WISSENSFESTIVAL

Leichenwagen-Corso auf der Domjüch

Die ehemalige Irrenanstalt am Domjüch-See in Neustrelitz öffnete ihre Tore für Leichenwagenkutscher, Gothic-Fans oder einfach Neugierige.
Ralph Schipke Ralph Schipke
Rund 25 Leichenwagen waren aus ganz Europa angereist. Ein Höhepunkt war der Leichenwagen-Korso.
Rund 25 Leichenwagen waren aus ganz Europa angereist. Ein Höhepunkt war der Leichenwagen-Korso. Ralph Schipke
Rund 25 Leichenwagen waren aus ganz Europa angereist. Ein Höhepunkt war der Leichenwagen-Korso.  Foto: Ralph Schipke
Rund 25 Leichenwagen waren aus ganz Europa angereist. Ein Höhepunkt war der Leichenwagen-Korso. Ralph Schipke
Neustrelitz.

„Friedhofsflüsterin“ Anja Kretschmer und der Verein zum Erhalt der Domjüch hatten gemeinsam eingeladen. Und Leichenwagenkutscher, Gothic-Fans oder einfach Neugierige und Interessierte reisten an, auf das morbid-idyllische Areal im Südosten von Neustrelitz.

Auch wenn sich eigentlich alles um Tod und Sterben drehte, nahm das durchaus lebhafte Völkchen Besitz von den schaurig-schönen Gebäuden und der Wiese am Seeufer. Im „Frauen 2“-Vortragsraum lauschten so viele interessierte Gäste den Vorträgen, dass zeitweise das Geschehen auf der Bühne in einen zweiten Raum im Nachbargebäude übertragen werden musste.

Geschichten aus dem Bestatter-Alltag

Zur Eröffnung hielt der Thanatologe Jörg Vieweg ein Referat darüber, wie er und seine Kollegen beim Herrichten von Verstorbenen eine „lebendige Abschiedskultur“ unterstützen. Der Bestatter und Todesforscher Joerg Vieweg wurde nicht müde, zum Abschied am offenen Sarg zu ermutigen. Er und seine etwa 120 Thanatopraktiker-Kollegen in Deutschland hätten das Wissen und Handwerk, eine solche Aufbahrung vorzubereiten. Rurik von Hagens, Sohn des Erfinders der Leichen-Plastinaton Gunther von Hagens, berichtete von der Arbeit für die Wissenschaft über die Körperspende. Er plauderte unterhaltsam vom Weg des Garagen-Startups seines Vaters bis zur Gubener Plastinate GmbH, von wo aus heute über 70 Mitarbeiter die langlebigen Präparate an Universitäten, Forschungseinrichtungen und medizinische Ausbildungsstätten in aller Welt versenden. Geschichten aus dem Alltag eines Bestatters las Peter Wilhelm mit dem rauen Ruhrpott-Charme und einer deftigen Priese Humor gewürzt.

In der Zeit zwischen den Vorträgen gab es Gelegenheit, sich fachkundig von den Vereinsmitgliedern über das Gelände der ehemaligen Landesirrenanstalt führen zu lassen. Auch eine augenzwinkernde Portion Grusel gab es im „Irrsinnigen Keller“.

„Maden-Show” mit Dr. Mark Benecke

Höhepunkte des Abends waren schließlich der Korso der Leichenwagen unter dem Motto „der letzte Wagen ist immer ein Kombi“, für den gut 25 stolze Besitzer solch fahrbarer Untersätze aus ganz Europa angereist waren. Eine lange Schlange wartete schließlich auf Einlass zur „Multimedia-Maden-Show“ von Deutschlands bekanntestem Kriminalbiologen Dr. Mark Benecke. Der in Funk und Medien präsente Forensiker und Gerichtsgutachter unterhielt die mehr als 200 Zuhörer mit Fällen aus seiner Praxis.

Bei der Zeremonienmeisterin und Moderatorin Anja Kretschmer liefen alle Fäden der Organisation zusammen. Mit dieser Festival-Premiere hat sie dazu beitragen können, den Lost Place am Domjüchsee sowie das Thema Sterben und Tod ins Bewusstsein zu rücken. Wer sie einmal als friedhofsflüsternde „Schwarze Witwe“ erleben will, bekommt spätestens am 27. September in Malchow Gelegenheit, mit ihr auf dem Gottesacker am Kloster einen Spaziergang zu unternehmen.

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