Flaschen werden knapp

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Großer Bierdurst lässt Pfandvorräte schwinden

Die Sprache der Wikinger-Dänen kennt angeblich ein eigenes Wort für die "Angst vor Bierknappheit". Es lautet: Olfrygt. Zur Fußball-WM im Nordosten muss diese Sorge niemanden umtreiben, obwohl der Absatz stark gestiegen ist.
Die Sprache der Wikinger-Dänen kennt angeblich ein eigenes Wort für die „Angst vor Bierknappheit”. Es lautet: Olfrygt. Zur Fußball-WM im Nordosten muss diese Sorge niemanden umtreiben, obwohl der Absatz stark gestiegen ist.
Oliver Killig

Die Hitze und die Fußball-WM bringen die Brauer ins Schwitzen. Wegen des großen Durstes steigen die Absätze und die Flaschen werden knapp. Die gebeutelte Branche ist für diese Entwicklung aber durchaus dankbar.

Man hatte schon mit so etwas gerechnet bei der Hanseatischen Brauerei Rostock („Rostocker”): Wie Alexander Köthe vom Marketing des zur Radeberger-Gruppe gehördenden Utnernehmens sagt, habe man dank „guter Abfüllplanung” und eines „vorausschauenden Leergutmanagements” sowohl Lieferunfähigkeiten vermeiden als auch Absatzspitzen abfedern können. Und er folgert: „Mit dem bisherigen Verlauf unseres Jubiläumsjahres '140 Jahre Rostocker' sind wir zufrieden.” Insgesamt bestätigen aber alle Brauer im Land, dass derzeit mehr Flaschen ausgegeben werden, als Leergut zurückkommt – wie immer, wenn der Absatz hoch ist. Das Problem gilt nicht nur für Bier, sondern auch für Mineralwasser in Mehrweg

Allerdings kann das Sommerhoch, das derzeit auch die übrigen Brauereien im Land verzeichnen, die gesamte Branche nicht über die allgemeine Absatzkrise hinwegtrösten: „Das das Bierjahr endet erst am 31. Dezember – und bis dahin haben die deutschen Brauer sicherlich noch die eine oder andere Herausforderung vor sich”, gibt Köthe zu bedenken. „Die Fußball-Weltmeisterschaft kann dabei einige Sondereffekte bringen, wenn die deutsche Mannschaft im Turnier bleibt. Entscheidender ist jedoch eine schöne und möglichst lange Sommerperiode.” Deutschlandweit sinkt der Bierabsatz seit Jahren. Im vergangenen Jahr setzten die Brauer mit 93,5 Millionen Hektoliter wieder etwas weniger als im Vorjahr ab, was ihnen zufolge aber auch am vergleichsweise miesen Sommer lag. Hinzu kommen kritische Studien, die Alkoholkonsum generell in Frage stellen.

„Müssen uns strecken, um der großen Nachfrage nachzukommen”

Von dem kann in diesem Jahr bekanntlich bislang keine Rede sein: „Tatsächlich hat alle Getränkehersteller der ungewöhnlich frühe Sommereinbruch etwas überrascht”, sagt Christoph Boneberg, Pressesprecher bei der Carlsberg Deutschland GmbH, die auch Lübzer Bier herstellt. Dieser habe zur Folge, dass eine größere Nachfrage nach den Produkten geherrscht habe, als dies normalerweise im Mai und Anfang Juni der Fall sei. „Wir müssen uns strecken, um der großen Nachfrage nachzukommen”, betont Boneberg.

Bei der Brauerei in Lübz ist fehlendes Leergut derzeit kein Problem. Andere Produzenten haben aber damit zu kämpfen, dass die Menschen wegen des heißen Wetters mehr Getränke einkaufen und die leeren Flaschen sowie Kisten nicht gleich wieder zurückbringen. Diese Pfandbehälter stehen dann nicht für eine Befüllung zur Verfügung.

Störtebeker: „Leider ein hausgemachtes Problem”

Nach Einschätzung der Störtebeker Braumanufaktur GmbH ist die Situation der knappen Pfandflaschen „leider ein hausgemachtes Problem” der deutschen Brauwirtschaft. „Vermehrt setzen große Brauereien auf Individualflaschen, die den Nachteil haben, dass sie nur von der ausgebenden Brauerei benutzt werden können und deshalb aufwendig deutschlandweit zurücktransportiert werden müssen”, gibt Unternehmenssprecherin Elisa Raus zu bedenken.

Die Störtebeker Braumanufaktur setzt nach eigenen Angaben auf klassische Mehrweg-Pool-Glasflaschen, welche von allen Brauereien genutzt werden können. „Dadurch haben wir derzeit nicht so starke Probleme mit fehlendem Leergut”, sagt die Sprecherin. Nichtsdestotrotz zeige sich die Situation angespannt. „Die Nachfrage ist in den vergangenen Wochen durch das sonnige Wetter sprunghaft angestiegen.” Insbesondere die Nachfrage an besonderen Spezialitäten- und Genussbieren nehme deutschlandweit zu – ein Trend, der für die Stralsunder Brauerei aber gut ist, weil sie auf eben diese Spezialbiere setzt.

Besonders große Steigerung bei alkoholfreien Bieren

Im Trend bei den Verbrauchern liegen auch alkoholfreie Biere. Bei Temperaturen um die 30 Grad Celsius habe es einen „regelrechten Run” auf diese Produkte gegeben, da viele bei solch heißen Temperaturen auf Alkohol verzichten wollten, sagte Raus.