Das Asbestdach der Feldsteinscheune wurde heruntergenommen, die Mauern auf die Hälfte ihrer ursprünglichen Höhe
Das Asbestdach der Feldsteinscheune wurde heruntergenommen, die Mauern auf die Hälfte ihrer ursprünglichen Höhe gekürzt. So entstand ein geschützter Hof, in dem Wein und Lavendel üppig sprießen. Heike Sommer
Kaukasischen Beinwell hat Jürgen Krämer in seinem Garten vereinzelt. Die Pflanzen sollen im Herbst um die Jahn-Kapel
Kaukasischen Beinwell hat Jürgen Krämer in seinem Garten vereinzelt. Die Pflanzen sollen im Herbst um die Jahn-Kapelle als Bodendecker gepflanzt werden. Heike Sommer
Leuchtend blau strahlt dieser Tage der Scheunenhof in Klein Vielen. Wo einst Schafe im Winterquartier standen, herrscht jetzt
Leuchtend blau strahlt dieser Tage der Scheunenhof in Klein Vielen. Wo einst Schafe im Winterquartier standen, herrscht jetzt mediterrane Sommerfrische. Jürgen Krämer
Landlleben

Zwei Gartenfreunde aus Berlin und der irre Duft von Lavendel

Die Provence liegt in Klein Vielen vor der Haustür. Wo einst Schafe unterm Asbestdach überwinterten, leuchtet Lavendel. Wein überrankt Mauern. Und zwei Männer haben ihren Platz gefunden.
Klein Vielen

Als Jürgen Krämer 1997 das erste Mal nach Klein Vielen kam, war er auf der Suche nach einer Lagerhalle für seine Tischlerei in Berlin-Kreuzberg. „Eine Schnapsidee“, sagt er heute. Dass er dennoch die 30 Meter lange und zwölf Meter hohe Feldsteinscheune erwarb, hatte weniger mit ökonomischem Kalkül, als mit Liebe auf den ersten Blick zu tun. „Der Blick aus dem Scheunentor auf die Hügellandschaft war überwältigend“, sagt er. Keinen Tag habe er diese Herzens-Entscheidung bereut.

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Statt Reisen in die Welt viel Arbeit in Mecklenburg

In den vergangenen 25 Jahren haben er und sein Partner ein Refugium sondergleichen geschaffen. „Während unsere Kreuzberger Freunde in der Welt unterwegs waren, kamen wir jedes Wochenende nach Klein Vielen und haben Steine geschleppt, Bäume gepflanzt, Wege angelegt, Wände verputzt, Zäune gesetzt“, sagt er. Jürgen Krämer kann sich das Reisen sparen, denn die Provence liegt nun vor seiner Haustür. Da, wo früher Getreide gelagert und später Schafe ihr Winterquartier hatten, blüht heute Lavendel.

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Im ersten Jahr wurde die Streuobstwiese angelegt

Schon recht früh war den beiden Männern aus Berlin klar, dass die 600 Quadratmeter große Scheune in ihrer ursprünglichen Form kaum zu bewirtschaften war. „Für Wohnzwecke war sie viel zu groß“, sagt der Tischler. Ohnehin war Klein Vielen anfangs nur als Wochenend- und Sommersitz geplant. In einem Bauwagen nahmen die beiden Enthusiasten zum Schlafen Quartier. Denn auf dem einen Hektar großen Grundstück, das an die Scheune grenzt und auf dem früher Kühe weideten, war mehr als genug zu tun. Gleich im ersten Jahr legten die beiden eine Streuobstwiese an. Quadratmeter für Quadratmeter gestalteten sie das abfallende Gelände zu einem parkartigen Garten um, der einen atemberaubenden Blick in die Landschaft gewährt. Das Trafohaus am Ostgiebel der Scheune erwies sich bald als ein ideales Domizil. „Es hat eine Grundfläche von zwei mal zwei Meter, das reicht für ein Bett. Auf drei Etagen, die über eine Feuerleiter zu erklimmen sind, haben wir Raum für Schlafen, Kochen und Wohnen geschaffen“, sagt Jürgen Krämer.

Der Plan: ein ummauerter Hof und ein Wohnturm

2002 fassten er und sein Partner den Entschluss, aus dem Provisorium eine winterfeste Bleibe zu machen. „Wir hatten in der Zwischenzeit viele Pläne geschmiedet. Der Turm in der Scheune ist es dann geworden“, sagt er. Kaum eine Bank konnte sich für die kühne Idee erwärmen, eine Feldsteinscheune zu einem ummauerten Hof samt quadratischem Turm umzubauen. Die Sparkasse Neustrelitz hingegen traute den beiden Berlinern das Vorhaben zu.

Engagement in der Gemeinde

So wurde schließlich die Feldsteinscheune um die Hälfte in der Höhe gekürzt, das Asbestdach mit der Holzkonstruktion entsorgt. Die Ziegelsteine hingegen wurden in dem Wohnturm verbaut. „Wir haben12 000 Steine abgeklopft und den kompletten Innenausbau selber gemacht“, sagt Jürgen Krämer. Der einstige Scheunen-Fußboden, der aus Lehm gestampft ist, erwies sich als idealer Standort für Lavendel. „Die Bepflanzung ist pflegeleicht. Im Spätsommer werden die Blüten abgeschnitten, Ende Februar gibt’s einen Verjüngungsschnitt“, sagt Jürgen Krämer, dem im Garten kein Handgriff zu viel ist. „Das schafft eine unglaubliche Verbindung zum Land“, sagt er. Gerade ist Krämer dabei, Ableger des kaukasischen Beinwells einzutopfen – 500 Stück. „Die werden im Herbst um die Jahn-Kapelle gepflanzt“, sagt er. Für die Restaurierung des neugotischen Sakralbaus in Klein Vielen hat sich der Tischler im Förderverein stark gemacht. Die Maßfenster in der Turmlaterne und das Rosenkreuz stammen von ihm.

Vor drei Jahren brachen er und sein Partner die Zelte in Berlin ab und zogen endgültig nach Klein Vielen.

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