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Allheilmittel Intervallfasten?

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Was der regelmäßige Verzicht auf Essen dem Körper wirklich bringt

Im Laufe der vergangenen beiden Jahrzehnte haben sich beim Intervallfasten zwei grundsätzliche Strategien herausgebildet, die oft mit den Zahlenkombinationen 5/2 und 16/8 bezeichnet werden. Die erste meint die Wochentage, die zweite bezieht sich auf die Stundenanzahl.
Im Laufe der vergangenen beiden Jahrzehnte haben sich beim Intervallfasten zwei grundsätzliche Strategien herausgebildet, die oft mit den Zahlenkombinationen 5/2 und 16/8 bezeichnet werden. Die erste meint die Wochentage, die zweite bezieht sich auf die Stundenanzahl.
Kai Remmers

Wer ab und zu aufs Essen verzichtet, soll sich wohler fühlen und an Gewicht verlieren. Aber hält diese Ernährungsform, was sie verspricht?

Für manche ist allein schon der Gedanke unvorstellbar: Fünf oder sieben oder gar dreißig Tage nichts zu essen. Und das soll auch noch gesund sein? Ist es, sagt die Ärztegesellschaft Heilfasten und Ernährung e.V. und verweist auf eine Fülle neuerer Erkenntnisse, die das alte Ernährungswissen vom zeitweisen Verzicht bestätigen.

Denn wenn das übliche Nahrungsangebot fehlt, versuche der Körper die Defizite aus den eigenen Reserven zu decken, erläutert Dr. Eva Lischka von der Ärztegesellschaft. Dazu gehörten glücklicherweise nicht nur die körpereigenen Depots an Nährstoffen, sondern auch allerlei innerzelluläre Ablagerungen, die im Verdacht stehen, an der Entstehung vieler Krankheiten beteiligt zu sein.

„In Notzeiten plündert der Körper zuerst die eigenen Mülldeponien, bevor es ans Eingemachte geht“, weiß auch Ernährungsberaterin und Fastenleiterin Manuela Haase vom Zentrum für ganzheitliche Gesundheit in Rostock. Der Abbauprozess heißt Autophagie, und weil er für den Stoffwechsel eine so bedeutsame Rolle spielt, gab’s für dessen Erforschung im Jahr 2016 sogar den Nobelpreis.

Innerzelluläre Müllabfuhr

Diese innerzelluläre Müllabfuhr könnte einer der grundlegenden Mechanismen beim Intervallfasten sein, das manchmal auch intermittierendes Fasten genannt wird, weil es sozusagen regelmäßig zwischendurch praktiziert wird. Als eine Art Light-Version des „richtigen“ Fastens ist es eine gute Möglichkeit für Anfänger, sich dem Thema und der Erfahrung zu nähern.

Dabei haben sich im Laufe der vergangenen beiden Jahrzehnte zwei grundsätzliche Strategien herausgebildet, die oft mit den Zahlenkombinationen 5/2 und 16/8 bezeichnet werden. Die erste meint die Wochentage, die zweite bezieht sich auf die Stundenanzahl. 5/2 steht also für fünf Tage essen und zwei Tage fasten, wenngleich nicht ganz streng. „Ich empfehle für die zwei Fastentage eine stark reduzierte Kalorienzufuhr von 500 bis 600 Kilokalorien Vollwertkost“, sagt die Neubrandenburger Heilpraktikerin Uta Noack.

Vollständiger Nahrungsverzicht möglich

Doch natürlich sei auch ein vollständiger Nahrungsverzicht möglich. Auf den beziehen sich die 16 Stunden des zweiten Konzepts. Das heißt: Essen ist nur in einem Zeitfenster von acht Stunden erlaubt. Für viele Intervallfaster bedeutet das: Frühstück zum Beispiel frühestens um 10 und Abendessen nicht nach 18 Uhr.

Dass die Strategie nicht nur Verdauungssystem und Stoffwechsel entlastet, sondern sogar zum Abnehmen ohne Jojo-Effekt taugt, zeigte bereits 2007 eine US-Studie, bei der die „8-Stunden-Esser“ mehr und schneller Kilos verloren als die kaloriengleiche Vergleichsgruppe, die den ganzen Tag über essen durfte. Dazu verbesserten sich die Blutdruck-, Blutzucker-, Cholesterin- und Entzündungswerte. Wer also nicht gleich die harte Tour probieren will, kann sich auch am Intervallfasten versuchen.