Alkohol-Studien

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Wie gefährlich ist das Feierabendbier wirklich?

Dem Ernährungswissenschaftler Nicolai Worm zufolge sind 20 bis 25 Gramm Alkohol pro Tag für Frauen und 30 bis 35 Gramm für Männer „im Durchschnitt wahrscheinlich eine sehr sichere Menge“.
Dem Ernährungswissenschaftler Nicolai Worm zufolge sind 20 bis 25 Gramm Alkohol pro Tag für Frauen und 30 bis 35 Gramm für Männer „im Durchschnitt wahrscheinlich eine sehr sichere Menge“.
Roland Weihrauch

Einer Studie zufolge sind bereits geringe Mengen Alkohol schädlich. Müssen jetzt alle auf ihr Feierabendbier oder das Glas Wein zum Essen verzichten?

„Schon mäßiger Alkoholkonsum verkürzt das Leben!“ Diese Meldung geisterte vor einigen Wochen durch die Medien. Andere Studien sagen: Alles halb so schlimm – in Maßen genossen hat Alkohol sogar Vorteile. Ist es nun also gesund oder ungesund, ein oder zwei Feierabendbierchen zu trinken?

Kann man pauschal nicht sagen, so der Münchener Ernährungswissenschaftler Nicolai Worm. Moderne Studien berücksichtigten zwar auch den Lebensstil eines Menschen, also Faktoren wie das Körpergewicht, körperliche Aktivität, Schlafdauer oder Ernährung. Die Wirkung von Alkohol auf den Körper hänge aber auch von der Genetik ab – und da sei jeder anders, sagte Worm dem Nordkurier.

Das bestätigt auch Manfred Singer, der Vorstandsvorsitzende der Stiftung Biomedizinische Alkoholforschung. Wichtig sei zudem die Menge, die man über das ganze Leben verteilt trinke. Es mache einen Unterschied, ob man über 20 bis 30 Jahre täglich zwei Bier trinke oder nur ab und zu zum Essen. So könne es beim täglichen Alkoholgenuss bereits nach rund einem Monat zu einer Leberverfettung kommen, so Singer weiter.

WHO empfiehlt maximal 20 Gramm Alkohol pro Tag

Bei Studien zu den Auswirkungen von Alkoholkonsum komme es auch immer auf die Vergleichsgruppe an, so Worm weiter. Vergleiche man jemanden, der gelegentlich etwas trinke, mit einem Abstinenzler habe ein Gelegenheitstrinker beispielsweise ein geringeres Risiko, an Herz-Kreislauf-Erkrankungen zu sterben. Ein „klein wenig Alkohol“ habe im Durchschnitt eine positive Wirkung auf den Cholesterinspiegel, mache den Körper sensibler für Insulin, senke die Entzündungsneigung und den Blutdruck. Das sei unter anderem auf die sekundären Pflanzenstoffe in Bier und Wein zurückzuführen, die in Schnaps und anderen hochprozentigen Getränken nicht enthalten seien.

Die Vorteile resultierten aus einer für viele Menschen allerdings „enttäuschend geringen Menge“ von etwa einem halben Liter Bier oder einem viertel Liter Wein pro Tag. Worm zufolge sind 20 bis 25 Gramm Alkohol pro Tag für Frauen und 30 bis 35 Gramm für Männer „im Durchschnitt wahrscheinlich eine sehr sichere Menge“.

Singer verweist auf die Werte der Weltgesundheitsorganisation, nach denen das geringste gesundheitliche Risiko bei 20 Gramm Alkohol pro Tag für Männer bestehe. Für Frauen gelte die Hälfte. „Die Zahlen sind wunderbar und schön“, sagte Singer. Allerdings würden sie oft nur von gesundheitsbewussten Menschen wahrgenommen. „Schön wär‘s, wenn die Leute heute weniger trinken würden, sich an diese Richtlinie halten würden“, bedauert der Mediziner. „Alkohol ist ein Genussmittel, das häufig missbraucht wird.“

Alkohol ab einer gewissen Menge krebsfördernd

60 Prozent der Deutschen tränken zu viel. Singer empfiehlt, „auf jeden Fall zwei Tage in der Woche mit klarem Kopf ins Bett zu gehen“. Wenn man trinke, gehe man immer ein Risiko ein, so der Alkoholforscher. Bei Frauen bestehe bereits ab einem achtel Liter Wein ein Brustkrebs-Risiko. „Das ist aber nur ein Risiko, das heißt nicht, dass man auch Brustkrebs bekommt“, sagte Singer.

Auch der Ernährungswissenschaftler Worm warnt: Ab einer gewissen Dosis seien Alkohol beziehungsweise seine Abbauprodukte im Körper krebsfördernd und bärgen weitere Risiken, beispielsweise für die Leber. „Daran gibt es nichts zu drehen.“ Bei bereits bestehenden Krankheiten und bei Schwangerschaft gelte eindeutig: „Finger weg vom Alkohol“, betont Worm. Er halte jedoch nichts davon, „den Leuten zu vermiesen, ein Glas Wein zum Abendessen zu trinken“.

Kommentare (2)

mit einem alkoholfreien Feierabendbier? Ist gerade ganz stark im Kommen. Gesünder geht es nicht.

Rauchen verursacht Krebs, von Schokolade wird man fett, Diesel fahren ist auch nicht mehr in Mode. Wenn jetzt Sex auch noch gesundheitsgefährdend ist, kann man sich auch gleich nen Strick nehmen. Die Dosis macht bekanntlich das Gift.