Tourismus
Wustrow beschließt Kurabgabe für Touristen

Seit Jahren zieht es viele Urlauber nach Wustrow.
Robin Peters

Mit den Einnahmen einer Kurabgabe will die Gemeindevertretung künftig Investitionen in den Tourismus bezahlen. Der Beschluss sorgt für erhitzte Diskussion in Wustrow.

Der jüngste Beschluss im beliebten Urlaubsort Wustrow hat einige Bürger regelrecht vor den Kopf gestoßen: Bürgermeister Heiko Kruse (CDU) musste einer empörten Einwohnerin sogar mit vorgehaltenem Papier beweisen, dass der Punkt wirklich auf der Tagesordnung der Sitzung stand.

Denn als Vorreiter in der Kleinseenplatte hat die Wustrower Gemeindevertretung nun die Einführung einer Kurabgabe beschlossen. „Der Aufwand für alle weiteren Schritte ist sehr hoch“, begründete Kruse den Vorstoß. Der Satzungsentwurf benötige nämlich unter anderem eine kostspielige Kalkulation. Daher sei eine frühe Entscheidung unumgänglich gewesen.

„Der Satzungsentwurf steht auf rechtlich sicheren Füßen“, versichert Enrico Hackbarth, Chef der Touristik GmbH. Mit den Einnahmen könne die Gemeinde teilweise ihre Investitionen in den Tourismus decken. Schließlich sei die rund 700-köpfige Gemeinde sonst allein auf eine Pro-Kopf-Finanzierung angewiesen. Durch die Anschaffung eines Computerprogramms würden anfangs zwar zusätzliche Kosten entstehen – aber viele Hotels und Campingplätze bestünden auf einer Abwicklung mittels Software.

Wofür sollen Gäste die Abgabe zahlen?

„Wir haben nichts in der Gemeinde, wofür der Gast eine Kurabgabe bezahlen würde“, kritisierte wiederum Gemeindevertreter Steffen Hofmann (Grüne). Der Ort müsse wenigstens eine Gegenleistung erbringen, bevor er zusätzliches Geld verlange. „Viele kommen hierher, gerade weil es ruhig ist“, hielt Christel Malinowski, Stellvertretende Bürgermeisterin von Wustrow, dagegen.

Zudem würden die Urlauber einen Großteil des Mülls sowie der Schäden auf den Wegen verursachen – die aufwendige Instandhaltungsmaßnahmen nötig machen würden. „Dafür kann man eine Gegenleistung verlangen.“

Die Stellvertretende Bürgermeisterin brachte allerdings die Frage auf, ob sich auch ein einzelner Ortsteil gegen die Kurabgabe entscheiden könnte. Hackbarth zufolge lassen sich die Einnahmen durchaus auf die einzelnen Ortsteile herunter rechnen, sodass diese Option der Gemeindevertretung freistehe.

Widerstand gegen die Kurabgabe

Ein weiterer Streitpunkt: die Bereitstellung von Toiletten. Touristik-Chef Hackbarth schlug daher sogleich das Konzept der „netten Toilette“ vor – bei dem Läden und Lokale auch fremden Besuchern ihre Örtlichkeit zur Benutzung anbieten. „Der Gastronom könnte Geld dafür bekommen“, ergänzte Bürgermeister Kruse.

Gegen die Einführung einer Kurabgabe hatte sich in der Mecklenburgischen Kleinseenplatte im Vorfeld bereits Widerstand formiert. So entstand unter anderem ein „Verein zur Förderung des Tourismus in der Mecklenburgischen Kleinseenplatte“, der das Vorhaben als „wirtschaftsschädlich“ bewertete.