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Instrumentenserie: Kontrabass

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Vom Jazz-Musiker zum Philharmonie-Bassisten (Video)

Andreas Wiebecke-Gottstein wollte eigentlich Jazzer werden. Jetzt ist er Solobassist der Philharmonie.
Andreas Wiebecke-Gottstein wollte eigentlich Jazzer werden. Jetzt ist er Solobassist der Philharmonie.
Frank Wilhelm

Andreas Wiebecke-Gottstein ist Solobassist der Neubrandenburger Philharmonie. Dabei hatte der 54-Jährige anfangs eine andere Musikrichtung favorisiert.

Wieso haben Sie sich ausgerechnet so ein unhandliches, großes Instrument ausgesucht?

Ich habe als Kind zuerst Klavier gespielt. Ein schönes Instrument, gerade für das Kennenlernen der Musiktheorie. Autodidaktisch habe ich danach Gitarre gelernt, kam aber irgendwann nicht mehr weiter. In dieser Zeit mit ungefähr 16 Jahren habe ich angefangen, mich für Jazz zu interessieren und da hörte ich Ray Brown, einen bekannten US-amerikanischen Jazz-Bassisten. Der spielte auf dem Bass lange Töne mit dem Bogen, und da wusste ich: Das wollte ich auch!

Dann haben Sie sich aber doch für die klassische Musik entschieden. Warum?

Ich muss meinen Eltern danken, die mich jede Woche samstags nach Ingelheim (Rheinland-Pfalz) gefahren haben, bis ich selber fahren durfte. Dort hatte ich Unterricht bei einem Kontrabass-Studenten. Das ging gut voran, ich spielte zusammen mit Berufsmusikern sogar Blues. Aber der allgemeine Rat war, dass, wenn ich Jazz-Musiker werden will, eine klassische Ausbildung das Beste wäre. Nach dem Zivildienst bekam ich auch einen Studienplatz an der Hochschule für Musik in Frankfurt/Main, wo ich Kontrabass studierte.

Den Jazz gaben Sie dann auf?

Ab dem Musikstudium gab es einfach keine Zeit mehr für Jazz. Richtig ausbauen konnte ich diese Richtung nicht. Aber das bereue ich nicht. Es ist schön, dass ich hier in der Philharmonie Neubrandenburg alles spielen kann: Sinfonien, Musical, Operette und Oper. Die Bassisten scheinen im Orchester nicht die große Rolle zu spielen wie beispielsweise die Geigen.

Welche Stimme spielen Sie?

Der Kontrabass heißt Kontra(Bass), weil er die Töne der sogenannten Kontraoktave spielen kann. Er ist das tiefste Streichinstrument. Der Konzertbesucher hört den Bass vielleicht nicht heraus. Wenn wir aber nicht spielen würden, dann würde aber doch im Gesamtklang etwas fehlen.

Kann man sagen, dass der Kontrabass eine 20fach vergrößerte Violine ist?

So einfach ist das nicht. Natürlich ähnelt sich die Form, und der Bass hat wie die Geige auch vier Saiten. Aber der Spieler oder die spielende Hand wird ja nicht 20 Mal größer, was die Handhabung des Instruments ja deutlich erschwert! Der Bogen, mit dem wir spielen, ist übrigens kürzer als der Violinbogen.

Sie besitzen neben Ihrem eigenen Kontrabass auch noch ein sehr spezielles Instrument …

Eine Nyckelharpa.

Eine was?

Die Nyckelharpa wird auch Schlüssel- oder Tastenfidel genannt. Der wesentliche Unterschied zur Geige sind die Tasten, mit denen der Spieler die Saiten mechanisch verkürzen kann.

Damit spielen Sie aber nicht in der Philharmonie?

Nein. Die Nyckelharpa kommt in der Folkband „Papillon“ zum Einsatz, mit der ich ab und zu auftrete.