlten Fakten, insbesondere einer kleinen Klientel.

Und wie bekommt man nun eine mehrheitlich wolfsfreundliche und jagdkritische Bevölkerung dazu, den an und für sich sinnfreien Abschuss von Wölfen - abgesehen von der reinen Jagd- und Tötungslust der Wolfsschützen - gesetzlich zu legitimieren? Man macht ihnen Angst und benutzt hilflose, kleine Kinder für die eigenen Interessen!

"Anfang Februar bezeugte der Deutsche Bundestag die Geburt eines modernen Fabelwesens: Die Rede war vom neuen bösen Wolf, jenem blutrünstigen Geschöpf, das nicht Rotkäppchen und Großmutter, dafür aber kleine Jungs und Mädchen auf dem Schulweg und im Kindergarten verschlinge." (Quelle: DER SPIEGEL 10/2018 vom 03.03.2018, Seite 104-105).

Oder noch deutlicher: Die Bevölkerung soll mit PR-Strategien und Angstmache "geistig umgedreht" werden, damit sich Jäger ihre Jagdträume vom Wolfsabschuss im eigenen Land erfüllen können.

„80 Prozent der Bevölkerung sind für den Schutz des Wolfes. Die müssen wir geistig umdrehen.“ Denn erst wenn Wölfe auch für Freizeitsportler, Touristen und Erholungssuchende eine Gefahr werden, könne ein Umdenken einsetzen. „Wir müssen der Bevölkerung ein Problem machen“ [...]. Dafür sollten Viehhalter und Bauernstand eine PR-Maschinerie in Gang setzen."

(Quelle: Tiroler Tageszeitung, 01.06.2018: Wolf mit PR-Maschinerie bekämpfen)

Was ist mit den Kampfhunden die immer noch überall in Deutschland gehalten werden? Meistens sehen die Besitzer nicht gerade so aus , als ob sie alles im Griff haben! Von einem Wolf ist noch kein Mensch in Deutschland tot gebissen werden, von Kampfhunden schon